Erste Bilanz

Der Bürgerladen in Velden hat sich gut etabliert

Ehrenamtliche Helfer im Laden bei der Inventur. Mit Barcodescannern und Laptop ausgestattet, kamen die 13 Helfer schnell voran. | Foto: P. Meyer2020/01/IMG-7127.jpg

VELDEN – Mit dem Veldener Bürgerladen „Mittendrin“ hat seit Sommer 2019 ein gemeinschaftlich organisierter Lebensmittelladen in Velden eröffnet. Kurz nach dem Jahreswechsel stand nun die erste Inventur an. Grund genug, Bilanz zu ziehen und nachzufragen, wie es dem jungen Unternehmen im ersten halben Jahr ergangen ist.

Nachdem am Marktplatz des kleinen Städtchens der Lebensmittel-, Schreibwaren- und Geschenkeladen „Kramers Kaufladen“ schließen musste, hatte sich eine Bürgerinitiative gegründet, um die Grundversorgung der Bevölkerung weiterhin aufrechtzuerhalten. Mit viel ehrenamtlichem Engagement, genügend finanziellen Einzelbeteiligungen in Form von Anteilen seitens der Bürger und Mitteln aus dem Leader-Fördertopf der EU gelang es den Veldenern, in der Rekordzeit von nur sieben Monaten den Bürgerladen im Juli zu eröffnen.

Reichlich Arbeit

Seit der Eröffnungsfeier hat der Laden von Montag bis Samstag offen, beschäftigt zwei Teilzeitkräfte sowie drei Kräfte auf 450 Euro-Basis und verfügt über ein Vollsortiment inklusive vieler regionaler und Bio-Produkte. Auch eine Frischetheke mit regionalem Fisch und Bio-Käse, belegten Brötchen sowie Salaten konnte auf relativ wenig Raum integriert werden und ergänzt so das Angebot von Hermes, Reinigung, Lotto, Zeitschriften, Schreib- und Tabakwaren.

Auf den ersten Blick ein ganz normaler kleiner Laden, aber im Hintergrund läuft es doch alles andere als „normal“. Denn nach wie vor steckt reichlich ehrenamtliche Arbeit in den täglichen Geschäftsabläufen, was viele Beteiligte der ursprünglichen Initiative sich so wahrscheinlich nicht vorgestellt hatten.

Einer der drei ehrenamtlichen Geschäftsführer, Michael Taubmann, beschreibt es treffend: „Den Laden zum Laufen zu bekommen war quasi die Geburt. Nun muss man sich wie um ein kleines Kind täglich um das Geschäft kümmern. Würde man sämtliche Aufgaben von bezahlten Kräften erledigen lassen, so würde sich das Ganze nicht rechnen, da die Margen im Lebensmittelsegment sehr gering sind.“

Organisation ist A und O

So werden wöchentliche Fahrdienste von Ehrenamtlichen übernommen, ein paar Veldener Damen unterstützen beim Einräumen der Lieferungen in die Regale, die komplette Inventur wurde an einem Samstagnachmittag von Freiwilligen durchgeführt, Werbung jeglicher Art wird nach wie vor vom Arbeitskreis Marketing organisiert und die Geschäftsführer planen und koordinieren unermüdlich im Hintergrund. „Vieles funktioniert schon sehr gut, Einiges muss sich erst noch einspielen“, so Taubmann. „Wenn man jedoch Tätigkeiten gut aufteilt, wird es für den Einzelnen nicht zu viel und die Menschen kommen gern zum Helfen. Neue Helfer sind natürlich jederzeit willkommen.“

Mit Blick auf die Umsätze sind die Geschäftsführer optimistisch. „Es läuft gut, aber ein wenig besser könnte es sein“, resümiert Wolfgang Hutzler, der sich vorrangig um das Sortiment und das Kassensystem kümmert. „Sobald wir Urlaubsvertretung für die ortsansässige Bäckerei übernehmen oder gezielte Aktionen machen, merkt man sofort, dass der Umsatz nach oben geht.“ Deshalb gab es im Dezember bereits einen Christbaumverkauf mit regionalen Bäumen und für 2020 haben die Mitglieder der Arbeitskreise in jedem Quartal eine größere Aktion geplant.

Nach Kundenwunsch

Auch soll es nun monatliche Angebote geben und die Vereine sollen gezielt angesprochen werden. „Das Sortiment wird nach den ersten Erfahrungen an die Bedürfnisse der Kunden angepasst und es wurden Prozesse im Laden standardisiert, um den neuen Mitarbeitern die Arbeitsabläufe zu erleichtern und manches zu vereinfachen“, erklärt Hutzler.

„Alles in allem stehen große Teile der Bevölkerung nach wie vor hinter dem Projekt und unterstützen an vielen Stellen. Das muss man ganz klar als Erfolgsgeschichte von Velden sehen“, meint Herbert Seitz, Bürgermeister von Velden. „Vor allem nachdem 2019 noch ein Metzger am Marktplatz schließen musste, trägt der Laden maßgeblich zur Lebendigkeit des Ortskerns bei und steigert die Attraktivität von Velden ungemein.“

N-Land Petra Meyer
Petra Meyer