Kreistag informierte sich über Standortsuche

Endlager für Atommüll im Nürnberger Land?

Es geht nicht nur um ein Fass, sondern gleich um einen ganzen radioaktiven Müllberg: Gesucht wird Platz für 27  000 Kubikmeter. | Foto: ag visuell/stock.adobe.com2021/10/atommull-abfall-scaled.jpg

Nürnberger Land – Die Kernkraft ist in Deutschland umstritten, bei der Suche nach einem Endlager für radioaktives Material sind sich hingegen alle einig: nicht bei uns. Das gilt auch für das Nürnberger Land.


Yvonne Arendt vom Bayerischen Umweltministerium informierte den Kreistag am Montag per Videoschalte über den Stand der bundesweiten Suche. Auch der Landkreis kommt als Standort infrage, stellte die Expertin klar. Der Freistaat arbeitet aber darauf hin, dass der Kelch an ganz Bayern vorübergeht, ließ Arendt durchblicken.


27000 Kubikmeter Abfälle


Es geht um rund 27000 Kubikmeter hoch radioaktive Abfälle aus deutschen Kernkraftwerken, die aktuell noch auf 16 Zwischenlager in Castor-Behältern verteilt sind. Der strahlende Müllberg soll tief unter der Erde eingelagert werden – nach Plänen des Bundes für nicht weniger als eine Million Jahre.


In Frage kommen dafür als sogenannte Wirtsgesteine nur bestimmte Gesteinstypen: Steinsalz, Tongestein oder Kristallin.


Seit Jahren beschäftigt sich bundesweit eine Expertenkommission mit der Suche nach einem Endlager. Die endgültige Standortentscheidung soll erst 2031 fallen. Bis dahin werden in mehreren Stufen mögliche Orte gesucht und auf Eignung untersucht, wie Arendt erklärte.

Bundesweit wurden 90 Teilgebiete identifiziert. In einem Zwischenbericht im Jahr 2020 war etwa die Hälfte der bundesdeutschen Fläche noch im Rennen, darunter auch das Nürnberger Land.

Fast ganz Nordbayern kommt infrage


Eine Karte der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) zeigt, dass fast ganz Nordbayern noch in der Auswahl ist, auch der gesamte Landkreis. Im Nürnberger Land herrscht, genau wie in Teilen Sachsens, Thüringens und Baden-Württembergs, kristallines Wirtsgestein vor.

Tongestein findet sich eher im Norden Deutschlands, Steinsalz größtenteils im Zentrum, sowohl in Brandenburg als auch in Thüringen, Sachsen-Anhalt oder Niedersachsen. Tongestein und Steinsalz kommen in ganz Mittelfranken nicht vor.


Das Umweltministerium argumentiert, dass Kristallin von den drei Gesteinsarten am schlechtesten als Wirtsgestein geeignet ist. Es weist nämlich Risse auf. Ein Endlager darin wäre also mit höheren Anforderungen an den Behälter, konkret dessen Ummantelung, verbunden, so Arendt. Zudem könnteeine Ton- oder Salzschicht darüber für einen zusätzlichen Schutz sorgen.

Kritik aus München am Verfahren


Aus Bayern gibt es Kritik an der BGE. Deren Zwischenbericht weise Mängel in Bezug auf die Ausschlusskriterien und Mindestanforderungen auf, so Arendt. Der Freistaat fordere einen zügigen Ausschluss von Gebieten, die für die Endlagerung ungeeignet sind. Außerdem soll die BGE überprüfen, ob Kristallingestein grundsätzlich als Wirtsgestein geeignet ist.


An dem Prozess soll auch die Bevölkerung beteiligt werden. Das sei aber bisher kaum der Fall, so Arendt. „Die Bürger vor Ort fühlen sich noch nicht betroffen.“ Das werde erst passieren, wenn die möglichen Regionen genauer festgelegt werden.


Landrat Armin Kroder sagte, er hält es für unwahrscheinlich, dass das Endlager in die Region kommt. Aber man dürfe das Thema nicht ignorieren. Der FW-Politiker, zugleich Bezirkstagspräsident, betonte, er wolle das Endlager nicht in der Region haben. Dass es auf eine Million Jahre ausgelegt sein soll, bezeichnete Kroder als „unglaubliche menschliche Hybris“ und verglich das Vorhaben mit dem Turmbau zu Babel und der vermeintlich unsinkbaren Titanic.

Klaus Hacker glaubt, der Landkreis ist bald aus dem Rennen


Klaus Hacker sagte, das Umweltministerium, die Regierung von Mittelfranken und das Landratsamt zögen an einem Strang. Alle wollten dafür sorgen, dass Kristallingestein als Wirtsgestein ausgeschlossen wird. Der Ballungsraum Nürnberg werde als potenzielles Areal für ein Endlager „relativ schnell verschwinden“, glaubt der Röthenbacher Bürgermeister, der als Vertreter von Mittelfranken zusammen mit dem ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten in einer bundesweiten Fachkonferenz sitzt.


Elisabeth Altmann (Grüne) sagte, der Landkreis sei dicht besiedelt und beim Fränkischen Jura handle es sich um zerklüftetes Gestein, was gegen ein Endlager in der Region spreche. Sie wollte wissen, wie für eine Sicherheit des radioaktiven Materials für eine Million Jahre garantiert werden soll. Arendt erwiderte, vieles dazu sei noch nicht klar, aber das werde „eine absolute Herausforderung“. Diese Zeitspanne gebe es in keinem anderen Land.

Nur ein Endlager geplant


Altmanns Parteikollege Eckart Paetzold erkundigte sich, ob es auch mehrere Endlager geben könne. Arendt erwiderte, zurzeit sei nur ein Standort geplant. „Man versucht, die Abfälle zu konzentrieren“, sonst müsse an mehreren Standorten ein hoher Aufwand betrieben werden.


Norbert Dünkel äußerte „erhebliche Bedenken“, ob der Landkreis als Endlager geeignet ist. Bei einer Thermalbohrung in Hersbruck sei herausgefunden worden, dass der Kristallingehalt im Gestein nicht hoch genug sei. Der Landtagsabgeordnete forderte, die Bürger müssten für das Thema sensibilisiert werden. „In den Medien schlägt es nicht auf“, klagte er.

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