Auf der Jagd nach „ausgesetzten“ Büchern

Alexander Sommerer und Christl Mueller-Graf vom Thiemo-Graf-Verlag in Röthenbachs erster offizieller „BookCrossing“-Station, dem Eiscafé Dolce & Gelati in der Rückersdorfer Straße. Foto: Seuser2011/07/24777_New_1309531864.jpg

RÖTHENBACH — Mittels „BookCrossing“, einer Mischung aus Online-Tauschbörse und öffentlicher Bibliothek, möchten Alexander Sommerer und Christl Mueller-Graf die Röthenbacher zum Lesen animieren. Kooperationen mit Gewerbetreibenden und sozialen Einrichtungen sollen zudem die Innenstadt beleben.

„Nimm mich mit!“ prangt auf dem Cover des Buches, das Christl Mueller-Graf vor gut sieben Jahren im Cinecittá in Nürnberg gefunden hat. Sie tat wie geheißen und hat das Buch seitdem bei sich zu Hause im Regal stehen. „Irgendwann komme ich aber bestimmt dazu, es zu lesen, und dann werde ich es auch selbst wieder in die Wildnis freilassen“, erklärt sie und benutzt dabei die Sprache der rund 900 000 „BookCrosser,“ die es derzeit weltweit gibt.

Die Idee des „BookCrossing“ existiert seit zehn Jahren und ist genauso simpel wie genial: Wer Bücher besitzt, die er an andere weiterreichen möchte, kann sie auf der Website „bookcrossing.com“ registrieren. Jeder Schmöker bekommt eine eigene BCID („BookCrossing“-Identifikationsnummer), die auf oder in dem Buch vermerkt wird, und kann dann „freigelassen“ werden, sei es an einem öffentlichen Platz oder an einer der unzähligen Offiziellen „BookCrossing“-Zonen (OBCZ), die man im Internet lokalisieren kann.

Der Finder darf das Buch behalten, so lange er will, und kann auf der Website einen Eintrag zum Exemplar hinterlassen. So kann der Weg des Buches nachgezeichnet werden und andere „BookCrosser“ können sich „auf die Jagd“ begeben, sobald das Buch wieder „ausgesetzt“ wird.

Ein solcher Jäger ist auch Alexander Sommerer, der als Erster die Idee hatte, Röthenbach zu einer Offiziellen BC-Zone zu machen. „Über einen Facebook-Eintrag einer Bekannten bin ich auf ,BookCrossing‘ aufmerksam geworden und war von der Idee begeistert. Dann habe ich auf der Röthenbach-Seite einfach mal gepostet, ob das nicht was für unsere Stadt wäre, und Christl hat sich sofort gemeldet.“ Im Schnelldurchgang haben die beiden die Facebook-Gruppe „Rainbouch BookCrossing“ (wo fast ausschließlich „aff frängisch gschriem wärd“) ins Leben gerufen und das Projekt mit einem Buchstand auf dem Gewerbetag vorgestellt. Von der durchaus positiven Resonanz kann man sich auf der Facebook-Seite überzeugen.

„Um dabei zu sein, muss man aber gar nicht so internetaffin sein“, erklärt Christl Mueller-Graf. „Wir haben bereits eine erste feste Station in Röthenbach, die Eisdiele Dolce & Gelati, wo man einen Stapel Bücher findet, die man einfach mitnehmen und behalten kann.“ Ziel sei nicht, dass das Buch irgendwann wieder zu seinem Besitzer zurückkehre, sondern dass möglichst viele Röthenbacher mitmachen und vereins-und generationenübergreifende Verbindungen geschaffen würden. Deshalb wird auch schon bald das Mehrgenerationenhaus mit auf den Zug aufspringen. Hier soll ein öffentlicher Bücherschrank aufgestellt werden, aus dem sich Leseratten bedienen können, aber in den auch Bücher, die sonst zu Hause im Regal verstauben, hineingelegt werden dürfen. Die Online-Registrierung und Kennzeichnung der Bücher übernimmt dann Alexander Sommerer.

Aktionen für Kinder

Doch das soll noch längst nicht alles sein. „Mir gefällt vor allem die Idee, die zwei Komponenten Online und Print wirkungsvoll miteinander zu verknüpfen und mit Spiel und Spaß insbesondere den Kindern den Gegenstand Buch wieder schmackhaft zu machen“, so Christl Mueller-Graf, selbst Verlegerin. Auf ihrer Ideenliste stehen etwa Buchtauschtage, Freilass-Aktionen, Kinderbuchflohmärkte und Lesungen – alles Projekte, die in Zusammenarbeit mit den Röthenbacher Kindergärten, Schulen oder der Stadtbibliothek realisiert werden könnten.

Auf eine ganz andere „Attraktion“ darf man in Röthenbach aber auch gespannt sein: Die „BookCrossing“-Initiatoren möchten in Kürze einen öffentlichen Bücherstand auf der Freifläche an der Rückersdorfer Straße platzieren, und zwar in einem ausgedienten Telefonhäuschen der Deutschen Post. „Vielleicht kann der Platz ja auf diese Weise schon ein wenig belebt werden“, so der fromme Wunsch der beiden.

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