Impfstart bei Hausärzten

Die Logistik steht, der Impfstoff fehlt

Kleiner Pieks, große Wirkung: Sofern Impfstoff vorhanden ist, können sich Patienten der jeweiligen Priorisierungsgruppen nun auch beim Hausarzt gegen SARS-CoV-2 impfen lassen. | Foto: Stefan Blank2021/04/NL-Impfen-Impfstoff-Impfzentrum-Corona-Foto_Stefan-Blank-1-scaled.jpg

NÜRNBERGER LAND – Seit kurzem können sich Bürger bei ihrem Hausarzt gegen Corona impfen lassen. Zwei Praxen aus Burgthann und Altdorf
schildern den Bestellvorgang, berichten über die große Nachfrage ihrer Patienten und den bürokratischen Aufwand.

Rund einen Monat ist es her, als Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) niedergelassene Ärzte im Freistaat als „zweite, tragende Säule“ bezeichnete, die ab Anfang April die Impfstrategie ergänzen werden. Aufgrund anhaltender Lieferengpässe der Corona-Impfstoffe war jedoch zu befürchten, dass es keine schnelle Entspannung der angespannten Impf-Situation geben würde. „Angesichts der erwarteten Liefermenge durch den Bund wird in den ersten Wochen im April die Nachfrage in den Praxen das Angebot übersteigen. Ich sage deutlich: Das ist ein aufwachsendes System. Sobald uns der Bund ausreichend Impfstoff liefert, wächst das breite Impfangebot für die Menschen in Bayern weiter“, ließ sich Holetschek Mitte März zitieren.

Einige Wochen später können sich Bürger im Landkreis Nürnberger Land nun also nicht mehr nur im Zentrum in Röthenbach gegen das Coronavirus impfen lassen, sondern sich das Vakzin auch in ihrer Hausarztpraxis verabreichen lassen – vorausgesetzt, sie gehören der jeweiligen Priorisierungsgruppe an und das Vakzin ist auch vorrätig. Zwei Gemeinschaftspraxen in Burgthann und Altdorf geben Einblick in die ersten Impfungen vor Ort.

Pilotprojekt mit zehn Impfdosen

Gemeinschaftspraxis Dr. med. Alexander Ebert und Dr. med. Laetitia von Löffelholz, Burgthann: „Wir waren Teil des Pilotprojekts, in dem wir zehn Dosen AstraZeneca geliefert bekommen und den Stoff dann an immobile Patienten verimpft haben. Zur großen Überraschung haben wir es geschafft“, sagt die Allgemeinmedizinerin Dr. Laetitia von Löffelholz mit ironischem Unterton. Für sie bestand von Beginn an kein Zweifel, die logistischen Hürden der Impfkampagne in ihrer Praxis meistern zu können.

Ein Beleg: am gestrigen Mittwoch war die neue Lieferung – 24 Dosen von Biontech – bereits binnen einer Stunde vollständig verimpft. „Pro Arzt dürfen wir derzeit maximal 48 Impfdosen bestellen. Von meinen 36 bestellten habe ich immerhin 24 Dosen erhalten“, sagt Dr. von Löffelholz. Sie hofft, dass künftig deutlich mehr Impfstoff zur Verfügung gestellt wird, als das bislang der Fall war. „Ob wir darin schwimmen werden, wie manch einer behauptet, würde ich bezweifeln. Aber ich gehe schon davon aus, dass es deutlich mehr sein wird als bis dato.“

Immer donnerstags kommt die Lieferzusage

Das Prozedere läuft wie folgt ab: Anfang der Woche schickt die Ärztin ihre Bestellung raus, bis Donnerstag erhält sie dann die Information, wie viele Dosen sie in der kommenden Woche tatsächlich erhalten wird. So bleibt ihr und ihrem Team Zeit, die Patienten auf der Warteliste abzutelefonieren und mit ihnen einen Termin für die folgende Woche zu vereinbaren.

