30 Minuten mit der HZ

Harald Steger und die kritischen Massen

Harald Steger hat in Bayreuth eine politische Bewegung gegründet. | Foto: W. Sembritzki2019/09/DSC_1063.jpeg

HERSBRUCKER SCHWEIZ – Endlich Ferien. Endlich Zeit für sich selbst, für die Familie, für Freunde. Auch wir in der HZ-Redaktion nehmen uns jetzt immer mal wieder eine kleine Auszeit und tun das, was wir am liebsten machen: mit Leuten ins Gespräch kommen und uns ihre Geschichte erzählen lassen. Heute: 30 Minuten mit Harald Steger, der in Eschenbach aufgewachsen ist und in Bayreuth eine politische Bewegung gegründet hat.

Wie kam es zu 20plus1?
Harald Steger: Ich bin von Grund auf sozialdemokratisch geprägt, allerdings reden mir die Parteien – egal welcher Couleur – zu viel und machen nichts oder nur das, was die Lobby will. „Aufstehen“ war dann das, was ich will und bei dem ich sage: „Dahinter stehe ich“. Nur kam das dann ins Stehen.

Und dann?
… habe ich im Laufe der nächsten Monate versucht etwas aufzubauen. Im Januar habe ich per Mail alle, die sich in Oberfranken für „Aufstehen“ registriert haben, angeschrieben. Und siehe da: auf einmal kamen fast 30 Leute zu einer Versammlung.

Warum heißt die Bewegung 20plus1?
Aus vielen Gründen. Erst einmal, weil wir zum Gründungszeitpunkt 20 Leute waren und der, der neu dazukommt ist der eine. Außerdem ist es auch eine Art kritische Masse. Wenn 20 Prozent in eine bestimmte Richtung gehen, ziehen nicht so viele mit. Bei einem Prozent mehr wird die Bewegung dann zum Selbstläufer. Dazu gibt es Studien.

Was ist denn Ihr Traum?
Mein Traum ist, dass in diesem Land jeder Mensch lebenswert existieren kann. Dass jeder Mensch für das, was er tut, normal leben kann, ohne sich Sorgen um die Zukunft machen zu müssen. Ob wir da hinkommen, ist die Frage. Das ist mein Traum. Und es ist mir egal, ob ich dafür mit fünf Leuten kämpfe oder mit 5000.

Und ihre Kollegen?
Natürlich, wenn 20 Leute aufeinandertreffen, hat jeder einen anderen Traum. Aber im Prinzip ist das, was ich mir wünsche, der Traum von jedem: ein sorgenfreies Leben.

Wenn Sie sich in der klassischen Parteienlandschaft positionieren müssten, wo wäre das?
Ich sehe mich in der Ur-SPD unter Helmut Schmidt. Die Linke ist mir zu extrem, über die CDU/CSU brauchen wir nicht reden. Aber: auch wenn ich kein Freund der CSU bin, Norbert Dünkel traue ich zu, dass er wirklich etwas für seine Wähler aus dem Landkreis tut.

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Auf Ihrer Seite heißt es, Sie seien auf Demonstrationen unterwegs. Planen Sie auch eigene Kundgebungen?
Im Herbst wollen wir ein deutschlandweites Treffen von Aufstehern in Bayreuth mit Abschlussdemo abhalten.

Wie weit, denken Sie, werden Sie mit 20plus1 kommen?
Mir ist es egal, ob ich mit der Aktion 1000 Leute erreiche oder 100 000. Mir geht’s darum, dass ich was tue. Unser Ziel ist es, die Parteien dazu zu bewegen, wieder aufs Volk zu hören.

Sie wollen also die Parteien nicht ersetzen?
Wir wollen keine Partei werden und sind auch keine Partei. Wir wollen die Politiker dazu bringen aufs Volk zu schauen und nicht nur auf die Lobby.

Auf der Website von 20plus1 ist von Fremdsteuerung oder dem Einfluss der Bilderberger auf die Medien die Rede. Das hört man sonst eher aus der rechten Ecke.
Was ich in den Medien sehe wie im Fernsehen oder auf Facebook: es werden nur massenwirksame Aussagen herausgezogen. Für den Inhalt, den Hintergrund interessiert sich keiner.

Dann liegt das Problem aber beim Leser.
Ja, natürlich. Aber trotzdem: die Leute wissen nicht mehr, was sie glauben sollen. Deswegen fragt man sich bei manchem Artikel: „Stimmt der denn?“

Also gilt es, alles zu hinterfragen.
Ja, das muss man tun.

Wenn Sie 20plus1 in einem Satz beschreiben müssten, wie sähe das aus?
Wir sind eine Bewegung, die selbstbestimmt die Politik dazu bewegen möchte, wieder aufs Volk zu achten.

N-Land Wolfgang Sembritzki
Wolfgang Sembritzki