Auch das ZDF berichtet über den Anschlag

Brandstiftung in Vorra: Belohnung auf 20 000 Euro erhöht

Bürgermeister Volker Herzog, Kindergartenleiterin Petra Kuich, ZDF-Redakteur Peter Schmidt, ZDF-Kameramann, Pfarrerehepaar Julia und Björn Schukat, Regionalbischof Stefan Ark Nitsche, Gemeinderätin Brigitte Leimberger und Asylsozialberaterin Luisa Rafalski. Foto: S. Fuchs2015/01/5_2_1_2_20150122_VORRA.jpg

VORRA – Kommenden Sonntag, 26. Januar, befasst sich die ZDF-Redaktion „Kirche und Leben“ in ihrem „Sonntagsmagazin“ vormittags um neun Uhr mit dem Thema Feuer und Mensch. In diesem Zusammenhang ging ZDF-Redakteur Peter Schmidt in einem Fünf-Minuten-Beitrag u. a. der Frage nach, wieso ausgerechnet in Vorra ein Brandanschlag auf eine Asylbewerberunterkunft passieren konnte.

Gestern erkundigte sich Schmidt in einer lockeren Diskussionsrunde im Vorraer Pfarrhaus danach, wie Verantwortliche und Mitglieder von Kirche und Kommune sich auf die Ankunft der Asylsuchenden vorbereitet bzw. wie sie und die Bevölkerung auf den Brandanschlag reagiert hätten. Denn in dieser Idylle, so die ersten Eindrücke des Mainzers, würde man ein derartiges schändliches Verbrechen nicht vermuten.

Regionalbischof Stefan Ark Nitsche betonte zunächst, dass man alle Asylsuchenden gleichermaßen willkommen heiße, unabhängig davon, ob sie nun aus einem Kriegsgebiet gerade noch mit ihrem Leben davongekommen oder ob sie aufgrund der desolaten wirtschaftlichen Verhältnisse in ihrer Heimat geflohen seien. Denn trotz EU-Zugehörigkeit und demokratisch gewählten Regierungen würden Bevölkerungsgruppen in Osteuropa massiv ausgegrenzt, diskriminiert und angefeindet.

Auf den Brandanschlag eingehend schilderte Pfarrer Björn Schukat, wie man sich im Ehrenamtskreis „Flüchtlingshilfe“ und darüber hinaus auf die Ankunft der Asylsuchenden vorbereitet habe. Deshalb habe die Bevölkerung mit Betroffenheit, aber auch mit Ärger und Wut auf das feige Geschehen reagiert. Der Bezug der beiden Unterkünfte (Gasthaus und Wohnhaus) sei für ihn im Bereich der Normalität gelegen: Dazu gehörten vor allem eine positive Haltung den unterschiedlichen Ethnien gegenüber, offene Gespräche und eine Willkommenskultur. Man biete z. B. Deutschkurse an, Kinderbetreuung, lade zu Sport- und Musikveranstaltungen ein und helfe bei Arztbesuchen und Behördengängen.

Kindergartenleiterin Petra Kuich schilderte aus ihrer Sicht die erfreulichen Kontakte zu den Flüchtlingsfamilien. Aus ihrer Erfahrung würden gerade die Kleinsten die Integration durch das spielerische Mitmachen und die vorbehaltlose Aufnahme in der Gruppe am leichtesten meistern. Zudem gebe es Übergangsklassen, in denen die größeren Kinder auf die Teilnahme am Unterricht sorgfältig vorbereitet würden.

Hat die Gemeinde einen Einfluss darauf, ob überhaupt und wenn ja, wie viele Asylanten in den Ortschaften untergebracht würden, wollte Redakteur Schmidt wissen. Im konkreten Fall, so Bürgermeister Volker Herzog, hatte sich der Gemeinderat lediglich mit dem Antrag auf Umnutzung der Gebäude zu befassen. Zwar seien gewisse Befürchtungen und Bedenken diskutiert worden, doch habe man dem Antrag ebenso vorbehaltlos zugestimmt wie dem Monate später vorliegenden Vorkaufsrecht; zumal die Kommune keinen Eigenbedarf hätte geltend machen können. Er und seine Verwaltung würden natürlich im Alltag auch jede nur mögliche Hilfe bei der Integration anbieten. Und wie geht es weiter? Regionalbischof Nitsche zitierte den Investor, der kurz nach dem Brandanschlag signalisiert habe „Wir lassen uns nicht unterkriegen!“ Soll heißen „Wir machen weiter“. Am Rande erwähnte er zudem, dass die Evangelische Kirche Bayern nicht unerhebliche finanzielle Mittel für die Unterstützung der Asylbewerber bereitstelle, vor allem im sozialen Bereich.

Zur Täterfrage und Motiv verwiesen alle Diskussionsteilnehmer auf die SOKO „Vorra“. Trotz der Hakenkreuzschmierereien müsse aber nicht zwangsläufig ein Bezug zu Rechtsradikalen bestehen, so der Bürgermeister. Polizei war auch gestern wieder in Vorra. Es wurden neue Fahndungsplakate geklebt, denn durch private Spenden wurde die Belohnung für den richtigen Tipp auf den oder die Täter von 5000 auf 20.000 Euro erhöht.

Fazit der Gesprächsrunde: Asylsuchende sind auch zukünftig in Vorra willkommen; die „Brücke zur Bevölkerung“ bestehe durch einen aktiven Flüchtlingskreis. Deshalb verknüpften alle Teilnehmer der Gesprächsrunde ihre Hoffnung damit, dass die Brandruinen und -schäden möglichst schnell beseitigt werden.

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