Supermarktleiter geben Beispiele

Warum Hamsterkäufe zum Problem werden

Im Edeka in Lauf haben Hubert Kirsch und sein Team alle Hände voll zu tun, die Waren aufzufüllen. Vereinzelte Produkte, wie Sonnenblumenöl, werden aber aktuell nicht mehr geliefert. | Foto: Haase2022/03/Edeka_Lauf_Hubert_Kirsch_rh-scaled.jpg

LAUF/BURGTHANN – Die Auswirkungen des Ukrainekriegs sind in den lokalen Supermärkten angekommen, bestätigen Hubert Kirsch, Leiter der Laufer Edeka-Filiale, und Timo Hubmann, stellvertretender Rewe-Leiter in Burgthann. Von Hamsterkäufen raten sie aber dringend ab, denn die seien nicht nur unnötig, sondern brächten auch Planungs- und Bestellvorgänge durcheinander. Die Folge: noch mehr Lieferengpässe.

„Am Anfang war bloß das Sonnenblumenöl weg, vor allem das billige und später das teure“, sagt Filialleiter Hubert Kirsch beim Blick in das ausgedünnte Öl-Regal der Laufer Edeka-Filiale. Mit anderen Ölen wie Oliven- oder Kokosöl werden die Märkte zwar weiterhin beliefert, doch auch das sei schnell vergriffen. „Jeder schaut auf sich und hamstert. Da werden einfach mal fünf Flaschen mitgenommen. Vielen ist es egal, ob andere noch etwas bekommen“, sagt Kirsch. Seit Montag dürfen Kunden deshalb – wie in vielen anderen Supermärkten – im Laufer Edeka nur noch eine Flasche pro Einkauf mitnehmen.

Wenn Sonnenblumenöl ausverkauft ist, wie hier im Laufer Edeka, müssen Kunden auf Ersatzprodukte zurückreifen. Doch nicht allen schmeckt zum Beispiel Olivenöl als Alternative und zum Frittieren eignet es sich auch nur bedingt. / Foto: Haase2022/03/IMG_0956-scaled.jpg

Welche Schuld haben die Medien?

„Es ist überall das Gleiche. Wenn die Medien sagen, irgendwas wird knapp, gehen die Kunden sofort in den Laden und kaufen es“, ist auch die Erfahrung von Timo Hubmann, stellvertretender Filialleiter des Rewe-Marktes in Burgthann.

Auch er bemerkt die gestiegene Nachfrage. So würden sich Kunden neben Öl und Mehl zum Beispiel aktuell wieder mehr Toilettenpapier und auch normales Papier in den Einkaufswagen legen. Als Ursache dafür vermutet Hubmann die allgemeine Rohstoffknappheit und die steigenden Holzpreise.
Dabei würden die meisten Waren aktuell wie gehabt geliefert.

Die Versorgung mit Grundlebensmitteln sei gedeckt. Schlimmstenfalls müssten Kunden auf Ersatzprodukte ausweichen. Das bestätigen auch der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels und der Bauernverband. Zumindest in diesem Jahr sei der Bedarf an Getreide gedeckt, heißt es. Doch, wenn ausreichend Waren vorhanden sind, wieso stehen Kunden dann vor leeren Regalen?

„Das System merkt, wie viel Ware gekauft wird und bestellt dementsprechend nach“, erklärt Timo Hubmann den Ablauf im Burgthanner Rewe. „Ist die Nachfrage nach bestimmten Produkten plötzlich überall sehr groß, kann das schnell zu einer Überlastung führen.“ Hamsterkäufe würden sich aber nicht nur durch leere Supermarktregale bemerkbar machen, sondern auch zu Transportproblemen führen. Der stellvertretende Burgthanner Rewe-Leiter: „Zurzeit sind auch Lkw-Fahrer wieder mehr gefragt, aber es gibt immer weniger davon, so dass wir zum Beispiel externe Fahrer beauftragen müssen.“

Planbarkeit ist das Problem

Wenn plötzlich nicht mehr die üblichen Mengen eines bestimmten Produktes gekauft werden, bringt das von der Produktion über den Transport bis hin zum Einsortieren im Supermarkt also das gesamte Versorgungssystem durcheinander. „Wenn jeder nur das nimmt, was er tatsächlich braucht, können wir besser planen und die Verfügbarkeit von Produkten auf einen längeren Zeitraum strecken“, bestätigt auch Hubert Kirsch aus Lauf.

Die Frage nach der Haltbarkeit

Viele Kunden greifen beim Einkauf außerdem hinten ins Regal und legen sich gezielt die Produkte mit der längsten Haltbarkeit in den Einkaufswagen, weiß er. Die kürzer haltbaren Waren, die vorne stehen, werden dann zum Ladenhüter. Zwar spende man viel an die Tafel, doch trage dieses Einkaufsverhalten nicht nur zur Lebensmittelverschwendung bei, sondern bringe ebenfalls wieder Bestellketten durcheinander. „Niemand soll abgelaufene Ware kaufen, aber wenn Sie beim Einkaufen die Produkte von vorne wegnehmen, würde uns das sehr helfen“, appelliert Kirsch.

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