CVJM bot Schnaittacher Bürgermeisterkandidaten ein Forum

Basis stärken oder neu aufbauen?

Die Schnaittacher Bürgermeisterkandidaten – von links: Ulrich Weber, Frank Pitterlein, Thomas Winter und Maurice Maué – mussten sich beim CVJM vielen Fragen stellen, unter anderem zur Stromtrasse. Foto: A. Müller2014/03/78773_PodiumsdiskussionSchnaittachalm_New_1394469964.jpg

SCHNAITTACH — Bei einer Podiumsrunde im evangelischen Gemeindehaus haben die vier Schnaittacher Bürgermeisterkandidaten eine Woche vor der Wahl noch einmal ihre Positionen klar gemacht. Die vom CVJM organisierte Veranstaltung war vor allem für Erstwähler gedacht – gekommen sind jedoch interessierte Bürger jeden Alters.

Mit einem solchen Ansturm hatten die Organisatoren nicht gerechnet: Über 100 Gäste drängten sich im Saal des Gemeindehauses der Christuskirche. Kurz­entschlossen ließ Pfarrer Wilfried Römischer deshalb die Türen zur Kirche öffnen, so dass die Zuhörer auch vom Kirchenschiff lauschen konnten. Die Erstwähler, an die sich die Veranstaltung eigentlich richtete, waren offensichtlich in der Unterzahl.

Die Kandidatenrunde war als Frage-Antwort-Spiel angelegt: Neben einigen allgemeinen Fragen der Organisatoren durften auch die Gäste – vorab anonym oder direkt im Saal – ihre Anliegen loswerden. Schon bei der für eine Jugend-Veranstaltung obligatorischen Frage nach Ideen für die Jugendarbeit in Schnaittach unterschieden sich die Antworten.

Ulrich Weber (SPD) und Frank Pitterlein (CSU) betonten beide, dass es in Schnaittach schon viele Angebote für Jugendliche gebe. Sie waren jedoch grundsätzlich für eine weitere Förderung. Weber schlug vor, zunächst zu ermitteln, ob der Bedarf zum Beispiel für einen Skatepark oder eine Jugenddisco tatsächlich vorhanden ist und danach zu handeln. Pitterlein will die Jugend nicht „totsparen“, sondern schon vorhandenen Vereinen und Institutionen mehr Gelder für die Jugendarbeit zukommen lassen. Das sei effektiver und billiger als neue Projekte.

Thomas Winter (Bunte Liste) und Maurice Maué (parteilos) meinten dagegen, dass Schnaittach für Jugendliche nicht genug biete, und entwarfen eigene Visionen. So will Winter einen Jugendrat installieren. Er schlug außerdem vor, das angekaufte Bahnhofsgebäude zum Jugendzentrum auszubauen – eine Idee, die bei den anderen Kandidaten teils auf Widerspruch stieß. Maué möchte die Identifikation der Jugendlichen, auch aus den Ortsteilen, mit Schnaittach erhöhen. Um die Attraktivität der Gemeinde zu steigern, warf er die Idee in den Raum, die Gemeinde zu einem „Mountainbike- und Downhill-Eldorado“ auszubauen.

Auf die Frage eines Zuhörers, wie es denn um die Einnahmen der Gemeinde stehe, betonten Winter, Weber und Pitterlein gleichermaßen, wie wichtig ein neues, attraktives Gewerbegebiet sei. Maué sah eher ein Ausgaben- als ein Einnahmenproblem: Er forderte, das Geld nachhaltiger auszugeben und zum Beispiel beim Straßenbau Leerrohre einzubauen anstatt neue Straßen wieder aufzureißen (Bürgerweiher).

Die Fragen der Zuhörer, die vorher auf Zetteln gesammelt wurden, verrieten, wie speziell die Interessen der Bürger sind: Vor allem zur Energiepolitik, aber auch zu Kita-Beiträgen und Asylbewerbern wollten sie etwas wissen. Eine Frage belustigte Zuhörer wie Kandidaten gleichermaßen: „Was wird ihre erste Amtshandlung als Bürgermeister sein?“

Weber und Pitterlein antworteten wahrheitsgemäß, aber wenig kreativ mit „den Gemeinderat konstituieren“. Winter will als erstes eine Mitarbeiterbesprechung anberaumen. Die originellste Antwort stammte von Maué: „Ich würde ins Rathaus hineingehen und laut ‚Überraschung!‘ rufen“, sagte er, mit seiner Außenseiterrolle kokettierend.

Auch die geplante Stromtrasse war Thema einer Zuhörerfrage. Maué will als Antwort darauf die regenerativen Energien fördern und sich beim Ja oder Nein zur Trasse der Mehrheit der Bürger anschließen. Die drei anderen Kandidaten stellten sich gegen die geplante Trasse. Winter forderte alle auf, sich dagegen zu wehren, und brachte die Bürgerenergiewerke als Hilfsmittel zur Energiewende ins Spiel. Weber bezeichnete es als „blauäugig“, dass ein aufgestelltes Windrad in der Gemeinde die Stromtrasse verhindern könne. Er ist für mehr Energiesparen. Auch Pitterlein betonte, dass die Stromtrasse ein bundespolitisches, „völlig verfahrenes“ Problem sei. Auf kommunaler Ebene könne man jedoch dagegen kämpfen, dass sie durch Schnaittach gelegt werde.

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren