Über die Kunst einen Osterbrunnen zu gestalten

Ei, Ei, Ei…

Ei, Ei, Ei: 2000 kleine Kunstwerke arrangieren die Leinburger Frauen jedes Jahr um ihren Brunnen. | Foto: Hornung2018/03/Leinburg-Brunnengruppe-1.jpg

NÜRNBERGER LAND – Wo hab ich sie bloß hin getan? In Tante Ernas alten Kleiderschrank auf dem Dachboden oder doch unters Schuhregal in der Waschküche? Wer jedes Jahr aufs neue schwören könnte, dass der verflixte Osterhase seine Finger im Spiel hat, weil die Kiste mit dem Osterschmuck nirgends zu finden ist, der weiß, wie es einer der Leinburger Brunnendamen ergangen sein muss.

Die Kiste mit den Ostereiern, die das Team in ihre Obhut gegeben hatte, war nirgends auffindbar und so war sie schließlich fest überzeugt, selbige nie erhalten zu haben. Groß war die Überraschung, als die Kiste schließlich doch auftauchte.

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Mit rund 2 000 Eiern schmücken die Leinburger jedes Jahr ihren Brunnen in der Altdorfer Straße. Die müssen in der Nebensaison natürlich irgendwo verstaut werden. Auch wenn das mit dem Wiederfinden so eine Sache ist, an einem einzigen Ort wollen die Frauen die Eier nicht mehr lagern. Zu gefährlich.

Einst hatten sie deswegen einen herben Verlust zu verkraften, als nämlich der Dachstuhl der Kellermanns, auf deren Dachboden die Kunstwerke lagerten, ausbrannte. Irene Kellermann erinnert sich noch gut. Kellermann ist eines der Gründungsmitglieder und Leiterin der Gruppe. Sie wohnt im gelben Haus mit den grünen Fensterläden, vor dem der Brunnen steht. In ihrer Obhut befindet sich der dicke Ordner mit fast 30 Jahren Brunnenteam-Geschichte.

In Klarsichtfolien stecken zahlreiche Fotografien, Zeitungsausschnitte, Briefe von Besuchern. Die anderen schätzen sie für ihr Organisationstalent. Jahrelang haben die Frauen sich in ihrer Wohnstube zum Malen getroffen. Damit bis Ostern alles fertig ist, beginnen die Damen mit ihrer Arbeit quasi direkt nach Weihnachten. Ab dem 6. Januar einmal wöchentlich.

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Pinsel- und Bindekünste

Sandra, Anja, Melanie, Petra – die jüngsten Malerinnen sind Anfang 30. Die ältesten sind um die 80. „Die Renni, die war über 80, fast 90 und hat bis zuletzt ganz feine Häusle gemalt. Das ist schön, dass Jung und Alt dabei sind“, sagt Kellermann.

In der Gruppe gibt es Malerinnen für die feinen Pinselzeichnungen und Lackiererinnen für Grundierung und Klarlack, es gibt Bastlerinnen, die Schnüre und Stäbe anbringen, es gibt Hasenmama Hannelore, die Mutter der Tiere im „Hosagärtla“ und die „Frau fürs Grobe“, Karin, die sägt und bohrt und Zäune aufstellt. „Jeder trägt seinen Teil bei,“ sagt Kellermann stolz.

Leinburg Hasengärtla | Foto: Julia Hornung2018/03/Leinburg-Hasengaertla.jpg

 

Das ganze Jahr sammeln die Leinburgerinnen Eier, blasen sie aus und trocknen sie. Kein einziges künstliches hängt an ihrem Brunnen. Die Eier sind verschiedenfarbig grundiert: Gelb, blau, rot, grün, pfirischfarben oder lila. Jedes Jahr erneuern sie eine Farbe, sortieren alte, von der Witterung stumpf gewordene aus und ersetzen sie durch neue, glänzende oder reparieren beschädigte Stellen. Drei bis fünf Eier kann eine Person am Abend bemalen.

Das freitägliche Malen ist allerdings nur ein Teil. Kurz vor Ostern kommt noch mal richtig viel Arbeit auf die Frauen zu: Die Palmwoche ist die Bindewoche, in der sie Bux, Tanne und Tuja bündeln. Die Mischung macht‘s: „Nur Bux wird gelb, Fichte fällt ab, wenn es warm ist. Tanne ist ein wenig beständiger. Dafür aber recht schwer zu kriegen.“ Drei komplette Nachmittage dauert das Schneiden, Büscheln und Binden.

Am Freitag vor Palmsonntag ist es dann soweit: Der Tag des Aufstellens ist gekommen. Von Früh bis Spät dauert es, bis der Brunnen steht. Das Ergebnis feiern die Damen mit einem gemeinsamen Abendessen in Kellermanns Stube. „Das Gesellige darf nicht fehlen“, sagt sie.

Gesellig geht’s zu

Gesellig geht es auch bei den Frauen in Oberferrieden zu. In der guten Stube von Käthe Meyer haben auch sie bereits im Winter mit dem Malen begonnen und die über 1000 Eier ihres Brunnens überarbeitet, zerbrochene ersetzt, neue kreiert.

Oberferrieden Aufstellen | Foto: Wolfgang Lahm2018/03/Oberferrieden-Girlanden4-Wolfgang-Lahm.jpg

 

Sie zeigen Szenen des Dorflebens oder prominente Gesichter, wie das des Pfarrers oder des Bürgermeisters. Konzentriert und in gemütlicher Runde pinseln die Frauen, auf dem Tisch stets eine Flasche Sekt – „damit es nicht gar so trocken zugeht“.

Auch das Buxteam ist viel im Einsatz gewesen: Rund 12 große Säcke werden jedes Jahr benötigt. Beim Binden im Gemeindehaus schlängeln sich meterweise Girlanden durch den Raum. Während die Leinburgerinnen ihr Grün mischen, schwören die Oberferriedener auf Bux, den sie um ein Metallgestell binden.

So einen Osterbrunnen jedes Jahr zu schmücken ist viel Arbeit“, sagt Marion Fischer aus Winkelhaid. In ihrer Gemeinde arbeiten die Winkelhaider und Ungelstettener deswegen eng zusammen. „Ursula Schmidt ist in der Osterbrunnen-Sache federführend.“ Sie koordiniert alle Arbeitsschritte, die hier auf zwei Orte verteilt sind. In Ungelstetten wird der Brunnen mit einem Fest eingeweiht, zu dem dieses Jahr die Landfrauen und der Kinderchor gesungen haben.

Ungelstetten | Foto: Julia Hornung2018/03/Ungelstetten-jh2.jpg

Geldspenden und Liebesbriefe

Stolz sind die Brunnenteams im ganzen südlichen Nürnberger Land und ihre Werke, in die viele Stunden Arbeit, Sekt und Herzblut geflossen sind, begeistern Besucher von nah und fern.

Leinburg: Liebesbrief ans Brunnenteam | Foto: Hornung2018/03/Leinburg-Brunnenfrauen-Brief.jpg

 

An den meisten Brunnen stehen Spendenkassen. Zwischen 1 300 und 1 600 Euro sammeln die Leinburger jedes Jahr, die sie zu 100 Prozent an Kindergarten oder Kirche spenden. „Die Besucher honorieren unsere Arbeit schon.“ Auch kleine Liebesbriefe hinterlassen sie. Geld für Farben verdienen die Frauen mit dem Verkauf von Ostersträußen, dekoriert „brunnenerfahrenen Eiern“.

N-Land Julia Hornung
Julia Hornung