Arbeiten an Rannaleitung in Lauf

Klappt’s im zweiten Anlauf?

Blick in die Baugrube: Das neue, aus Einzelteilen zusammengeschweißte Kunststoffrohr, wird in die alte Rannaleitung eingezogen2015/09/rannaleitung_lauf_rohr_einziehen_einblick.jpg

LAUF — Nachdem die Arbeiten an der Rannaleitung in Lauf am Sonntagabend wegen technischer Probleme eingestellt werden mussten, wurde am Montag ein neuer Versuch gestartet.

Eigentlich sollte am Wochenende ein wichtiger Schritt getan werden: Das erste Teilstück des neuen Kunststoffrohrs, mit insgesamt 224 Metern Länge sollte in einem sogenannten „Close-Fit-Einziehverfahren“ in die alte Wasserleitung eingeführt werden.

Doch bereits die Schweißarbeiten hatten sich am Samstag stark verzögert und konnten erst Sonntagmittag abgeschlossen werden. Als dann endlich das nun 224 Meter lange Kunststoffrohr bereit lag und in die alte Rannaleitung eingezogen werden sollte, passierte das erste Malheur. 

Im sogenannten „Pusher“, der an der Baugrube in der Nürnberger Straße steht, war eine Platte kaputt gegangenen. Diese Maschine erhitzt die neuen Kunststoffrohre auf 40 bis 50 Grad Celsius und befördert sie, damit sie in die alte Leitung eingezogen werden kann. Dadurch wird der Kunststoff biegsam und kann von 900 Millimetern Außendurchmesser auf etwa 865 Millimeter verjüngt und kann so mithilfe der 100-Tonnen-Seilwinde am Friedensplatz in die alte Rannaleitung eingezogen werden.

Die Platte konnte repariert werden und so starteten gegen 20.30 Uhr die Einzugsarbeiten. „Doch dann sind die Pannen leider weitergegangen“, erzählte Heidi Willer, stellvertretende Pressesprecherin der N-Ergie, am Montag der PZ. Denn nachdem etwa 80 Meter des zusammengeschweißten Kunststoffrohrs eingeführt waren, gab der Hydraulikaggregator, der den Pusher antreibt, den Geist auf. Und auch das Reservegerät fiel nach kurzer Zeit aus. Der Versuch, die Maschine zu reparieren, wurde schließlich um drei Uhr morgens aufgegeben.

Weil der Verkehr auf der Straße im Berufsverkehr am Montag aber wieder fließen musste, wurde die 224 Meter lange Kunststoffleitung auf Höhe der Hirtenbrücke zersägt und das Reststück aus dem Kreuzungsbereich entfernt.

Damit das erst halb eingezogene Kunststoffrohr gestreckt bleibt und sich nicht an falscher Stelle in die alte Rannaleitung einpasst, musste die Seilwinde den kompletten Montag über einen Zugdruck von rund 70 Tonnen aufrecht erhalten.

In Gesprächen mit der Stadt Lauf konnte die N-Ergie kurzfristig eine Genehmigung für eine erneute Sperrung der Hirtenbrücke einholen, die am Abend zwischen 16 und 17 Uhr eingerichtet wurde. Die Autofahrer in Richtung Nürnberg mussten deshalb wieder die größere Umleitung über Urlasstraße, Rudolfshofer Straße und Eschenauer Straße nehmen.

So konnte die zersägte Kunststoffröhre erneut zusammengeschweißt werden; eine Arbeit, die rund drei Stunden in Anspruch nahm. Danach sollte ein erneuter Einzugsversuch gestartet werden. Ob dieser geglückt ist, stand bei Redaktionsschluss dieser Zeitung allerdings noch nicht fest.

Ebenso unklar war, wie gleich zwei Hydraulikpumpen ausfallen konnten und wann der nächste Bauabschnitt – vermutlich zwischen Friedensplatz und Saarstraße – in Angriff genommen werden kann. 

Das sogenannte „Close-Fit-Verfahren“, das laut Heidi Willer weltweit nur drei Firmen beherrschen, wird von der N-Ergie in Lauf zum ersten Mal eingesetzt und soll auch bei den drei weiteren Bauabschnitten angewandt werden. „Wir haben uns dafür entschieden, hier in Lauf in Zusammenarbeit mit spezialisierten Baufirmen dieses Verfahren anzuwenden, um die Verkehrsbeeinträchtigung für die Laufer Bürger auf ein Minimum zu reduzieren“, erläuterte Oberbauleiter Rainer Reichel die Vorteile dieser Methode.

Anders als beim klassischen Rohrverlegen muss die Straße dazu nicht auf der gesamten Länge aufgerissen werden, sondern nur einige Baugruben am Anfang und Ende der jeweiligen Teilstücke geöffnet werden. Eine erweiterte Straßensperrung sollte daher nur an wenigen Tagen erforderlich sein, wenn die neue Rohrleitung durchgezogen wird.

Die zweite Besonderheit: Durch das Erhitzen zieht sich das Rohr zusammen. Nach dem Einführen in die Rannaleitung kühlt der Kunststoff nach einiger Zeit wieder ab und legt sich von innen passgenau an das alte Rohr an, sodass überhaupt kein Hohlraum entsteht. Dadurch behält die Leitung ihren Außendurchmesser von 900 Millimetern und der Durchfluss wird nicht verringert. Somit kann auch die neue Rannaleitung nach Beendigung der Bauarbeiten die Nürnberger Bürger mit rund 500 Litern Trinkwasser pro Sekunde versorgen.

Bis Dezember will die N-Ergie die Sanierung in Lauf auf einer Gesamtlänge von 725 Metern abgeschlossen haben. Das neu zu erprobende Verfahren hat zumindest bisher nicht überzeugt. Aber, so Willer, „wir haben hier in Lauf keine andere Alternative.“

N-Land Tina Braun
Tina Braun / Max Fischer