Hopfenfest in Speikern

Rund ums Grüne Gold

Links: Der Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins Neunkirchen, Franz Semlinger (2. v. r.), lässt die Besucher des Hopfenfests Kakaobohnen kosten. Eine Sonderausstellung im Museum „Fränkische Hopfenscheune“ widmet sich der exotischen Frucht. Rechts: Mit Hopfenbauer Gerhard Merkl (oben) ging es aufs Feld. Dort erzählte er viel Interessantes über den Hopfenanbau2012/09/50237_HopfenfestSpeikern-FahrtaufsHopfenfeldmitLandwirtGerhar_New_1347292264.jpg

SPEIKERN (gja) — Unterschiedlichste Geräusche und Düfte erfüllten am Sonntag die Milchstraße in Speikern zwischen dem Museum „Fränkische Hopfenscheune“ und dem Hof des „Simmersbauern“. Rund um das Grüne Gold bot der Heimat- und Geschichtsverein Neunkirchen zum 23. Hopfenfest wieder ein attraktives Programm, das viele Besucher anlockte.

Das herrliche Spätsommerwetter versetzte die Besucher in beste Laune. Bereits am Vormittag war das gesamte Areal rund um die Hopfenscheune gut bevölkert. Vollmundig, schäumend und bekömmlich war auf vielen Tischen das Endergebnis dessen zu erblicken, um das sich das ganze Fest dreht – eine Maß Bier.

Dass der Hopfen als unentbehrliche Zutat dem Bier erst seinen charakteristischen Geschmack verleiht und deshalb die Hopfenanbauer hoch zu schätzen seien, betonte Museumsleiter Franz Semlinger in seinem Grußwort. Die gute Qualität des heimischen Hopfens lobten stellvertretender Landrat Norbert Reh, Neun­kirchens Bürgermeister Kurt Sägmüller und Landwirtschaftsdirektor Werner Wolf. Ein großes Dankeschön ging an den Heimat- und Geschichtsverein und die vielen Helfer, als Bewahrer der fränkischen Tradition.

Mit Landwirt Gerhard Merkl zum Hopfengarten zu fahren, war besonders für die Kinder ein Erlebnis. Halbstündlich ging es hinaus aufs Feld. Dort erfuhren sie, dass im Sinnspruch „Der Hopfen will jeden Tag seinen Herrn sehen“ viel Wahrheit steckt, denn das Arbeitspensum eines Hopfenbauern ist gewaltig.

Der erste Kraftakt steht im Frühjahr an, wenn nach dem Aufhacken des Bodens an den Hopfenstangen die Spanndrähte vom Boden bis zum waagrechten Draht in sieben Metern Höhe gezogen werden – pro Hopfenstock zwei Drähte. Jeweils drei, an einem Draht angebundene Hopfentriebe treiben dann Mitte ­April aus und schlängeln sich im Uhrzeigersinn um die Hopfenstange, die übrigen Triebe werden Anfang Mai ausgerissen.

Danach überwacht der Hopfenbauer den Aufwuchs und die Blüte. Es erfolgt die „Ausdoldung“, denn nur die weibliche Dolde enthält das für das Bier so wichtige Lupulin. Bis die Reben im September maschinell geerntet werden, ist allerhand zu beachten. Eine große Hilfe ist dabei die Messstation, die den Pollenflug meldet.

Zurück auf dem Hof erklärte ­Merkl die weiteren Stationen: Von der Hopfenpflückmaschine geht es über ein Förderband in einen Sammelbehälter und von dort zur Hopfendarre. Nach dem Trocknen wird der Hopfen in Säcke gefüllt, die gut 75 bis 85 Kilo wiegen. Auch der Abfall findet Verwendung, er landet nach der Ernte als Dünger auf den Feldern.

Viel Andrang herrschte auch beim Museum Fränkische Hopfenscheune. Viele Exponate gewähren dort Einblick in die Anfänge des Hopfenanbaugebiets Hersbrucker Gebirge. 1774 wurde der Stadt das Siegelrecht verliehen, um die Echtheit des Hersbrucker Gebirgs­hopfens zu garantieren. Das im Jahr 1516 von Herzog Wilhelm IV. erlassene und noch heute gültige Reinheitsgebot besagt, dass zur Bierherstellung nur Gerste, Hopfen und Wasser verwendet werden darf.

Außerdem zeigt das Museum einzigartige Gegenstände rund um den Hopfen, die vom Heimat- und Geschichtsverein im Laufe der Jahre zusammen getragen wurden. Ein Prunkstück ist die älteste Hopfenpflückmaschine der Welt von 1906. Sehenswert ist das im Erdgeschoss original nachgebaute Hopfenfeld, die Stangenanlage war einst im Besitz von Fritz Koch aus Deinsdorf. Gegenstände wie Hopfenvogel, -anker, -spießzieher und eine Sackwaage aus der Hopfensiegelhalle Eschenau sind ausgestellt.

Eine Etage darüber wird der Weg von der Hopfendolde bis zum Endprodukt gezeigt. Holzfässer, Bierkästen und Brandstempel der Brauerei Wolfshöhe sowie gefüllte Hopfensäcke der Hopfenhändler Hans Held und Franz Wörler geben Einblicke in die frühere Herstellung.

Die Sonderausstellung „Kakao, das göttliche Getränk – Edelprodukt aus Papua Neuguinea“ dreht sich rund um die braune Bohne. Semlinger verteilte mehrere Kostproben der Kakaobohne und auch Kakaogetränke und Schokolade durften genascht werden.

Viel Hopfen, Tanz und Musik gab es auf der Straße vor dem Museum. Kaum ein Festbesucher ging ohne einen aromatisch duftenden Hopfenkranz nach Hause. Farbenfrohe Tänze wie der „Pommersche Hahn im Korb“ zeigte die Volkstanzgruppe der Sudetendeutschen Landsmannschaft Lauf und der Spielmannszug der Laufer Schulen erfreute mit fröhlichen Fanfarenklängen.

N-Land Pegnitz-Zeitung
Pegnitz-Zeitung