Doch wie wird Dr. von Löffelholz verfahren, sollten nach einer Impfung einige Dosen übrig bleiben? „Bei der Impfung gestern blieb nichts übrig. Aber sollte es so sein, dann halte ich es sowohl wirtschaftlich als auch ethisch gesehen für nicht vertretbar, übrig gebliebene Impfdosen verfallen zu lassen.“ In so einem Fall würde die Patientenliste abgearbeitet und der Rest an Impfstoff spontan verimpft werden.

Das Feedback der Patienten der Burgthanner Arztpraxis jedenfalls ist durchweg positiv, wie Löffelholz versichert: „Unsere Patienten sind heilfroh, dass es endlich losgeht. Sie befinden sich hier in einer vertrauten Atmosphäre, und wir kennen unsere Patienten natürlich am besten.“ Ob die Aussage der Bundeskanzlerin Angela Merkel, bis Ende des Sommers jedem Bürger ein Impfangebot machen zu können, tatsächlich Realität wird, mag Dr. von Löffelholz nicht beurteilen, sie sagt jedoch: „Fakt ist: Logistisch betrachtet würden wir es auf jeden Fall schaffen, vor allem wenn man bedenkt, wie viele niedergelassene Ärzte es gibt. Letztlich steht und fällt alles jedoch mit der verfügbaren Menge an Impfstoff“, stellt sie klar.

Grippesaison: 700 Impfungen in drei Wochen

Gemeinschaftspraxis für Allgemeinmedizin Matthias Ott und Martina Lang, Altdorf: Ganz ähnliche Erfahrungen macht die Gemeinschaftspraxis Matthias Ott und Martina Lang: Auch sie war Teil des Pilotprojekts, in dem immobile Patienten in der Arztpraxis geimpft wurden. Auch hier ist man felsenfest davon überzeugt, die großangelegte Impfkampagne stemmen zu können. „In der letzten Grippesaison haben wir rund 700 Impfungen binnen drei Wochen durchgeführt. Die Logistik steht, keine Frage“, sagt Praxismanagerin Katie Ott. Allein der bürokratische Aufwand sei noch enorm groß, vieles müsse dokumentiert werden, außerdem gestalte sich die Abrechnung noch zu kompliziert.


Extraschicht am Nachmittag

48 Impfdosen hatte die Altdorfer Gemeinschaftspraxis bestellt, immerhin 30 bekam sie schließlich geliefert. Um den ersten Impfdurchgang so reibungslos wie möglich durchführen zu können, legte die Praxis gestern Nachmittag nach Ende der Sprechstunde (13 Uhr) eine Extraschicht ein. Zwei Ärzte und zwei Arzthelferinnen impften am Nachmittag in der Praxis, pro Patient wurden im Vorfeld zehn Minuten einkalkuliert. Die Reihenfolge der Patienten sei dabei streng an den Priorisierungsvorgaben des bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege ausgerichtet gewesen, betont Ott. „Alles lief super und die geimpften Patienten sind alle happy“, verrät sie im Anschluss an die Corona-Impfpremiere. Die Nachfrage unter den Patienten sei genau so groß wie „die Bereitschaft, in die Praxis zu kommen und sich vor Ort impfen zu lassen.“

Wie Dr. med. Laetitia von Löffelholz in Burgthann wolle man auch in der Altdorfer Arztpraxis alles dafür tun, das knappe Gut Impfstoff nicht verfallen zu lassen. „Sollte einmal eine Dosis übrig bleiben, würden wir sie anhand unserer Priorisierungsliste natürlich weiter verimpfen“, stellt Katie Ott klar.

Beide Praxen bestätigen somit die Kritik, die das Landratsamt Nürnberger Land bereits am 21. März in einer Pressemitteilung vorbrachte. „Aktuell kommt im Landkreis noch immer nicht genügend Vakzin an, um alle Menschen, die sich impfen lassen möchten, zügig zu versorgen. Die bremsenden Faktoren sind weder die Organisation noch die Durchführung der Impfungen. Es ist schlicht nach wie vor zu wenig Impfstoff verfügbar“, hieß es darin. Auch drei Wochen später hat sich am Engpass offensichtlich nicht viel verändert.

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