Kreistag

Der Heimatgutschein kommt sehr gut an

Der Ende 2020 eingeführte Heimatgutschein hat einen sehr guten Start hingelegt: In den ersten Monaten wurden über 11 000 Exemplare mit einem Volumen von über 300 000 Euro verkauft – trotz der zahlreichen Corona-Einschränkungen, die den Gewerbetreibenden schwer zu schaffen machten. | Foto: A. Pitsch2021/06/IMG-8286.jpg

NÜRNBERGER LAND – Ein knappes dreiviertel Jahr nach seiner Einführung ist der „Heimatgutschein“ auf dem besten Weg, ein echter Kassenschlager zu werden. Bis Anfang Juli wurden bereits 11 500 der kleinen Kärtchen, mit denen Kaufkraft im Landkreis gebunden und Händler, Gastronomen, Handwerker und Dienstleister vor Ort gestärkt werden sollen, verkauft – im Gegenwert von 300 000 Euro.

Trotz des quälend langen Shutdowns, während dem viele der inzwischen über 200 Akzeptanzstellen nicht wie gewohnt ihren Geschäften nachgehen durften, seien schon über 3000 mit einem Wert von rund 75 000 Euro eingelöst worden, berichtete Kai Herrmann im Kreisentwicklungsausschuss.

Die noch ungenutzten 8500 und rund 230 000 Euro „schweren“ Heimatgutscheine könnten nun für die hiesigen Gewerbetreibenden beim „Neustart ein schöner Zuschuss sein“, sagte der Geschäftsführer des Medienverbunds Nürnberger Land, der das Projekt federführend betreibt. Sollte die Vermutung von Landrat Kroder, dass der Gutschein einen „Hebeleffekt“ habe – weil Kunden oft nicht nur den Gutschein einlösen, sondern auch über dessen Wert hinaus einkaufen –, zutreffen, könnte das in den nächsten Wochen und Monaten über eine halbe Million Euro in die Kassen der von Corona arg gebeutelten Geschäftsleute im Landkreis spülen, hofft Herrmann.

Kaufkraft vor Ort halten

Wie berichtet, ist der Heimatgutschein Ergebnis eines seit gut drei Jahren laufenden Prozesses, in dem der örtliche Einzelhandel und die Städte und Gemeinden im Nürnberger Land gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung des Landratsamtes (Herrmann: „Der Treiber der Entwicklung“) nach Wegen suchen, dem starken Kaufkraftabfluss nach Nürnberg, Fürth und Erlangen sowie dem ungebremst wachsenden Onlinehandel etwas entgegenzusetzen.

In dem mehrstufigen, offenen Prozess, an dem sich – professionell begleitet von der Cima Beratung und Management GmbH – neben Handel, Kommunen, Werbegemeinschaften und IHK auch Dienstleister, Gastronomen sowie die drei Lokalzeitungen des Landkreises beteiligten, kristallisierte sich der digitale Einkaufsgutschein als erfolgversprechendes Werkzeug heraus, um „möglichst viel Kaufkraft im Kreis zu binden“, sagte Herrmann.

Der bisherige Erfolg bestätige diese Einschätzung: Die inzwischen 202 Akzeptanzstellen (bis Ende des Jahres sollen es 250 werden) bilden „eine schöne Mischung“ ab, so Herrmann, „fast alles ist dabei“. Auffallend: Gut 85 Prozent der bislang verkauften Gutscheine wurden „offline“ erworben – durchaus erwünscht, sollten doch von Anfang an auch Kunden, die keine digitalen Endgeräte haben oder nutzen wollen, mitmachen. Für sie gibt es die analogen Geschenkgutscheine, umweltgerecht auf Karton, die in den derzeit 22 Verkaufsstellen über bestimmte Beträge ausgestellt werden. Online ist der Wert der einzelnen Gutscheine individuell von 10 bis 250 Euro bestimmbar.

Keine Verpflichtung

Für teilnehmende Gewerbetreibende seien die Hürden bewusst niedrig gehalten: Sie müssen sich nicht langfristig vertraglich binden (Herrmann: „Wir verpflichten niemanden zu nichts“). Wird bei ihnen ein Gutschein eingelöst, zahlen sie drei Prozent des Betrages an den Systembetreiber. Ansonsten fallen keine Grundkosten oder laufende Ausgaben an, zusätzliche Investitionen in Hardware sind ebenfalls nicht nötig.

Noch im Juni soll das sogenannte Arbeitgeberportal starten, mit dem Firmenchefs ihren Beschäftigten Warengutscheine über 44 Euro zukommen lassen können, um sie ans Unternehmen zu binden, und damit ebenfalls dazu beizutragen, den stationären Handel im Landkreis zu stärken. Pro Mitarbeiter und Monat müssen teilnehmende Unternehmen rund 1,25 Euro an den Systembetreiber überweisen, kleinere Firmen mit bis zu zehn Mitarbeitern können das Angebot kostenlos in Anspruch nehmen.

Code am Handy

In den nächsten Monaten sollen dann auch eine Schnittstelle für Online-Shops und Kassensysteme via „WooCommerce“ und „ Vectron“ folgen sowie die digitale Verwaltung der Gutscheine, etwa über die Wallet von Apple, Google und Microsoft. „Dann zeigt der Kunde sein Handy, der Händler scannt den Code und schon ist alles erledigt“, blickte Herrmann in die Zukunft.

Und auch der Kulturgutschein soll integriert werden – in einem zweiten System, in dem sich dann die Mitglieder des Kulturverbands Nürnberger Land als Akzeptanzstellen präsentieren können. Andrea Lipka (SPD) bat darum, dabei darauf zu achten, dass der Verband auch bei der digitalen Gutscheinversion seinen Anteil bekommt, um neue Projekte und Ideen zu finanzieren. Da finde sich sicherlich eine gute Lösung, versprach Herrmann.

Potenzial bei Vereinen

Im Gremium stieß das gute Zwischenergebnis durchweg auf positive Resonanz. Klaus Albrecht (Freie Wähler) regte an, auch noch verstärkt auf die Vereine zuzugehen. „Da sehe ich noch Potenzial“, sagte der Bürgermeister von Kirchensittenbach, „die suchen doch immer mal ein Geschenk für ein verdientes Mitglied – und mit dem Gutschein können die sich das kaufen, was sie gerne hätten“.

Auch Landrat Armin Kroder gewann dem Heimatgutschein und seinem guten Start nur Positives ab: „Ein schönes Angebot, um die zu unterstützen, die unter den Corona-Einschränkungen massiv gelitten haben – vor allem den Einzelhandel vor Ort und unsere Kulturschaffenden.“

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