Brandanschläge und Ermittlungen: BR sendet aus Vorra

Spurensuche mit Kamera und Mikrophon

BR-Reporterin Constanze Schulze interviewte EKHK Norbert Ditzel, daneben steht Bürgermeister Volker Herzog (links). Foto: S. Fuchs2015/01/5_2_1_2_20150115_VORRA.jpg

VORRA – Vor gut vier Wochen, nämlich am 12. Dezember vergangenen Jahres, war nach 22.30 Uhr ein Feuer zeitgleich in drei Gebäuden einer geplanten Asylantenunterkunft in Vorra ausgebrochen. Von möglichen Tätern, die für diesen heimtückischen Brandanschlag und die am Brandort vorgefundenen rechtsradikalen Parolen verantwortlich sind, fehlt leider noch jede Spur.

BR-Livereporterin Constanze Schulze ist vergangenen Dienstagabend in der Sendung BR Franken bzw. BR Abendschau den Fragen nachgegangen, warum sich die Ermittlungen so schwierig gestalten und wie die Bürger über dieses schreckliche Ereignis empfinden bzw. wie sie sich auf die für die Jahreswende angekündigten Flüchtlinge vorbereitet hatten.

Ein zwölfköpfiges Team mit zwei Sendewagen stand pünktlich zu Sendebeginn um 17.30 Uhr in der Hirschbacher Straße am Ort des Geschehens. Unter den Anwesenden waren neben etlichen Gemeindebürgern auch einige Gemeinderäte, Bürgermeister Volker Herzog und EKHK Norbert Ditzel, der stellvertretende Leiter der SOKO „Vorra“.

„Wie weit sind die Ermittlungen?“, so eine Frage von Reporterin Schulze an den Kripo-Beamten. Ditzel führte aus, dass die 30-köpfige SOKO bislang etwa 65 Hinweisen nachgegangen sei, über zweihundert Spuren in Bearbeitung und rund 500 Personen vernommen habe. Man werde von Experten und Brandsachverständigen des Bayerischen Landeskriminalamtes unterstützt und habe zudem das Landesamt für Verfassungsschutz eingebunden.

„Wir arbeiten sehr intensiv, aber eine heiße Spur gibt es leider noch nicht“. Die Spurenlage sei deshalb schwierig, da wie bei allen Brandfällen die Beweismittel und Spuren in den drei Gebäuden durch Feuer und Wasser nahezu vernichtet worden sind. Gleichwohl werde man alle zur Verfügung stehenden ermittlungstechnischen und rechtlichen Mittel einsetzen. So sei er zuversichtlich, dass die Klärung des deutschlandweit bekannt gewordenen Brandanschlags doch noch erfolgreich zum Abschluss kommen werde.

Zur Frage, ob es jemand aus dem Ort gewesen sein könnte, meinte Norbert Ditzel, dass man selbstverständlich auch das nähere Tatortumfeld abgeklärt und eine Reihe von Überprüfungen in der Gemeinde durchgeführt habe. Ein Tatverdacht habe sich jedoch nicht ergeben. Das gleiche gelte für mögliche Täter aus dem Neonazi-Umfeld. Man habe zeitnah ein Grundstück am Ortsrand durchsucht, in dem sich wiederholt Rechtsradikale getroffen haben sollen, aber auch hier habe man keine Verbindungen zum Anschlag gefunden. Die Polizei sei nach wie vor auf Hinweise („auch unwichtig erscheinende Beobachtungen“) angewiesen, Zeugen könnten sich unter der Hotline 0800/7766320 melden.

Nach einigen Bildausschnitten von der Brandnacht bzw. vom Inneren der brandgeschädigten Gebäude befragte Live-Reporterin Constanze Schulze auch einige Bürgerinnen über ihre Erlebnisse während der Brandnacht, ihre Einstellung zu den angekündigten Asylanten und wie sie die Geschehnisse verarbeitet hätten. Margit Leimberger vom benachbarten Heuhotel „Fischbeck“ schilderte u. a., wie sie vom ersten Sirenenalarm an die Löscharbeiten von rund einem Dutzend Feuerwehren erlebt habe. Dass es ein Anschlag war, habe sie kaum fassen können und Tage gebraucht, um wieder zur Normalität zurückzufinden. Antonia Landolfi, die seit 31 Jahren mit ihrer Familie im Ort wohnt, hofft inständig, dass die Straftat aufgeklärt werde und wieder Ruhe in Vorra einkehre.

Erna Schlenk führte aus, wie sie sich und viele Bekannte schon auf Kontakte mit den neuen Bewohnern vorbereitet hätten. „Doch leider ist alles ganz anders gekommen!“ Und Christa Häusler vom Ehrenamtskreis „Flüchtlingshilfe“ betonte, dass Asylsuchende nach wie vor in Vorra herzlich willkommen seien. Deshalb würde sie sich einen schnellen Wiederaufbau wünschen, der Helferkreis sei gut aufgestellt.

Aber es gab auch etwas Positives aus Vorra an diesem Abend zu berichten: Wetterfee Ulla Küffner, diesmal live vor der Einfahrt zum Schloss, verkündete, dass sie, das BR-Team und natürlich alle Vorraer den Dienstag als den wärmsten und wolkenlosesten Tag seit gut zwei Monaten hätten erleben dürfen.

Mit einem herzlichen Dank an alle Beteiligten (vor und hinter den Kameras) endete für Reporterin Constanze Schulte der Besuch in Vorra. Von dem an diesem Tag leider verhinderten Objektbesitzer war aus anderer Quelle zu erfahren, dass in den nächsten Tagen mit der Sanierung der vom Brandanschlag betroffenen Gebäude begonnen werden soll.

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