Corona-Strategie

Impfen beim Hausarzt soll kommen

Ab April sollen nun auch Hausärzte die Corona-Schutzimpfung durchführen. | Foto: ©Melinda Nagy - stock.adobe.com2021/03/AdobeStock-405641621.jpeg

NÜRNBERGER LAND – 170 000 Menschen sollte das landkreisweite Impfzentrum in Röthenbach mit Corona-Schutz versorgen. Das war der Plan Mitte Januar. Knapp zwei Monate später scheint die Einrichtung plötzlich überflüssig: Die Hausärzte sollen nun impfen können.

Davon war zu Jahresanfang keine Rede – selbst als beispielsweise die Awo Bayern mobile Impfteams oder kleinere Unterzentren gefordert hatte: „Viele sind aus verschiedenen Gründen wie Alter, Alleinleben, gesundheitliche Einschränkungen oder anderes nicht in der Lage, für sich ohne weiteres den Zugang zu Impfung und Impfzentrum zu organisieren“, begründete damals Thomas Beyer, Landesvorsitzender der Awo, den Vorschlag. Er dachte, dass die mobilen Impfteams aus den Pflegeheimen genutzt werden könnten.

Doch dieses Szenario wurde vor rund zwei Monaten als schlicht nicht möglich eingestuft: „Fakt ist, der Impfstoff darf nicht mehr bewegt werden, sobald er aufgetaut und aus der Flasche aufgezogen ist“, erläuterte Martin Seitz, Vorsitzender des ärztlichen Kreisverbandes Nürnberger Land. Das gelte für die Produkte von Biontech-Pfizer sowie Moderna. Ein Impfen von Haus zu Haus schloss Seitz aus. „Wenn wir ins Altenheim fahren, muss das Material dort aufbereitet werden.“

Mehr Möglichkeiten

Daran hat sich in zwei Monaten doch nichts geändert, oder? „Die Möglichkeiten und die logistische Umsetzung der Impfungen wachsen mit den zur Verfügung stehenden neuen Impfstoffen“, bringt es Landtagsabgeordneter Norbert Dünkel auf den Punkt. Mit dem Biontech-Pfizer-Produkt und seiner besonderen Kühlung habe man sich auf zentrale Stellen sowie Alten- und Pflegeeinrichtungen konzentrieren müssen: „Eine mobile Versorgung im Landkreis war damit nicht gewährleistet.“ Das habe sich nun durch die Zulassung weiterer Impfstoffe gewandelt. Zudem sollen bald mehr Mengen zur Verfügung stehen, „so dass in den kommenden Wochen erheblich mehr Impfungen möglich sein werden“.

Seitz kann das noch genauer erklären: „Wir wussten am Anfang nicht, wie wir mit den für uns neuen Impfstoffen umgehen müssen.“ Die Erfahrung der vergangenen Wochen habe gezeigt, dass sich zum Beispiel das Produkt von Biontech-Pfizer „nicht mehr so divenhaft“ verhält und sich leichter in Sachen Transport und Kühlung handhaben lässt als gedacht.

Zudem habe die Priorisierung der Personen ebenfalls einen Einfluss gehabt. „Damit bei dieser ersten Gruppe kein Unsinn getrieben wird, wollte der Staat seine Hand drauf haben“, erläutert Seitz. Mit diesem Personenkreis sei man nun so gut wie durch und als Nächstes seien die chronisch Kranken an der Reihe. „Die sind besser beim Hausarzt aufgehoben.“ Aufgrund ihrer Erkrankung müssten sie meist eh regelmäßig in die Praxis und der Doktor kenne seine Patienten. „Im Anmeldebogen im Impfzentrum kreuzt man nur Asthma an“, beschreibt Seitz ein Beispiel, „der Hausarzt, weiß aber, ob es schwer oder leicht ist und wann daher geimpft werden muss“.

Ungenutzte Dosen?

Beyer lässt das alles als Erklärung nur teilweise gelten: „Man sieht staatlicherseits ein, dass das auf die Impfzentren beschränkte Vorgehen gescheitert ist.“ Er ist der Meinung, dass mit dem Kurswechsel ein gesellschaftlicher Skandal abgewendet werden sollte: „Während weite Bereiche lahm liegen, seit gut einem Jahr kein geordneter Schulbetrieb mehr stattfindet, Familien an den Rand des Leistbaren – und darüber hinaus – gebracht werden, liegen viele hunderttausende von Impfdosen ungenutzt herum.“ Daher sei es nun gut und richtig, mit einer Doppelstrategie flexibel vorzugehen.


Denn dass die Impfzentren weiterhin nötig sind, darin sind sich Dünkel, Seitz und Beyer einig: „Impfzentren werden aufgrund ihrer Sieben-Tage-Besetzung und bei Impfstoffen mit besonderen Ansprüchen an die Kühlung jedoch auch weiterhin einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie leisten“, ist der Landtagsabgeordnete überzeugt. Dass die Einrichtungen zu Beginn sinnvoll gewesen sind, um das Impfgeschehen zentral zu steuern, da pflichtet ihm Beyer bei. Seitz sieht in Röthenbach im nächsten Schritt vor allem Erzieher und Lehrer gut aufgehoben.

Ärzte wollen mitmachen

Doch um wirksam durchzuimpfen, müsse der Schutz zu den Menschen gebracht werden, ist sich Beyer sicher: „Die Meinung, hochaltrige, mobilitätseingeschränkte und vorerkrankte Menschen für einen Flächenlandkreis wie das Nürnberger Land zentral in einer einzigen Halle versorgen zu können, war von Anfang an ein Irrglaube.“ Und dass eine dezentrale Versorgung möglich ist, zeige beispielsweise die Tatsache, dass Hausärzte und Verbände selbst „massiv die Einbeziehung der Praxen ins Impfgeschehen fordern“, so Beyer.

Laut Dünkel seien die niedergelassenen Mediziner mit ihren „räumlichen und personellen Möglichkeiten nötig, um nun in der Fläche bei den Impfungen zu unterstützen“. Dass es bei der neuen Strategie auch darum geht, ein Kapazitätsproblem zu beheben, daraus macht Seitz keinen Hehl, vor allem wenn Ende April/Anfang Mai die großen Mengen an Impfstoff vorhanden sind: „Wir haben im Landkreis etwas über hundert Praxen, das kann ein Zentrum gar nicht auffangen.“

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