Kostenlose Angebote gibt es bald in vielen Orten

Test-Offensive im Landkreis

Schnelltestzentren sollen in den nächsten Tagen und Wochen im gesamten Landkreis entstehen. In Lauf wird künftig nicht wie vergangenen Samstag auf dem Marktplatz (im Bild) getestet, sondern am Parkplatz Pegnitzwiese. | Foto: Beck2021/03/testzentrum-lauf.jpg

Nürnberger Land – Möglichst flächendeckend sollen die Landkreisbewohner künftig die Möglichkeit haben, sich auf das Coronavirus testen zu lassen – unkompliziert, schnell und kostenlos. Das sieht die Teststrategie vor, die eine fünfköpfige Arbeitsgruppe unter anderem mit dem Laufer IHK-Vorsitzenden Johannes Bisping vorgelegt hat. Er ist entsetzt, dass die bundesweite Teststrategie im 13. Monat seit Pandemiebeginn in Deutschland noch nicht weiter ist. Es gebe keinen richtigen Rahmen von oben, dabei komme die Bundesrepublik „gerade in der dritten Welle an“. Immerhin: Im Landkreis „tut sich an ganz vielen Stellen etwas“, freut sich Bisping. Ein Überblick über die Situation im PZ-Verbreitungsgebiet.


Am weitesten ist der Markt Schnaittach. Dort fand bereits am 10. März ein Testlauf im Jugendtreff statt, der zum Schnelltestzentrum umgestaltet wurde. Vergangene Woche wurde an drei Tagen getestet, in diesem Rhythmus soll es künftig weitergehen. Kommende Woche wird am Montagvormittag sowie Mittwoch- und Freitagnachmittag getestet, die Termine waren bis Redaktionsschluss fast komplett ausgebucht.


Pionierarbeit in Schnaittach


„Die Leute nehmen die Teststrecke sehr gut an“, sagt Bürgermeister Frank Pitterlein. Vor allem nachmittags gebe es großes Interesse an den Terminen, die der Betreiber, die Schnaittacher Firma MBS, im Zwei-Minuten-Takt vergibt. Pitterlein glaubt, dass die Pionierarbeit in Schnaittach das Schnelltesten im Landkreis salonfähig gemacht hat: „Wir haben mit diesem Schritt geschafft, dass das Testen aus der Sozialscham rauskommt“, drückt es der Bürgermeister aus. Die Akzeptanz steige, und das sei wichtig, es gehe schließlich darum, „stumme“ Infektionen zu finden und das eigene Umfeld zu schützen.


Weil Schnaittach an seine Grenzen kommt, gibt es künftig auch in Neunkirchen und Simmelsdorf eigene Teststrecken, die ebenfalls von MBS betrieben werden. In Neunkirchen gibt es kommende Woche die Möglichkeit, sich am Donnerstag zwischen 13 und 15 Uhr im leer stehenden Bahnhofscafé testen zu lassen. Dafür gibt es noch viele Termine. In Simmelsdorf wird am Mittwoch zwischen 9.30 Uhr 11.30 getestet, und zwar in der Schulturnhalle in Hüttenbach. Die Anmeldung für alle drei Standorte erfolgt im Internet über www.mbs-med.de.

Nicht nur für Gemeindebewohner


Künftig will der Anbieter MBS in allen drei Kommunen im Schnaittachtal je drei Testtage anbieten und auch am Wochenende testen, sodass man als Bürger auch zeitlich eine große Auswahl hat. Weil es in Schnaittach mehr als eine Teststraße geben soll, gibt es Pläne, in den Badsaal oder eine Turnhalle umzuziehen – Pitterlein schwebt auch ein Test-Drive-In vor. Die Testmöglichkeiten sind nicht auf Gemeindebürger beschränkt, wie Schnaittachs Bürgermeister betont. „Jeder Simmelsdorfer, Neunkirchener und Laufer ist bei uns willkommen“, so Pitterlein.


Die Kreisstadt ist noch nicht ganz so weit. In Lauf stand am vergangenen Samstag ein Schnelltestzelt auf dem Oberen Marktplatz, doch das war nur eine einmalige Aktion. Stattdessen soll im Lauf der kommenden Woche ein Schnelltestzentrum am Parkplatz Pegnitzwiese entstehen.


Zu Fuß und mit dem Auto erreichbar


Bürgermeister Thomas Lang sieht den Vorteil am Standort, dass er zu Fuß vom Stadtzentrum aus, aber auch per Auto gut zu erreichen ist. Man sei aktuell mit drei möglichen Anbietern im Kontakt, sagt Hauptamtsleiter Benjamin Wallner. Man werde sich an den Öffnungszeiten der Testzentren in Altdorf und Hersbruck orientieren, also zunächst Montag bis Freitag Termine anbieten und „schauen, wie es angenommen wird“, so Wallner.
Geplant ist außerdem ein mobiles Team, das die Laufer Ortsteile abfährt. So will man auch Bürger erreichen, die nicht (mehr) mobil sind. Wann es losgeht, will die Stadt kommende Woche verkünden.


Die Mitarbeiter der Stadt, die häufig in Kundenkontakt sind, können sich bereits zweimal wöchentlich in der Feuerwache testen lassen, so Lang. Das betrifft den Bauhof, die Kläranlage, das Bürgerbüro und das Standesamt. Die Option stehe aber auch allen anderen Mitarbeitern der Verwaltung offen. Zudem fährt ein mobiles Team des BRK die Laufer Kitas ab und testet dort die Mitarbeiter auf freiwilliger Basis, wie der Bürgermeister ergänzt.


