300 statt 250 Euro im Jahr

Der Schulbus in Rückersdorf wird deutlich teurer

Rückersdorfer Schulkinder fahren mit dem Bus der Nürnberger Firma Schielein nach Röthenbach – das war einmal. Künftig bedient ein Königsteiner Unternehmen die Strecke. | Foto: Archiv/Kohl2016/08/schulbus-ruckersdorf-kohl.jpg

RÜCKERSDORF — Beim Schulbusverkehr zwischen Rückersdorf und Röthenbach gibt es ab Schuljahresbeginn starke Veränderungen. Nicht mehr die Nürnberger Firma Schielein-Reisen, sondern das Unternehmen Meidenbauer aus Königstein wird die Kinder befördern. Grund ist ein heftiger Preisanstieg, der – auch nach dem Anbieterwechsel – nicht spurlos an den Eltern vorbeigeht. Sie müssen künftig 300 statt 250 Euro pro Jahr für die „freiwillige Schülerbeförderung“ hinlegen, was das Defizit aber keineswegs deckt.

Es war ein Schlag ins Gesicht, der den Rückersdorfer Gemeinderat schließlich zu seiner zweiten Konferenz im eigentlich sitzungsfreien August zusammenkommen ließ. Noch vor dem Schulstart musste festgelegt werden, wer die Kinder künftig aus dem Ort, der selbst nur eine Grundschule hat, über die Pegnitz zu höheren Schulen bringt. Lange Zeit tat das die Firma Schielen-Reisen, ihre Busse waren im Ortsbild so selbstverständlich wie der damalige „Link“. Das wird sich nun ändern.

Das Nürnberger Unternehmen hat den Beförderungsvertrag zum Ende des vergangenen Schuljahres gekündigt, hieß es in der außerordentlichen Sitzung. Der Schulverband habe 20 Unternehmen angeschrieben, mit mauem Ergebnis. Letztlich blieben drei Anbieter für den morgendlichen Transport der Kinder nach Röthenbach und das mittägliche Zurückbringen – alle viel teurer, als das bisher gekostet hat.

In der öffentlichen Sitzung hielten die Gemeindeverantwortlichen mit wesentlichen Namen und Zahlen nicht hinter dem Berg. Demzufolge wolle der bisherige Dienstleister von brutto 238,49 Euro pro Schultag (Jahressumme 44 359 Euro) auf 518,95 Euro (Summe 96 523 Euro) erhöhen – das sind rund 52 165 Euro mehr im Jahr – eine Erhöhung um satte 118 Prozent.

66 Prozent teurer

Die Firma Ludwig Arzt aus Pyrbaum bietet den Dienst für 490,06 Euro pro Schultag an, macht insgesamt rund 91 151 Euro und damit 46 792 Euro mehr als bisher. Günstigster Anbieter ist das Unternehmen Meidenbauer aus Königstein, das durch Stadtbusverkehre im Nürnberger Land bekannt ist und den Dienst für 74 065 Euro anbietet, was immer noch Mehrkosten von 29 706 Euro (+ 66 Prozent) bedeutet. Das heißt: Künftig fahren hier Meidenbauer-Busse.

Alle Unternehmen haben ein gemeinsames Problem: Sie arbeiten auf einem schwierigen Markt und müssen ihre Bus-Kapazitäten den jeweiligen Erfordernissen anpassen, was viel Geld kostet. Das betreffe auch die drei Bieter, sagt Bürgermeister Manfred Hofmann. Ein zusätzlicher Omnibus – egal welcher Größe – ist eine große Investition, die zu langfristigem Denken zwingt. Der Rückersdorfer Gemeinderat will sich bei dem Thema nicht mehr in Zeitdruck bringen lassen. Er beschloss, dass der günstigste Bieter den Auftrag fürs kommende Schuljahr bekommt. Dann wolle man rechtzeitig weitersehen und Weichen stellen.

Für die aktuell betroffenen Eltern bedeutet das: Sie müssen für die freiwillige Schülerbeförderung pro Kind künftig jährlich 300 Euro hinlegen. Zum Schuljahr 2012/13 war der Preis der Jahreskarte von 220 auf 250 Euro erhöht worden. Im vergangenen Schuljahr seien hierfür 66 Tickets verkauft worden, wobei 98 Kinder in den Einzugsbereich fallen, erklärte der Bürgermeister. Das brachte immerhin einen Erlös von 16 500 Euro.

Ist das Ganze nur ein Sturm im Wasserglas? Gewiss nicht, meinen Gemeindevertreter. Wegen der Unterscheidung, ob ein Kind auf Privat- oder Staatskosten zu einer auswärtigen Schule gefahren wird, gärt es in etlichen Familien ohnehin schon. Gerade wenn Nachbarskinder, die fast den gleichen Schulweg haben, nichts bezahlen, das eigene Kind aber schon. Nach der Gesetzeslage sind Grundschüler ab zwei Kilometern Schulwegstrecke vom Beförderungsentgelt befreit, ab der fünften Jahrgangsstufe sind es drei Kilometer. Wer auch nur ein paar Meter weniger Weg hat, zahlt selbst.

Der Gemeinderat will das Thema im Auge behalten und künftig flexibler auf Vertragskündigungen von Busfirmen reagieren können.

N-Land Thomas Kohl
Thomas Kohl