Mutter berichtet von Quarantäne

„Unspektakulär, aber echt nervig“

SARS-CoV-2 heißt das neuartige Coronavirus, das sich derzeit weltweit ausbreitet. Es verursacht die Erkrankung Covid-19. Diese Elektronenmikroskopaufnahme der National Institutes of Health zeigt, wie Viruspartikel aus im Labor kultivierten Zellen hervorgehen. | Foto: NIAID-RML2020/02/covid-19.jpg

RÖTHENBACH – In Röthenbach müssen nach der bestätigten Corona-Infektion nun 23 Kindergartenkinder zu Hause bleiben. In der Zeit muss natürlich für die Betreuung gesorgt sein. Eine Mutter berichtet, wie sie und ihre Familie mit der Situation umgehen.

„Eigentlich sollen wir ja sogar getrennt essen und Körperkontakt vermeiden, aber wie soll das gehen mit einem dreijährigen Kind?“, fragt eine Mutter, deren Kind die Lebenshilfe-Kita in Röthenbach besucht. Weil eine Erzieherin positiv auf den Coronavirus getestet wurde, bleibt die Einrichtung geschlossen (die Pegnitz-Zeitung berichtete). 23 Kinder sind in häuslicher Quarantäne.

Das Gesundheitsamt testet nun

Ob sich eines von ihnen infiziert hat, testet das Gesundheitsamt in Lauf. Für die Eltern bedeutet das eine Woche Ungewissheit, in der auch für die Betreuung gesorgt sein muss.

Mutter Sandra Maul (Name geändert) bleibt mit ihrem Kind zu Hause. Auch ihr Mann darf im Homeoffice arbeiten. „Eigentlich ist alles wirklich unspektakulär, aber echt nervig. Wir sind ja nicht in Quarantäne, aber die Kinder schon“, sagt Maul.

Ein Lob für die Kindertagesstätte

Das Vorgehen der Kita sei vorbildlich gewesen. Direkt am Freitag hätten alle Eltern einen Anruf bekommen mit dem Hinweis, sich mit dem Gesundheitsamt in Verbindung zu setzen. Dort hat Sandra Maul gestern einen Termin für einen Abstrich erhalten – den allerdings nicht gleich, sondern verbunden mit ein paar Tagen Wartezeit. „Davor habe ich beim Kinderarzt und beim Hausarzt angerufen, um nach einem früheren Test zu fragen, aber die haben mich nur an die Hotline 116 117 verwiesen“, erklärt sie. Mauls Kind ist „Kontaktperson 1“, weil es direkten Kontakt zur infizierten Erzieherin gehabt haben könnte.

Lange Wartezeiten bei der Hotline

Bei der empfohlenen Hotline landete die Mutter sofort in einer Warteschleife. „Ich wollte wissen, ob ich mich auch testen lassen kann. Was ist denn zum Beispiel, wenn der Arbeitgeber so einen Test verlangt? Es geht einfach darum, dass man guten Gewissens wieder in die Arbeit gehen kann“, sagt Maul.

Dr. Martin Seitz, Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbands im Nürnberger Land, bestätigt die längeren Wartezeiten bei der Ärztehotline, die im Bedarfsfall auch einen Mitarbeiter für einen Corona­test zu den Patienten schickt. Das liege aber vor allem an der derzeit hohen Nachfrage.

Keine Schutzkleidung mehr für Ärzte

„Das Robert-Koch-Institut gibt Empfehlungen, wer getestet werden soll, und darunter fallen eben nur Menschen, die wirklich Symptome zeigen“, so der Heuchlinger Mediziner. Die meisten Hausärzte könnten auch Tests durchführen, jedoch fehle ihnen oft die Schutzkleidung. Diese sei nicht mehr lieferbar.

„Wir kämpfen an so vielen Fronten“, sagt der Mediziner weiter. „Mit Tests allein ist es nicht getan. Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Jeder ist aufgefordert, sich vernünftig zu verhalten.“ Das tut auch Mutter Sandra Maul: „Bis unser Kind getestet wurde, bleiben wir zu Hause, so gut es geht.“

Eltern dürfen der Arbeit fern bleiben

Wie Dr. Seitz erklärt, dürfen Erziehungsberechtigte der Arbeit fernbleiben, wenn das Kind unter Quarantäne steht und keine anderweitige Betreuung gewährleistet ist. Hier, so der Allgemeinarzt,würden die gleichen Regelungen wie bei kranken Kindern greifen – es gibt also eine Bescheinigung vom Arzt. Allerdings gilt diese Regelung für jeden Arbeitnehmer nur zehn Tage im Jahr.

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