Rückersdorf sucht Lösung für verfallenden Adelssitz

Ein Investor könnte das Tucherschloss retten

Die Sanierung des alten Herrenhauses übersteigt die Möglichkeiten der Gemeinde. Nun soll geprüft werden, ob es durch private Investoren bessere Zukunftschancen hat. | Foto: Kohl2016/06/Rueckersdorf-Schloss-von-hinten-TK.jpg

RÜCKERSDORF — Was wird aus dem ehemaligen Rückersdorfer Tucherschloss, dem man längst nicht mehr ansieht, dass es mal ein repräsentatives Domizil von Menschen mit hohem Status war? Und wo soll der moderne Ersatz für den veralteten Bürgersaal hin? Bei diesen Fragen ist der Rückersdorfer Gemeinderat in den vergangenen Jahren nicht allzu viel weitergekommen. In der Juni-Sitzung zeichnete sich immerhin ab, dass das alte Schloss durch einen Investor eine neue Zukunft bekommen könnte. Für einen Bürgersaal-Neubau sollen die Möglichkeiten auf dem Grundstück Schlossgasse 18 näher geprüft werden.

Entschieden ist, wie so oft bei diesen beiden Themen, noch nichts Konkretes. Aber es gibt Trends. Die Instandhaltung des Schlosses erfordert Jahr für Jahr viel Geld. Es kommt aus Steuern, ist also Geld der Bürger. Die Schlosswiese ist als netter Veranstaltungsort geschätzt, das Heimatmuseum in den Nebengebäuden eine umfangreiche Sachensammlung mit ungewöhnlichem Charakter. Das Haupthaus ist für die Öffentlichkeit unzugänglich und verfällt.

Renovierung kostet Millionen

Wollte man nicht nur den Verfall bremsen, sondern das denkmalgeschützte Anwesen in attraktiver Ortslage einer zeitgemäßen Nutzung zuführen, müsste man wohl zehn bis 15 Millionen Euro hinlegen, heißt es. Das kann die Gemeinde – obwohl es ihr finanziell relativ gut geht – nicht stemmen. Der Gemeinderat beschloss einstimmig, dass ein Wertgutachten für das Anwesen erstellt werden soll. Parallel dazu sollen durch Makler Vermarktungsmöglichkeiten ermittelt werden.

Mehrheitlich – bei sechs Gegenstimmen der CSU – hat der Gemeinderat beschlossen, für 20 000 Euro einen erfahrenen Architekten mit Untersuchungen (Grundlagenermittlung, Vorplanung mit Kostenschätzung) zu beauftragen, wie sich ein Bürgersaal-Neubau auf dem gemeindeeigenen Grundstück Schlossgasse 18 realisieren lässt. Man wolle bei der Standort-Frage endlich weiterkommen, hieß es aus Reihen von RUW, SPD und Grünen, die im Gemeinderat die Mehrheit haben. Die Untersuchung solle Erkenntnisse für die Eignung dieses Grundstückes liefern.

Zurzeit sind drei Standorte im Gespräch: neben Schlossgasse 18, wo der behördliche Denkmalschutz die alte Scheune als erhaltenswert einstuft, auch ein Bereich hinter der Gaststätte „Weißer Schwan“ und ein räumlich nicht näher definierter Bereich an der Waldschule (die PZ berichtete). Von CSU-Räten kam Kritik, dass die Gemeinde sich mit diesem Vorplanungs-Auftrag auf das Areal Schlossgasse 18 festlegen würde, was nicht den vorherigen Beratungen und Beschlüssen entspreche. „Wir haben drei Standorte!“, betonte Theodor Pleyer. Er empfinde es „nicht als demokratisches Vorgehen“, wenn nur einer davon näher untersucht werden soll.

Parkplätze sind Mangelware

Im Bereich der Waldschule sei zu wenig Platz für einen Bürgersaal, der jederzeit unabhängig vom Schulbetrieb nutzbar sein soll, konterte Bürgermeister Manfred Hofmann. Zumal man davon ausgehen müsse, dass die Grundschule der Zukunft keine Obergeschosse habe, also viel Erdgeschoss-Fläche brauche. Andreas Ellner wies auf die Verkehrs- und Parkplatzprobleme in diesem Gebiet hin, wobei die CSU im Bereich der Schlossgasse vergleichbare Probleme sieht.

In beiden Fällen müsste der nahe Großparkplatz zwischen der Gaststätte Weißer Schwan und dem Bahndamm einen Großteil der Autos aufnehmen. Würde der Bürgersaal in diesem Bereich gebaut, fielen etliche Stellplätze weg, außerdem „hätten wir auch hier ein Denkmalschutz-Problem“, meinte Ellner. Versöhnliche Töne schlug Rüdiger Paulus an: „Die 20 000 Euro sind meiner Meinung nach relativ wenig. Wir haben dann ein Konzept, über das wir reden können.“

„Ja“ zu Hallenbad Röthenbach

Millionenschwere Bauvorhaben, die sich durch die Schulverbandsumlage auch auf die Rückersdorfer Gemeindefinanzen auswirken, gibt es in der Stadt Röthenbach: Deren erster Bürgermeister Klaus Hacker stellte den Rückersdorfer Gemeinderäten die Renovierungs- und Umbaumaßnahmen der Geschwister-Scholl-Mittelschule durch den Schulverband vor. Sie sollten sich außerdem grundsätzlich zum Thema „Geplante Beseitigung und Neuerrichtung des Schulschwimmbades des Schulverbandes“ äußern. Das Ja zu einem neuen Hallenbad für Unterricht und Breitensport kam einstimmig.

In Rückersdorf gehören Senioren nicht zum „alten Eisen“. Die ehrenamtliche Seniorenbeauftragte Erika Hanik zeigte ein buntes Spektrum von Festen, Treffen und Reisen. Sieben Altenclubs „bieten Möglichkeiten, auch im Alter ein aktives Leben zu führen“, meinte Hanik. Ein großes Zukunftsthema sei auch für sie Barrierefreiheit.

 

N-Land Thomas Kohl
Thomas Kohl