Sieben Tage, siebeneinhalb Tage – oder acht Tage?

Verwirrung um die Inzidenz

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NÜRNBERGER LAND — 19 Covid-19-Fälle binnen sieben Tagen vermeldete das Landratsamt am Donnerstag, 17 waren es laut der Behörde am Freitag. Pro 100.000 Einwohner, denn danach richtet sich der Frühwarnwert, waren es 11,18 beziehungsweise 10. Doch wer sich die Mühe macht und die täglich neu gemeldeten Fälle im Nürnberger Land nachzählt, zweifelt schnell am vielzitierten Rechenmeister Adam Ries(e).

Die Addition der Fälle binnen sieben Tagen in verschiedenen Zeiträumen ergibt selten den offiziellen Wert. Beispiel Freitag, 21. August, bis Donnerstag, 27. August: 1+5 (Fälle von Montag und dem Wochenende, also drei Tagen) +3+3+4 ergibt 16 Fälle, nicht 19.

Pressesprecher Rolf List ist sich dessen bewusst. Bei der Berechnung des Wertes berücksichtige man eigentlich die Fälle von acht Tagen, also beispielsweise jene von Donnerstag bis Donnerstag. Das werde bayernweit so gehandhabt. Und so werden aus 16 Fällen plötzlich 19.

Landratsamt verweist auf Landesamt

List verweist auf das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Erlangen. Auf der Webseite der Behörde steht: „Die Sieben-Tage-Inzidenz bildet die Fälle der letzten sieben Tage pro 100 000 Einwohner ab. Zur Berechnung wird der Datenstand von 8 Uhr des Aktualisierungstages verwendet. Bei den Fällen der letzten sieben Tage handelt es sich um die aufsummierten Fälle mit Meldedatum der letzten sieben Tage sowie Fallmeldungen, die mit Meldedatum des Aktualisierungstages bis 8 Uhr eingegangen sind.“

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Somit ergibt sich eine Siebeneinhalb-Tages-Inzidenz, nachdem die Fälle bis 8 Uhr am Meldedatum mit eingeschlossen werden, aber die Fälle bis acht Uhr genau sieben Tage vorher auch mitgezählt werden.

Wieso man so verfährt, konnte auf gestrige Nachfrage beim LGL niemand beantworten. Auf der Webseite wird auf dieser Grundlage jedenfalls davon abgeraten, die gemeldeten Fälle nachzuzählen: „Das Meldedatum entspricht dem Datum, an dem das Gesundheitsamt vor Ort Kenntnis von einem positiven Laborbefund erhalten hat. Dieses Meldedatum entspricht nicht immer dem Datum, an dem das LGL einen Fall erstmals berichtet. Daher kann die Sieben-Tage-Inzidenz nicht über die Aufsummierung der jeweils neu berichteten Fälle der vergangenen Tage berechnet werden. Zu beachten ist in diesem Zusammenhang auch, dass sich Fallzahlen rückwirkend ändern können (z. B. durch Qualitätskon­trollen oder Nachmeldungen).“

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Ob die Sieben-Tage-Inzidenz bundesweit so zustande kommt, konnte das LGL bis Redaktionsschluss nicht auflösen.

Indessen kommt man bei den aus dem Landkreis vermeldeten Fällen auch bei acht Tagen nicht immer auf den richtigen Wert, etwa von Freitag, 21. August, bis Freitag, 28 August. Das Amt meldet 17 statt 18. Da weiß auch Adam Ries nicht weiter. Eine Nachfrage konnte die Kreisbehörde am gestrigen Nachmittag nicht mehr beantworten.

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