Gemeinderatssitzung in Rückerdorf

Erste Hilfe gegen Verkehrssorgen

Das absolute Halteverbot vor der Schulhofzufahrt wird ausgedehnt, um Rettungsfahrzeugen im Notfall das Durchkommen zu erleichtern. Das betrifft auch Eltern, die gern in diesem Bereich halten. | Foto: Kohl2016/12/Rdf-Waldschule-Halteverbot-TK-113917.jpg

RÜCKERSDORF — Die problematische Verkehrssituation vor der Waldschule soll durch eine kurzfristige Maßnahme entschärft werden: Das absolute Halteverbot an der Schulhofzufahrt wird bis zur Bushaltestelle ausgedehnt, was im Ernstfall Rettungsfahrzeugen das Durchkommen erleichtern soll. Dieses Thema dominierte die Dezember-Sitzung des Rückersdorfer Gemeinderats, obwohl es nicht explizit auf der Tagesordnung stand.

Am 17. November war vor der Schule ein Ortstermin mit Vertretern von Gemeinde und Polizei. Man beriet über Verbesserungsmöglichkeiten an dieser neuralgischen Stelle, wo morgens kurz vor Schulbeginn ein quirliger Mix aus vielen Eltern-Autos, kleinen Tretrollerfahrern und zu Fuß gehenden Schülern herrscht. Die Gruppe soll dabei eine Mutter erlebt haben, die sehr forsch durch die Stichstraße fuhr und dann verbotswidrig vor der Schulhof- alias Feuerwehrzufahrt stehen blieb. Auf die Frage warum, habe sie gesagt, dass ihr Kind zu Hause etwas vergessen hat, das sie ihm nun gebracht habe. Bei dem Gespräch sei auch die Autorität der Polizei in Frage gestellt worden.

So geht es nicht, das ist klare Meinung im Gemeinderat. Aber wie dann? Bei dem Ortstermin ging es eigentlich nicht um Knöllchen, sondern um Ideen für mehr Verkehrssicherheit. Die gibt es, aber fundierte Konzepte kosten viel Geld und Geduld. Angesprochen wurde laut Bürgermeister Manfred Hofmann eine Ringstraßen-Lösung, bei der diese Steinbruchweg-Stichstraße zur Einbahnstraße wird. Den restlichen Part übernehmen die Straße „Felsenkeller“ (derzeit nicht ausgebaut, überwiegend auf Bahngrund) oder eine neue Verbindung zur Stichstraße des Steinbruchwegs beim evangelischen Gemeindezentrum (wobei hier die Turnhalle im Weg ist). Eine Verbreiterung der überlasteten direkten Stichstraße wäre nur möglich, wenn aus angrenzenden Privatanwesen Grund erworben werden könnte. Das erscheint derzeit unrealistisch.

Also, was tun? In der Sitzung wurden Argumente gegen Umbau oder Umwidmung der Stichstraße laut, in der aktuell maximal 20 Stundenkilometer schnell gefahren werden darf. Eine Ausweisung als verkehrsberuhigter Bereich wäre denkbar, würde allerdings einen Rückbau der (optischen) Trennung zwischen Fahr- und Gehbereich erfordern. Das kostet nicht nur Geld, sondern kann auch ein trügerisches Sicherheitsgefühl schaffen.

Die andere Seite: eindeutige Abgrenzung des Gehbereichs durch Randsteine, so wie es hier früher war. Auch nicht gut, meinen Verkehrsexperten. Sie bezweifeln, dass Kinder stets „ihren“ Gehweg einhalten, und befürchten, dass einige über die Bordsteinkante in die Fahrbahn stolpern. Poller zwischen Geh-und Fahrbereich werden von Verkehrsexperten auch abgelehnt. Ein Grundproblem dieser Straße: Manchmal kommen Autos im Gegenverkehr nur unter Benutzung des Gehbereichs aneinander vorbei. Kernfrage bei Veränderungen: Wer überwacht die Einhaltungen der Regeln und ahndet Verstöße? Hier wird’s schnell eng.

Vorbildliche Parkregelung

Beim ruhenden Verkehr ist die Gemeinde erfolgreicher. In der Hirschenau wurde eine Parkregelung eingeführt, die Vorbildcharakter haben kann. Dort dürfen Autos am Rand der engen Straße nur noch in auffällig gelb umrandeten Bereichen abgestellt werden. Es heißt, die Akzeptanz sei groß. Anwohner haben endlich freie Ein- und Ausfahrten an ihren Grundstücken und die Müll­abfuhr kommt auch wieder besser durch.

Anderes Straßen-Projekt: Die Gemeinde hat heuer die schon lange geplante Fortsetzung der Laufer Straße nach Osten realisiert, mit Ausbau der Straße Strengenberg bis zur Gemeindegrenze. Von dort aus wolle die Stadt Lauf ihren Teil der Straße samt Gehweg zum Bahnviadukt hin ausbauen, heißt es schon lange. Konkrete Aussagen, wann Lauf das anpackt, liegen aber nicht vor.

Gute Nachrichten gibt es von der Kinderkrippe Sternschnuppenhaus auf der Ludwigshöhe. Die Endabrechnung für das (Um-)Bauvorhaben nenne Gesamtkosten von brutto 638 597 Euro, veranschlagt waren 662 471 Euro, sagte der Rathauschef. Die Regierung leiste einen Zuschuss von 380 400 Euro, sodass die Gemeinde für die 24 neu geschaffenen Krippenplätze 258 197 Euro hinlegt. Laut Hofmann werde die Krippe „bestens angenommen“, was auch an der guten Betreuung liege. Die allermeisten Kinder kämen aus Rückersdorf, einige wenige seien Gäste aus Lauf.

Abwasserkanäle unter der Lupe

Ein langwieriges Thema für die Gemeinde ist das Wasser im Untergrund. Im Fall der Ludwigshöhe-Hangentwässerung gibt es seit Längerem Auseinandersetzungen mit einem Grundstückseigentümer. Hier sei nun eine Einigung zu erhoffen, meinte Hofmann. Eine Menge Geld wird die Kommune in die Untersuchung ihrer insgesamt 5900 Meter langen Abwasserkanäle stecken müssen. Im Zehnjahresturnus muss das gesamte Kanalsystem überprüft werden, alle zwei Jahre kommt ein anderer Abschnitt dran. Die Gemeindeverwaltung will bald im Mitteilungsblatt „Mit.“ über Details informieren. Möglicherweise können sich Anwohner in die Untersuchungen einklinken, um die Kanäle auf ihrem Privatgrundstück gleich mit überprüfen zu lassen.

N-Land Thomas Kohl
Thomas Kohl