Ausbruch im Landkreis Bayreuth

Die Vorbereitung auf die Geflügelpest läuft

Noch haben die Hühner in der Hersbrucker Schweiz Freigang. | Foto: privat2021/02/Bio3.jpeg

HERSBRUCKER SCHWEIZ (jg) – Der Ausbruch der Geflügelpest im Bayreuther Landkreis wirft bei Hobbyzüchtern und kleinen Höfen in der Hersbrucker Region viele Fragen auf. Die strengen Regeln des Landratsamtes spalten das Meinungsklima zwischen der Politik und den Geflügelhaltern. Die einen sehen alle Einschränkungen als sinnvoll, andere wiederum klagen darüber.

Am 29. Januar erhielt das Landratsamt Nürnberger Land die Botschaft über einen Geflügelpestausbruch bei einem Hausgeflügelbestand im Landkreis Bayreuth. „Darauf haben wir sofort reagiert“, erklärt Rolf List, Pressesprecher des Landratsamts. Seit Anfang Februar müssen Geflügelhalter mit bis zu 1000 Hühnern nun besondere Hygieneregeln beachten.

Vertrauen und Kontrolle

Diese Maßnahmen sind unter anderem das Tragen von Schutzkleidung, Desinfektion von allen Gerätschaften, Bereitstellung von fließendem Wasser zur Reinigung, Sicherung von Stallzugängen, Fütterungsverbot für Wildvögel und die Verbrennung der Geflügelexkremente. Das werde in dieser Zeit vermehrt stichprobenartig kontrolliert. „Das Veterinäramt ist ständig auf den Höfen im Nürnberger Land unterwegs“, erzählt List. Trotzdem sei die Kontrolle aller Geflügelhalter aus zeittechnischen und organisatorischen Gründen nicht möglich. „Deshalb setzten wir hier sehr auf das Eigeninteresse.“ Bei einem Ausbruch sei die Keulung der Tiere Pflicht.

Für viele Kleintierzüchter seien der Aufwand und die Kosten jedoch zu groß. „Ich kann das alles auf meinem Hof einfach nicht umsetzen“, erzählt ein Hersbrucker Hobbyhalter, der anonym bleiben will. Der Grund für diese Vorsorge liegt auf der Hand: Er kann sich schlicht nicht an die strikten Vorgaben des Landratsamts halten.

„Für einen Großbetrieb ist die Umsetzung der neuen Regelungen unproblematisch und rentabel, aber ich habe nur knapp 45 Hühner und einige Enten“, erklärt er. Als Hobbyzüchter mit mehreren kleinen Hühnerstämmen, müsse jede Sorte getrennt gehalten werden. Das sei nur mit Freigang möglich, da er sonst einen größeren Stall brauche. „Wenn ich alle Tiere für lange Zeit in einen Stall sperre, bringen sie sich gegenseitig um!“ Das habe er schon einmal mit ansehen müssen und habe anschließend damit gerungen, sein Hobby „an den Nagel zu hängen“. Zusätzlich halte er auch sehr seltene Arten, die schwer zu beschaffen seien. „Ein langfristiges Aufstallungsgebot wäre der Untergang für viele Züchter und Kleintierhalter in dieser Region!“

Regeln und Ruin

„Man kann Hühner und Gänse höchstens zwei Wochen einsperren, danach fangen sie an sich zu zerfleischen“, erklärt Hans-Joachim Haas, Kreisvorsitzender des Kleintierzuchtvereins Nürnberger Land mit etwa 300 Mitgliedern. Wenn Tiere keinen Auslauf bekommen und allgemein unausgelastet sind, müsse man unweigerlich an den Tierschutz denken. „Wir sind von vorneherein sehr vorsichtig mit unseren Tieren und verabreichen ihnen regelmäßig Impfungen, um der Geflügelpest vorzubeugen“, erklärt er.

Auch wenn es bis jetzt noch keine nennenswerten Fälle innerhalb des Vereins gab, sehe er viele Probleme. Vor allem bei der Strenge der Regeln. „In den vergangenen Jahren hat uns das Landratsamt unsere Arbeit und unser Hobby sehr erschwert“, erzählt Haas. Das habe zur Folge, dass viele Züchter aufgehört haben und zahlreiche Interessierte wegfallen. „Schade, denn es ist ein wunderschönes Hobby und so geht auch ein Stückchen dörfliche Kultur verloren!“

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Am härtesten habe die Züchter das Ausstellungs- und Messeverbot getroffen. Schon vergangenes Jahr seien alle Ausstellungen wegen der Corona-Pandemie ausgefallen und heuer sei es noch schwieriger durch den Ausbruch der Geflügelpest. „Das ist doch die größte Veranstaltung für jeden Züchter, denn man zeigt seine eigenen Erfolge und tauscht sich mit Gleichgesinnten aus“, erzählt der 62-Jährige. Seit seinem achten Lebensjahr geht er dem Hobby nach, jetzt mache es aber oft keinen Spaß mehr.

Probleme unvermeidbar

Mittlerweile sind die Biosphärenmaßnahmen auch im benachbarten Landkreis Amberg-Sulzbach angekommen. „Wir sind bis jetzt gut abgesichert, denn an die meisten der Regeln halten wir uns schon immer“, erklärt Dieter Kolb aus Bachetsfeld. Er betreibt zwei mobile Hühnerställe mit insgesamt etwa 450 Tieren. Eine strikte Futterlagerung und die Desinfektion von Stiefeln vor dem Betreten des Stalls seien hier sowieso Pflicht.

Probleme werde es trotzdem geben. „Die Hühner sind den Freigang gewöhnt und eine längere Stallpflicht führt im schlimmsten Fall zu Kannibalismus unter den Tieren“, erzählt er. Außerdem habe diese Maßnahme auch wirtschaftliche Folgen, weil sie die Legeleistung der Hennen beeinflusse. Kolb sehe die gesetzlichen Vorschriften sowohl bei Platzbedarf, als auch bei der Hygiene in seinem Betrieb als erfüllt. „Trotzdem werden wir aus der Situation lernen müssen!“

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