Corona-Tests im Landkreis

Beim Hausarzt geht´s am schnellsten

In der Schwaiger Praxis von Udo Brandt führt die medizinische Fachangestellte Marina Kulesh die Corona-Tests in einem separaten Raum durch. Für den Abstrich werden Stäbchen in die Nase und in den Rachenraum eingeführt. | Foto: Haase2020/08/Corona-Test-Schwaig-rh-bea.jpg

NÜRNBERGER LAND – Bereits seit 1. Juli können sich alle Menschen in Bayern auch ohne Symptome bei niedergelassenen Ärzten auf eine Infektion mit dem Corona-Virus testen lassen. Doch nun gilt seit 8. August eine Testpflicht für Reiserückkehrer aus Risikogebieten, weswegen sich Urlauber nun zum Beispiel neben Flughäfen auch an Bahnhöfen und bestimmten Rastanlagen testen lassen können.

Die PZ hat sich umgehört, wie sich das im Landkreis auswirkt. Ein erstes Fazit: Die steigende Zahl von Tests stellt nicht nur die Geduld der Urlauber beim Warten auf das Ergebnis auf die Probe, sondern auch die Ärzte im Nürnberger Land vor große Herausforderungen.

Teststrecke in Hersbruck

Bis Ende August – so Ministerpräsident Markus Söder – sollen zum Beispiel alle Landkreise eigene Testzentren einrichten. „Wir arbeiten derzeit gemeinsam mit dem Landratsamt daran, die Teststrecke in Hersbruck wieder ins Leben zu rufen“, sagt Martin Seitz, Vorsitzender des ärztlichen Kreisverbandes. Die Kassenärztliche Vereinigung frage ab, welche Ärzte dazu bereit wären, aber bislang sei es schwierig, da diese alles nebenher leisten müssen und einige momentan auch Reihentestungen für Erzieher oder Lehrer durchführen. „Wir versuchen das aber schleunigst umzusetzen“, sagt Seitz weiter und hofft, dass bereits ab Montag, 24. August, wieder erste Tests im ehemaligen Hersbrucker Krankenhaus stattfinden können.

„Wir prüfen gerade, ob Hersbruck von der Kapazität ausreicht oder ob ein weiteres Testzentrum an einem anderen Ort eingerichtet werden muss“, bestätigt auch Iris Bitzigeio, Pressesprecherin am Landratsamt Nürnberger Land. Doch egal, ob der Test beim Hausarzt oder in einem Testzentrum stattfindet: Alle Untersuchten sollen – so der Plan der Staatsregierung – innerhalb von 48 Stunden ein Ergebnis vorliegen haben.

12 Tage bis zum Testergebnis

Dass das bislang nicht funktioniert, hat beispielsweise PZ-Mitarbeiterin Anne Gumann erlebt. Am 1. August ließ sich die Simmelsdorferin nach ihrem Portugal-Urlaub am Nürnberger Hauptbahnhof testen. „Mir wurde gesagt, dass ich nach drei bis vier Tagen mit einem positiven Ergebnis rechnen kann. Ein negatives würde länger dauern“, erinnert sich Guman. Doch dass sie am Ende zwölf Tage warten musste, hätte sie nicht gedacht. Denn erst am Donnerstag bekam sie eine E-Mail mit negativem Ergebnis.

So werden die Teststäbchen am Nürnberger Hauptbahnhof ausgegeben. /Foto: Gumann2020/08/Corona-Test-Teststrecke-Nurnberg-Anne-Gumann-bea.jpg

Wer sich vom Hausarzt testen lässt, hat derzeit schneller Gewissheit, wie eine Umfrage der PZ unter acht Ärzten in Schwaig, Schnaittach, Rückersdorf und Lauf ergab. Im Schnitt zwischen ein bis drei Tage müssen Patienten dort auf ein Ergebnis warten. Obwohl es sich bei den Corona-Tests seitens der Allgemeinärzte um eine freiwillige Leistung handelt, bieten die meisten Abstriche an und führen aktuell bereits täglich zwischen fünf und 13 davon durch – Tendenz steigend.

Doch es gibt schon jetzt Lieferengpässe bei Teststäbchen und Röhrchen. Einigen Ärzten fehlt es auch an Schutzkleidung. Außerdem müssen sie separate Räume für diese Abstriche einrichten, um das Infektionsrisiko zu minimieren.

Angst vor dem Herbst

„Für uns ist es eine Herausforderung, die Tests in unsere Praxisabläufe zu integrieren“, weiß Alexander Hertle, Hausarzt in Rückersdorf. Bei ihm haben Patienten ihr Ergebnis derzeit nach ein bis zwei Tagen. „Mir graut vor dem Herbst, denn wenn ich alle Patienten auf einmal versorgen soll, weiß ich nicht, wie das gehen soll“, so Hertle weiter.

Dass sich Menschen grundlos testen lassen möchten, hat er noch nicht erlebt: „Der Corona-Abstrich ist schließlich auch nicht gerade angenehm“, sagt er. „Der überwiegende Teil sind Leute, die im Urlaub waren oder die Verwandte besuchen möchten und keine Symptome haben“, sagt Matthias Leniger, Arzt aus Lauf, der bislang rund fünf Tests pro Tag durchgeführt hat, nun aber einen Anstieg bemerkt.

Corona-Abstriche im Kosmetikraum

Ähnliche Erfahrungen hat auch Udo Brandt, Arzt in einer Gemeinschaftspraxis in Schwaig, gemacht. „Gründe sind zum Beispiel die Arbeit als Kassenpersonal oder Erzieher oder Urlaub“, so Brandt. Er selbst hat zumindest in Sachen räumlicher Trennung eine pragmatische Lösung gefunden: Er führt die Tests im umfunktionierten Kosmetikraum seiner Frau auf der gegenüberliegenden Straßenseite der Praxis durch.

Wenn allerdings eine Reihentestung von Arbeitnehmern stattfinden soll, müssen das die jeweiligen Träger selbst organisieren. Bislang hat das Klinikum Nürnberg, zu dem auch das Laufer Krankenhaus gehört, zum Beispiel rund 250 Antikörpertests bei Mitarbeitern durchgeführt und eine Teststrecke für Angestellte eingerichtet.

Wie Schulamtsdirektor Joachim Schnabel mitteilt, werden auf freiwilliger Basis in der letzten Sommerferienwoche und der ersten Schulwoche außerdem auch Lehrer im Landkreis auf das Corona-Virus getestet.

Corona-Teststellen

Teststationen für Reiserückkehrer befinden sich an den Flughäfen Nürnberg, München und Memmingen, den Hauptbahnhöfen in Nürnberg und München und den Rastanlagen Hochfelln-Nord (A8), Heuberg (A93) und Donautal-Ost (A3). Unter www.kvb.de gibt es eine Liste der niedergelassenen Ärzte. Das Gesundheitsamt Nürnberger Land ist unter der Nummer 09123/9506550 erreichbar. Aktuelle Informationen sind außerdem online unter www.stmgp.bayern.de/coronavirus auf der Internetseite des Bayerischen Gesundheitsministeriums abrufbar.

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren