Mit gutem Beispiel an der Spitze

Das Demlhaus am Oberen Tor war das Startprojekt: die Blechverkleidung wurde entfernt und das Fachwerk restauriert. Fotos: Hungershausen2010/09/oberestor_New_1284383522.jpg

ALTDORF — Längst überfällig sei die Gründung des Vereins Altstadtfreunde Altdorf gewesen, so formulierte es 1986 der zweite Vorsitzende Dr. Franz Kreutzer, denn der Mitgliederzuwachs erfolgte rasch. Dabei war die Gründung des Vereins vor 25 Jahren keine leichte Geburt. Zwei Initiativgruppen verfolgten gleiche Ziele.

Dank eines Organisationsteams im Hintergrund und der einfühlsamen Moderation von Altbürgermeister Kurt Purucker kam man unter dem Vereinsnamen „Altstadtfreunde Altdorf“ zu einer guten Zusammenarbeit. Vorstand Karlheinz Schwarzkopf und seine Vertreter Dr. Franz Kreutzer und Erika Recknagel gründeten Arbeitskreise und machten sich schwungvoll an die Aufgaben, die in der Satzung festgelegt sind: Mitwirkung bei der Restaurierung, Verschönerung und Gestaltung des Altdorfer Altstadtbildes, sowie die Erhaltung und Sicherung der denkmalgeschützten und schutzwürdigen Objekte…“.

Weitere Mitglieder der ersten Vorstandschaft waren Hartmuth Renner, Peter Bauer und Sieglinde Hungershausen. Zum Team gehörten damals auch Hans Bald, Karl Braun, Rudi Hoffmann, Günther Bauer und Horst Ott.

Die ersten Projekte der Altstadtfreunde Altdorf fanden viel Interesse in der Bevölkerung. Eine Ausstellung schöner alter Türen im Rathaussaal, die Restaurierung der beschädigten Figur am Laurentiusbrunnen oder die Freilegung des Fachwerks am sogenannten Demlhaus neben dem Oberen Tor.

Ein wichtiges Thema für die Altstadtfreunde war es, die Bevölkerung für die Schönheiten und den Wert alter Bausubstanz zu sensibilisieren. Bei den Dämmerschoppen, die lange Jahre in der „Wolfschlucht“ stattfanden, wurde auf lockere oft humorvolle Art das notwendige Wissen durch „Gäste am Tisch“ vermittelt.

Dabei kamen heimische Handwerker, Denkmalschützer und sogar Fachleute der Technischen Hochschule Darmstadt an den Stammtisch der Altstadtfreunde.

Die Dämmerschoppen gibt es auch heute noch. Es soll Laien und Fachleuten gleichermaßen Spaß machen, bei den Altstadtfreunden Mitglied zu sein

Es gab Freiluftfeste bei der Ankerwirtin und in der Löwengrube, man ermöglichte den Blick hinter die Kulissen bei zahlreichen Stadtspaziergängen, Objektbesichtigungen und Exkursionen, zeigte Problemstellen auf und sah sich auch in anderen Städten um.

Die Altstadtfreunde pflegten stets gute Zusammenarbeit mit den Denkmalschutzbeauftragten aus München, berieten und ermunterten zögernde Bauherren zur Sanierung und zum Erhalt ihrer alten Häuser, berieten beim Ausfüllen von Anträgen oder stellten Mittel für notwendige Maßnahmen bereit.

Im Lauf des Vierteljahrhunderts konnten viele Hausbesitzer mit Urkunden und Geldpräsenten für gute Sanierungsarbeiten gewürdigt werden.

Die Altstadtfreunde restaurierten die großen Holztore an den Stadttürmen und machten sie wieder schließbar und sie unterstützten die Sanierung des Unteren Torturms, mit viel Eigenleistung beim Ausräumen und finanziell mit einer großen Spende.

Zuwendungen erfuhren auch die Kirchen und als die städtischen Mittel für die Befunduntersuchungen bei alten Häusern gekürzt wurden, sprangen die Altstadtfreunde ein.

Es gab eine Vermittlung historischer Ziegel an interessierte Bauherren, man regte die Sanierung der Metallgitter im kirchlichen Friedhof an, sorgte für die Reparatur des Laurentiusbrunnens und zusammen mit den Wallensteinern und den Lions für die Restaurierung des Pallas Athene Brunnens. Finanzielle Unterstützung gab es zum Beispiel für den Glockenturm in Pühlheim, für Schloss Grünsberg, die Mauer an der katholischen Kirche in Hagenhausen und für denkmalschützerische Maßnahmen an der evangelischen Kirche in Altdorf.

Sogar beim Altstadtfest blieben die Vereinsmitglieder beim Thema: man bot bemalte alte Ziegel, Altdorfer Fossilien, alten Hausrat und Drucksachen zum Thema an, wie die Stadtführungsmappe für Kinder.

Die Altstadtfreunde bemühten sich mehr Blumenschmuck in die Altstadt zu bringen, übernahmen einmal sogar die Kosten für die Blumen am Rathaus und führten mit dem Gartenbauverein eine Pflanzaktion durch.

Einen Punkt konnten die Altstadtfreunde bisher leider noch nicht abhaken: Die Sanierung der alten Lederersmühle.

Für dieses Objekt sammelt der Verein derzeit Mittel. Und wenn an vielen Stammtischen das Gebäude als „altes Glump“ bezeichnet wird, so schreckt das die Vorstandschaft nicht, denn auch das Museum und die alte Apotheke sahen vor der Renovierung nicht viel besser aus. „Dass die Stadt Altdorf sich auch in vielen Jahrzehnten samt ihren Besonderheiten und geschichtlichen Narben, positiv von einer Vorstadtsiedlung unterscheidet, dafür wollen wir Altstadtfreunde auch weiterhin kämpfen“, so Vorstand Horst Petzinger. Am Samstag, 18. September feiern die Vereinsmitglieder und Freunde des Vereins ab 10.30 das Jubiläum in der alten Ziegelhütte, einem Denkmal das drei Familien wieder zu neuem Leben erweckten. Mitglieder die 25 Jahre beim Verein sind, werden an diesem Tag geehrt.

Das kleine Fest dauert bis in den frühen Nachmittag.

SIEGLINDE HUNGERSHAUSEN

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