Testzentrum des Kreises in Lauf


Zudem ist geplant, dass in Lauf ein weiteres Testzentrum des Landkreises entsteht. Damit würde auch die Anzahl der möglichen PCR-Tests erhöht werden. Solche Testzentren gibt es bisher in Hersbruck und Altdorf.


In Röthenbach wird die Neue Mitte zum Schnelltestzentrum – allerdings erst Anfang April, wie Bürgermeister Klaus Hacker mitteilt. Das liege daran, dass der Bund erst ab kommendem Monat Aufwandsentschädigungen für Personal von Schnellteststrecken zahlt. Betreut wird die Neue Mitte von zwei der vier Röthenbacher Apotheken, der Pegnitz- und der Igelapotheke.

Das Testangebot soll an zwei bis drei Nachmittagen unter der Woche bestehen, am Wochenende soll zudem das Röthenbacher BRK am gleichen Ort Tests anbieten. Eine vorherige Anmeldung soll nicht notwendig sein, so Hacker: „Wer hingeht, wird getestet.“


Schnelltest im „Pegnitz Park“?


In Schwaig könnte eine Gaststätte zum Schnelltestzentrum werden. Der „Pegnitz Park“ auf dem Vereinsgelände des SV Schwaig hat eine derartige Nutzung beim Landratsamt beantragt. Ansonsten bieten die Rosenapotheke sowie die Arztpraxis Dr. Mücke und die Gemeinschaftspraxis Dr. Paetzke Schnelltests an, wie Bürgermeister Thomas Wittmann informiert.


Das Leinburger Gemeindezentrum könnte ab 1. April zum Schnelltestzentrum umgestaltet werden, sagt Bürgermeister Thomas Kraußer. Aktuell gebe es Gespräche mit der Moritzberg-Apotheke, die die Teststation betreiben könnte. Geplant ist das Angebot an zwei oder drei Nachmittagen pro Woche.


Ottensoos, die mit knapp 2100 Einwohnern kleinste Gemeinde im PZ-Verbreitungsgebiet, setzt auf die Hausarztpraxis Dr. Hiller und Kollegen. „Der riesen Andrang wird’s nicht werden“, glaubt Bürgermeister Klaus Falk. Den Ärzten im Ort ist er sehr dankbar, dass sie das Testen übernehmen, die Gemeindeverwaltung hätte für die Organisation personell keine Kapazitäten, so Falk.


Noch nichts Spruchreifes gibt es aus Rückersdorf. Bürgermeister Johannes Ballas kritisiert, dass es von Bund und Freistaat so wenig Informationen und Richtlinien gibt, die Gemeinden seien auf sich gestellt. „Jeder wurstelt so ein bisschen vor sich hin“, so Ballas. Man sei aktuell in Gesprächen mit Ärzten und der Rückersdorfer St.Georgs-Apotheke. Der Bürgermeister betont, die Gemeinde habe schon einiges damit zu tun, die 450 Kinder in Schule und Kitas zweimal wöchentlich zu testen.


Unternehmen mit eigenen Strategien


Gefordert sind aber nicht nur die Kommunen, sondern auch die großen Firmen im Landkreis. Von den Arbeitgebern mit über 1000 Angestellten befinden sich drei im Verbreitungsgebiet der Pegnitz-Zeitung. „Wir haben mehrere tausend Tests geordert“, sagt Gerhard Knienieder, Geschäftsführer der Emuge mit Standorten in Lauf und Rückersdorf. Die insgesamt 1400 Angestellten bekämen die Möglichkeit, im Unternehmen einmal wöchentlich Selbsttests zu machen. Zudem stünden qualifizierte Mitarbeiter zur Verfügung, um Schnelltests durchzuführen. Die Tests sollen in den nächsten Tagen eintreffen.


Bei Diehl in Röthenbach werden bereits seit November Schnelltests angeboten, wie ein Sprecher informiert. Dafür stehen beim größten Röthenbacher Unternehmen (1600 Mitarbeiter am Standort bei Diehl Metall und Diehl Defence) ein eigenes Testzelt und medizinisch geschulte Mitarbeiter zur Verfügung. Künftig will Diehl auch Selbsttests anbieten.


Die Diepersdorfer Bolta informiert, man mache seit November 2020 anlassbezogene Schnelltests. Das heißt, wenn es einen Verdachtsfall im Unternehmen gibt, werden die Kontaktpersonen bestimmt und Schnelltests durchgeführt.


Enormer logistischer Aufwand


Aktuell befindet sich das Unternehmen in der Planungsphase für eine Teststrategie, wie eine Sprecherin mitteilt. Um zweimal pro Woche alle rund 1200 Mitarbeiter zu testen, um noch symptomfreie Infizierte identifizieren zu können, müsse ein enormer logistischer Aufwand betreiben werden, so eine Sprecherin. Die Kosten schätzt das Unternehmen auf einen höheren fünfstelligen Betrag pro Monat. Bolta denkt aktuell außerdem darüber nach, ob eine Impfung der Belegschaft vor Ort angeboten werden kann.

 

In der ursprünglichen Version dieses Artikels hieß es, in der „Apotheke am Rathaus“ in Röthenbach würden Schnelltests angeboten. Das stimmt nicht. Wir haben den Satz entfernt.

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