Ringen um den richtigen Weg bei der Schlosssanierung

Die Gemeinde Rückersdorf hat nicht das Geld, um das Schloss selbst zu sanieren.
Die Gemeinde Rückersdorf hat nicht das Geld, um das Schloss selbst zu sanieren. | Foto: Privat2016/07/schloss-ruckersdorf-csu.jpg

RÜCKERSDORF — Wie bekommt man neues Leben ins alte Tucherschloss? Was ist dort möglich und sinnvoll? Was kostet es und wer bezahlt das? Der Rückersdorfer Gemeinderat hat beschlossen, für das Anwesen ein Wertgutachten erstellen zu lassen, Makler sollen Vermarktungsmöglichkeiten ermitteln (die Pegnitz-Zeitung berichtete). Klar ist: Die Gemeinde gibt laufend Geld für die Sicherung der teils sehr maroden Bausubstanz aus, kann aber eine umfassende Sanierung mit Nutzbarmachung des ehemaligen Herrenhauses Schlossgasse 1 nicht stemmen, wie Bürgermeister Manfred Hofmann sagt.

Nutzbar – das ist ein weit gespannter Begriff. Große Teile des Komplexes sind nämlich in relativ gutem Zustand, vor allem der als Heimatmuseum genutzte Bereich. Große Sorgen macht aber das Haupthaus. Zurzeit werden dort Räume, die noch gefahrlos zu betreten sind, als Lagerflächen genutzt. Hier stapeln sich Sachen, für die nebenan im Museum kein Platz mehr ist. Architekt Markus Vogt, der sich auch durch die Sanierung der Nürnberger Kunstvilla einen Namen gemacht hat, schreibt in einer aktuellen Beurteilung: Für eine ordentliche Instandhaltung, die weiterhin eine Nutzung als Lager ermöglicht, müsse mit ein bis zwei Millionen Euro gerechnet werden. Reine Sicherungsmaßnahmen – bei denen das Haus nur noch in Ausnahmefällen betreten werden dürfte – kämen wohl auf eine halbe bis ganze Million.

„Für eine Sanierung mit Umnutzung des gesamten Areals sollte man mit Kosten von zehn bis 15 Millionen Euro rechnen“, schreibt Vogt. Die große Spanne ergibt sich durch den Denkmalschutz. An dem ehemaligen Herrenhaus wurden wiederholt Veränderungen vorgenommen, oft mehr bedarfs- als fachgerecht. Noch ist offen, wie staatliche Denkmalschützer Reste von Wandgemälden einstufen, die man auf den ersten Blick gar nicht als Bild wahrnimmt. Das alte Holzgebälk im Haus macht einen soliden Eindruck, aber auch hier sind Überraschungen möglich.

Immerhin sind im Haus keine akuten Nässeschäden erkennbar, nirgends müffelt Schimmel. Auch die Sandsteinmauern zeigen sich robust. Durch einige Wände scheint allerdings mehr Sonnenlicht als durch die (noch erhaltenen) alten Fenster, denen Backsteine vorgesetzt wurden. Bürgermeister Manfred Hofmann sagt beim einerm Ortstermin mit der Pegnitz-Zeitung, dass die Gemeinde – der das Schloss seit 26 Jahren gehört – von 1991 bis 2016 über 70 000 Euro in das Areal gesteckt habe. Davon seien 37 000 Euro laufende Kosten, jährlich 1400 bis 1500 Euro für Versicherung, Verbrauchsgebühren, Strom. Auf 32 300 Euro summieren sich die größeren Sanierungsmaßnahmen, etwa Dacheindeckung, Toreinfahrt und Schuppen.

Der alte Herrensitz ist mürb, bietet bei kompetenter Sanierung aber auch Chancen, glaubt der Bürgermeister. Die Lage im Herzen Rü­ckersdorfs sei  ein Plus, das Investoren reizen könnte, meint Hofmann. Zentraler Wohnraum, gerade für betreutes Wohnen, sei gefragt. Im Erdgeschoss wären Geschäfts- bzw. Büroräume denkbar.

Der Gemeinderat wartet jetzt auf Interessenten und Konzepte. „Wenn ein Privater das saniert, kann er die Kosten im Prinzip zu hundert Prozent von der Steuer absetzen. Die Gemeinde hätte solche Möglichkeiten nicht, da sie weder zur Einkommensteuer noch zur Körperschaftssteuer veranlagt wird“, sagt Hofmann. Außerdem verweist er auf die hohen Ausgaben wie die Kinderbetreuung, und früher oder später stehe auch das Millionenprojekt Waldschule an.

Die Schloss-Sanierung wäre eine freiwillige Leistung der Kommune. Sie könnte sich dazu mit einem privaten Investor zusammentun oder das Anwesen komplett veräußern. Die vergangenen Gemeinderatssitzungen haben gezeigt, dass man sich im Rathaus und in den Fraktionen zwar der Problematik und der historischen Bedeutung des Schlosses bewusst ist, gleichwohl gibt es aber noch keinen Weg, den alle Räte mitgehen würden.

N-Land Andreas Sichelstiel
Andreas Sichelstiel