Zum Schuljubiläum gab es eine Petition

Unzählige bunte Luftballons stiegen in den sommerlich blauen Himmel. Die Kinder sind gespannt, wohin sie die Nachricht vom 50. Geburtstag der Rückersdorfer Waldschule getragen haben2011/07/26183_New_1311005464.jpg

RÜCKERSDORF – 50 Jahre Waldschule Rückersdorf: Dieses Jubiläum wurde mit einem munteren Programm gefeiert, bei dem die Lehrkräfte und Kinder dieser Grundschule zeigten, was sie so alles drauf haben. Gute Nachrichten gab es zum Thema Pausenhof: Er soll bald attraktiver werden, Einnahmen beim Jubelfest und eine Spende der Raiffeisenbank bringen das lang ersehnte Projekt voran. Sorgen macht dagegen die geplante Einführung einer Kombiklasse im kommenden Schuljahr. Dazu wurden Petitionen an Landtagsabgeordnete übergeben.

Schon eine halbe Stunde vor dem offiziellen Feststart ging es neben dem Schulgelände am Steinbruchweg rund: Ein Team des Franken-Fernsehens interviewte unter anderem eine junge Frau, deren legeres Outfit auf den ersten Blick gar nicht erkennen ließ, dass es Staatssekretärin Katja Hessel ist. Sie war als FDP-Wahlkreisabgeordnete gekommen, um zwei Petitionen entgegenzunehmen. Es geht um die heftig umstrittene Einführung einer jahrgangskombinierten ersten und zweiten Klasse zum kommenden Schuljahr.

Eine Petition war von Andreas Neuner – FDP-Kreisvorsitzender und betroffener Vater – und vom stellvertretenden Elternbeiratsvorsitzenden Jörg Lengenfelder unterzeichnet. Der Widerstand richte sich „nicht grundsätzlich gegen die Beschulung in einer jahrgangskombinierten Klasse, sondern gegen die Streichung einer Lehrerstelle“, heißt es in dem Schreiben an den Landtag. Die Schülerzahlen würden in den ersten beiden Jahrgangsstufen vier Klassen mit vier Lehrern rechtfertigen. „Das an sich gute Modell jahrgangskombinierter Klassen darf nicht als Einsparungswerkzeug missbraucht werden“, fordern die Eltern. Neben einer „qualitätssichernden Zusatzausbildung“ der Lehrkräfte erwarten sie auch, „dass die in den Richtlinien des Kultusministeriums vorgesehenen fünf Wochenstunden getrennter Beschulung bei einer jahrgangsgemischten Klasse mit mehr als 20 Kindern garantiert sind“.

Die Gemeinde Rückersdorf schließt sich der Petition des Elternbeirats an, erklärt Bürgermeister Peter Wiesner in einer Petition der Kommune. Darin wird auch „die Art und Weise, wie Schulamt und Schulleitung hier vorgegangen sind“, kritisiert. Es sei ein glatter Verstoß gegen die Vorgaben des Kultusministeriums, wonach bei der Bildung solcher Klassen „ein frühzeitiger und enger Kontakt mit dem Elternbeirat erforderlich“ sei.

Die späte Information und Einbindung der Eltern kritisierte auch der CSU-Landtagsabgeordnete Hermann Imhof. Die Wirtschafts-Staatssekretärin und FDP-Wahlkreisabgeordnete Katja Hessel versprach, die Eingaben auch direkt an das Kultusministerium zu leiten, nachdem die Bearbeitung im Petitionsausschuss wohl noch eine Weile dauern werde. Die SPD-Abgeordnete Angelika Weikert hält jahrgangsgemischte Klassen für „eine schöne Sache – aber man muss es gut machen, und dazu gehört eine entsprechende Lehrerausstattung“. Dafür will sie sich ebenso einsetzen wie Landtagsvizepräsident Rohde, der die zusätzlichen fünf Wochenstunden als notwendig betrachtet. Er wolle auch klären, „ob hier 28 Schüler in einer Klasse unbedingt sein müssen“.

Bei einem weiteren schwierigen Thema hat der Elternbeirat durch Hartnäckigkeit einen Erfolg erreicht: Die Pausenhof-Umgestaltung kann wohl bald angepackt werden. Vorsitzende Silke Glöckner nahm beim Fest einen symbolischen Scheck der Raiffeisenbank entgegen – die 2500 Euro sind die Hälfte der geforderten Eigenmittel. Der Verkauf eines originellen Waldschul-Memorys, das die Rückersdorfer Grafikerin Birgit Wenzel gestaltet hat, brachte weiteres Geld. Am 26. Juli ist eine erste Konzept-Besprechung mit Schulleitung, Elternbeirat und der Rückersdorfer Landschaftsarchitektin Stefanie Rinneberg-Kottner geplant, kündigte Bürgermeister Peter Wiesner an.

Bei ihrem Jubelfest zeigte die Waldschule, wie sie sich im Laufe der 50 Jahre entwickelt hat, wie sie heute Grundwissen vermittelt und Kreativität fördert, und wie die Zukunft des Lernens aussehen kann. Ein Zeitsprung führte von selbst gebastelten Schiefertafeln zum modernen E-Learning am Computer. Sportliche Aktionen animierten so manchen Erwachsenen, selbstkritisch über die eigene Beweglichkeit nachzudenken. Dann wurde ein bunter Luftballon-Jubiläumsgruß in den Himmel geschickt.

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