Bauarbeiten in Lauf – Archäologen vor Ort

Wo genau liegt die Ranna-Leitung?

Der Archäologe Robert Holzner (links) begleitet die Grabungsarbeiten an der Rannaleitung in Lauf. Seine Berichte über mögliche Funde im Laufer Untergrund gehen an das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege. Die Sperrung des Nürnberger Tores (rechts) nutzen die Laufer Stadtwerke, um im Bereich bis zum Friedensplatz die Laufer Wasserleitung zu erneuern2015/07/104421_wasserleitungmarktplatznrbtor_New_1437581164.jpg

LAUF — Seit gut einer Woche leben die Autofahrer in Lauf mit der Großbaustelle der Ranna-Leitung in der Ortsdurchfahrt und gewöhnen sich nach anfänglichen Irrfahrten offensichtlich langsam daran. Daran, dass die ehemalige B14 zwischen der Hirtenbrücke und der Simonshofer Straße nur Richtung Hersbruck befahrbar ist, oder daran, dass auch die Durchfahrt durch das Nürnberger Tor gesperrt ist. Derweil hat die Baufirma im Auftrag der N-ergie Nürnberg damit begonnen, mit kleineren Baugruben die genaue Lage der mächtigen Wasserleitung aus dem Oberen Pegnitztal nach Nürnberg durch Lauf zu erkunden. Die Maßnahme wird bis Dezember dauern.

Vor über 100 Jahren waren die etwa einen Meter durchmessenden Gussrohre von Ranna (deshalb der Name) bis in die Noris verlegt worden. Von Hersbruck bis Nürnberg immer direkt unter der B 14. Und weil durch die Leitung auch heute noch fast die Hälfte des Nürnberger Trinkwassers fließt, ist die N-ergie bemüht, die Leitung zu erhalten, und, wo es geht, zu sanieren. So ist nach Baumaßnahmen in Behringersdorf und Rückersdorf nun Lauf an der Reihe. Fast 800 Meter lang ist die Strecke zwischen der Simonshofener Straße im Osten und der Hirtenbrücke im Westen. Weil man die bis in sieben Metern Tiefe verlegten Rohre mitten in der Stadt nicht einfach aufgraben und erneuern kann, kommt in Lauf ein ganz besonderes Verfahren zum Einsatz. Von insgesamt nur fünf mächtigen Baugruben aus wird ein PE-Kunststoffrohr (Polyethylen) in das Gussrohr eingezogen. Rund 1,7 Millionen Euro lässt sich die N-ergie das aufwändige aber verkehrsschonende Verfahren kosten.

Rainer Reichel, zuständiger Abteilungsleiter des Energieversorgers, erläutert die besondere Problematik der Maßnahme. Weil die späteren Baugruben exakt über den Knickpunkten der Ranna-Leitung liegen müssen (das dicke Kunststoffrohr kann nicht um Kurven gezogen werden), wird die Lage der alten Leitung derzeit mit sogenannten Suchschlitzen (kleinere Baugruben) „nach dem Prinzip Versuch und Irrtum lokalisiert“. Alte Pläne geben die notwendige Genauigkeit nicht her. Dabei muss vorsichtig gearbeitet werden, die Leitung darf nicht beschädigt werden. Weil Nürnberg angesichts des Sommers und der Hitze das Wasser dringend benötigt, bleibt die Rannaleitung bis zum eigentlichen Baubeginn Ende August voll in Betrieb.

Weil die Sondierungsgruben einen Blick in den Laufer Untergrund frei geben, sind auch Bodendenkmalpfleger vor Ort. Dies ist heute an allen Grabungsstellen, die Bodendenkmäler erwarten lassen, eine Auflage des Landesamtes für Denkmalpflege. Und so steigt der bei einer Grabungsfirma angestellte Archäologe Robert Hopfner mit Schaufel und Spatel bewaffnet zusammen mit den Bauarbeitern in die Grube. Wird er fündig, werden die Arbeiten angehalten und der Fund zumindest dokumentiert und fotografiert. Am Friedensplatz entdeckte er in mehreren Metern Tiefe vermutlich die Reste einer historischen Straße. „Etwas, das in Siedlungsgebieten zwar nicht selten ist, für weitere Forschungen aber sehr wichtig sein kann“.

Aber nicht nur in der Saarstraße und der Nürnberger Straße wird derzeit gebuddelt: Die Großbaustelle bzw. die Straßensperrung nutzen auch die Laufer Stadtwerke aus, um alte Leitungen zu sanieren. So die etwa 100 Meter lange städtische Wasserleitung vom Marktplatz durch das Nürnberger Tor bis zum Gramp-Areal. Hier liegt eine 15 Zentimeter durchmessende Graugussleitung (vermutlich aus den 50er Jahren) mit insgesamt sieben Hausanschlüssen.

Ähnlich wie bei der großen Ranna-Leitung wird auch hier ein Kunststoffrohr (PE) eingezogen. Mit einem kleineren, aber vollkommen ausreichenden Durchmesser von elf Zentimetern. Auch hier hat das Verfahren den Vorteil, dass nicht die ganze Straße aufgegraben werden muss, sondern eine große Grube zum Einziehen (zwischen Blumenladen und Apotheke) und mehrere kleine Gruben für die einzelnen Hausanschlüsse ausreichen. Auch hier sind Archäologen mit von der Partie.

N-Land Clemens Fischer
Clemens Fischer