Halbzeitbilanz der Waffenamnestie

„Jede abgegebene Waffe ist ein Erfolg“

Stephan Bezold, im Laufer Landratsamt zuständig für das Waffen- und Sprengstoffgesetz, zeigt eine alte Signalpistole aus der DDR und martialisch aussehende Deko-Munition, die zuletzt bei ihm abgeliefert wurden. | Foto: Spieß2018/02/waffenamnestie-landratsamt-lauf-spiess0001.jpg

LAUF — Gewehre, Revolver, Schlagringe, Wurfmesser oder Munition: Allein im vergangen halben Jahr, wurden beim Landratsamt in Lauf fast 200 Waffen jeglicher Art abgegeben. Ihre Besitzer bleiben straffrei. Ob die große Zahl direkt mit der noch bis zum 6. Juli geltenden offiziellen Amnestie-Regelung zusammenhängt, die die Zahl der Waffen im Umlauf verringern soll, konnte Stephan Bezold, nicht bestätigen. Der zuständige Sachbearbeiter im Amt ist einfach nur froh um jede aus dem Verkehr gezogene Waffe.

Seit dem 6. Juli 2017 gilt in Bayern eine Waffenamnestie, die noch bis zum 1. Juli 2018 läuft. Die Abgabe ist kostenlos und niemand wird bestraft, der eine Waffe abgibt, egal ob er sie rechtmäßig oder auch unerlaubt besaß. Und Bezold fügt hinzu: „Anders als bei der Polizei, die nach dem Legalitätsprinzip arbeitet und grundsätzlich Vergehen, wie den unerlaubten Besitz einer Waffe ahnden muss, gibt es bei uns im Landrats­amt Ermessensfreiheit. Das bedeutet, dass wirklich jeder willkommen ist, der Waffen loswerden will – ohne Angst, bestraft zu werden.“

196 Waffen im Landkreis abgegeben

Bezold, im Landratsamt zuständig für das Waffengesetz (WaffG) und Sprengstoffgesetz (SprengG), kennt die aktuellen Zahlen im Nürnberger Land: Bis zum Stichtag 30. Januar 2018 wurden im Landkreis insgesamt 196 Waffen abgegeben.

Laut Auskunft der Pressestelle der Regierung von Mittelfranken wurden bis zum 31. Dezember 2017 im gesamten Regierungsbezirk 396 Schusswaffen bei den Ämtern eingereicht. Diese Zahl setzt sich zusammen aus 112 illegalen und 284 legalen Waffen. Im Landkreis Nürnberger Land waren es bis zu diesem Zeitpunkt insgesamt 111 Schusswaffen, die bei der Behörde gelandet sind.

Acht davon waren illegal, 103 legal erworben worden. Die Gesamtzahl der in Lauf abgegebenen Waffen ist damit die höchste im Vergleich der mittelfränkischen Landkreise. Ob davon auszugehen ist, dass im Nürnberger Land grundsätzlich von einer höheren Waffendichte auszugehen ist, oder davon, dass sich hier mehr Besitzer von ihren Waffen getrennt haben, ist aus dieser Erhebung natürlich nicht eindeutig ableitbar.

Auch eine Kiste mit Munition und eine Pumpgun liegen im Tresor der Behörde. | Foto: Spieß2018/02/waffenamnestie-landratsamt-lauf-spiess0002.jpg

Die abgegebenen Gewehre, Pistolen und Messer sollten nicht nur auf die Amnestie zurückgeführt werden, gibt Bezold von der Laufer Behörde: zu bedenken: „Bei uns ist es immer möglich, sich ohne Angst vor Strafe von Waffen zu trennen“, wirbt der Spezialist für seine Behörde.

Abgabe ist am Landratsamt straffrei

Denn der Tresor im Landratsamt, in dem alles zwischengelagert ist, was abgegeben wird, sei der einzig richtige Ort – und nicht der heimische Dachboden, der Keller oder gar die Pegnitz. Erstaunlich für Bezold ist die geringe Anzahl von scharfen Schusswaffen, die im ersten Halbjahr der Amnestie bei ihm gelandet sind. Umso breiter ist die Palette von Luftgewehren, Gas- und Signalpistolen, Schlagringen, Hieb- und Stichwaffen. Oftmals handelt es sich aber auch um Deko-Gegenstände, die ein Laie jedoch nicht von scharfen Waffen unterscheiden kann. „Viele der oft alten Gewehre und Pistolen haben nur noch Schrottwert, sind aber keinesfalls Dinge für den Hausmüll“, warnt der Mann im Amt.

Vor Abgabe informieren

Wer etwas loswerden möchte, sollte unbedingt vorher telefonisch Kontakt aufnehmen und sich beraten lassen (Telefon 09123/9506297). Denn die Waffen einfach in die Tasche zu stecken oder gar unter dem Arm durch die Gegend zu tragen, kann ganz dumm sogar für den einsichtigen Bürger ausgehen, da die Polizei grundsätzlich gezwungen ist, gegen Waffentransporte vorzugehen.
Auffallend ist vor allem die große Menge an Munition jeglichen Kalibers, die im Landratsamt bislang abgegeben wurde und zwischengelagert wird. Von hier wird sie nach Feucht zum Sprengkommando gebracht und dort unschädlich gemacht. Anders die Waffen, sie kommen zum Landeskriminalamt nach München und werden dort entsorgt.

Kein Vergleich mit 2009

Die Amnestie wird, laut Auskunft des Landratsamtes, nach dem derzeitigen Stand nicht die immense Größenordnung der entsprechenden Aktion im Jahr 2009 erreichen. Damals waren im Nürnberger Land mehr als 600 Waffen abgegeben worden. Dies ist darauf zurückzuführern, dass damals der Schock nach dem Amoklauf in Winnenden mit 16 Todesopfern offensichtlich tiefe Spuren in der Bevölkerung hinterlassen, hinsichtlich Waffenbesitz sensibilisiert und deshalb viele Waffenbesitzer zur Abgabe animiert hatte.

N-Land Erich W. Spieß
Erich W. Spieß