Konferenz sammelte Projekte für „Leader“-Förderung

Ideen für Schnaittach und das untere Pegnitztal

„Viele Vorzüge, die aber zu wenig bekannt sind“ – auf dieses und viele weitere Ergebnisse kam die Arbeitsgruppe, die sich mit dem Themenfeld „Wirtschaft und Arbeit“ befasste2014/07/85508_LAGRegionalkonferenzAGWirtschaft_New_1405438864.jpg

NÜRNBERGER LAND — Was könnte der Landkreis mit seinen 27 Kommunen vom ländlichen Entwicklungsprogramm „Leader“ haben? Ein neues Dehnberger Kulturzentrum? Einen Kirchenwanderweg? Dreifache Übernachtungszahlen? Und am Ende gar ein größeres Selbstbewusstsein? Alles Vorschläge, die aufkamen bei der Regionalkonferenz für das untere Pegnitztal und Schnaittach. Aus den Beiträgen von Kommunalpolitikern, Geschäftsleuten und Bürgern soll ein Gesamtkonzept entstehen, dessen Umsetzung schließlich Freistaat und EU bezuschussen.

Bekanntermaßen gab es bisher im Landkreis nur ein „Leader“-Gebiet: die Hersbrucker Gesundheitsregion, die für Projekte wie neue kleine Museen, KZ-Gedenkstätte oder ein Projekt namens „Qualitätsoffensive Tourismus“ in den vergangenen sieben Jahren immerhin zwei Millionen Euro zusätzliche Fördergelder für eine durchaus spürbare Attraktivitätssteigerung im östlichen Nürnberger Land kassierte. Der Begriff „Leader“ bedeutet – übersetzt vom abgekürzten französischen Originaltitel – „Verbindung von Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft“. Das Programm wäre dort wohl wie bisher weiter gelaufen, wenn nicht die EU die Spielregeln geändert hätte: Die Einwohnerzahl und auch die Fläche des jeweiligen Gebiets müssen künftig größer sein.

Das heißt also: Damit diese Gelder weiter in den Landkreis fließen, war, wie bereits berichtet, aufzustocken Inzwischen sind alle 27 Gemeinden dabei. Für Landrat Armin Kroder ist das „keine reine Liebesheirat, aber eine vernunftgetragene Beziehung“, wie er bei der Regionalkonferenz in Lauf deutlich machte. Dieter Ofenhitzer vom Landwirtschaftsministerium erläuterte bei dieser Versanstaltung im Laufer Gymnasium, dass es vor allem darum geht, Projekte zu finanzieren, mit denen sich gerade schwächere Gemeinden schwer tun.

Allerdings handelt es sich dabei normalerweise auch um jene Kommunen, die personell nicht so gut ausgestattet sind, wie im Vorfeld Schnaittachs Bürgermeister Frank Pitterlein deutlich gemacht hatte. Er bat deshalb darum, die Fördergeldsätze an der Leistungsfähigkeit der Gemeinden zu orientieren, also schwächere, wie „seine“ Marktgemeinde, nicht hintanzustellen und dies schon im Vorfeld festzulegen. Nicht als einziger fürchtet er, dass besser ausgestattete, größere Verwaltungen im Vorteil sind, schon alleine, weil sie schneller arbeiten können.

Ofenhitzer konnte ihm allerdings nichts zusagen. Er empfahl deshalb eine „gute Kooperation“ innerhalb der steuernden LAG (Lokale Aktionsgruppe), in der unter anderem alle 27 Städte und Gemeinden zusammenwirken. Der Landrat aber sicherte zu, dass bei der späteren Gelderverteilung darauf Rücksicht genommen werde.

Bevor dies allerdings ein Thema sein kann, braucht der bereits gegründete Verein „LAG Nürnberger Land“ erst noch den Zuschlag, überhaupt „Leader“-Geld zu bekommen. Grundlage dafür sollen klar formulierte Entwicklungsziele sein, die schlüssig aufeinander bezogen sind. Die Ideensammlung bei der Regionalkonferenz jetzt in Lauf, wie zuvor schon in Hersbruck und diese Woche in Feucht, soll der erste Schritt dazu sein.

Im Christoph-Jacob-Treu-Gymnasium machten sich etwa 35 Teilnehmer in vier themengebundenen Workshops an die Arbeit. Eingeladen war im Übrigen die gesamte Bevölkerung, das Interesse hielt sich aber in Grenzen. Außer Bürgermeister, Gemeinderäten, Unternehmern und Vertretern von Einrichtungen oder Verbänden war fast keiner da.

Stärken und Schwächen

Dabei heraus kam – unterteilt in die vier Felder „Wirtschaft und Arbeit“, „Tourismus und Kultur“, „Demografie, Gesundheit, Soziales“ und „Dorf, Natur, Land- und Forstwirtschaft“, Energie“ doch ein interessantes Stärken-Schwächen-Profil des Landkreises und eine stattliche Liste an Notwendigkeiten und Wünschen. So haben die Akteure im Nürnberger Land bekanntermaßen ihre Schwierigkeiten, die vielen Vorzüge (wie familienfreundlich, Gewerbevielfalt oder attraktive Kulturlandschaft) selbst wertzuschätzen und sie dann auch noch selbstbewusst und mit einem griffigen Profil nach außen zu vertreten. Am Potenzial herrscht kein Zweifel, aber zu verbessern wäre auch noch einiges.

Vorschläge waren unter anderem: ein regionaler Masterplan für Infrastruktur und Netze, eine verbesserte Verkehrsachse zwischen nördlichem und südlichem Landkreis, ein „Jugendbindungskonzept“ gegen studien- oder berufsbedingtes Abwandern, deutlich mehr regionale Energiegewinnung, mehr Direktvermarktung und eine bessere Koordination von Gesundheitsangeboten im attraktiven Naherholungsraum. Ein paar konkret benannte Ziele: eine kleine Landesgartenschau im Landkreissüden, das Rückersdorfer Schloss als neue Kulturstätte, eine Markthalle als Attraktion und eine „erlebbare Pegnitz“ in Lauf, was schon Thema bei der dortigen Stadtentwicklung war.

Jeder, der sich einbringen möchte, kann dies jederzeit tun – Kontakt über Regionalmanagerin Christina Reinhardt am Landratsamt, Tel. 09123/950-6068; [email protected]

N-Land Michael Scholz
Michael Scholz