Mitherausgeber der Pegnitz-Zeitung

Franz Brandmüller stirbt mit 89 Jahren

PZ-Mitherausgeber Franz Brandmüller ist tot.2016/11/franz-brandmuller-85-Kopie.jpg

LAUF (fi) — Franz Brandmüller ist tot. Der Mitherausgeber der Pegnitz-Zeitung und langjährige SPD-Kreisrat starb bereits am Dienstag letzter Woche. Brandmüller wurde 89 Jahre alt. Die Trauerfeier fand auf ausdrücklichen Wunsch des Verstorbenen bereits im engsten Familienkreis statt.

Franz Brandmüller wurde 1927 in Nürnberg geboren und wuchs dort auf. Hier wurde er auch Zeitzeuge des NS-Regimes. Sein Vater, der spätere Bürgermeister von Schnaittach, war ein erklärter Gegner der Nazis und wurde 1933 in seinem Beruf fristlos entlassen, sodass er sich eine selbstständige Existenz aufbauen musste.

Zwei Tage nach seinem 17. Geburtstag wurde Franz Brandmüller 1944 vom Gymnasium weg zur Wehrmacht eingezogen. Als Reserve-Offiziersanwärter wurde er im Kampfeinsatz von den Amerikanern gefangen genommen. Später kam er in französische Gefangenschaft, aus der er 1946 schwer krank nach Hause zurückkehrte.

Die Familie war inzwischen vom ausgebombten Nürnberg nach Schnaittach umgezogen, Vater Franz Brandmüller wurde der erste Bürgermeister in der Marktgemeinde  nach dem Krieg. Brandmüller junior musste nochmals die Schulbank drücken, machte Abitur, studierte  und legte erfolgreich sein Examen als Diplom-Volkswirt ab. Zusammen mit seinem Vater und dem Ehepaar Grandpair baute der Verstorbene in dieser Zeit das Schnaittacher Kino auf und betrieb dieses auch bis Ende der 70er-Jahre.

Im Studium schon legte Franz Brandmüller den Grundstein für seine spätere Tätigkeit als Journalist und Mitherausgeber der Pegnitz-Zeitung. Er studierte im Nebenfach Publizistik und seine Diplomarbeit beschäftigte sich mit Zeitungswissenschaft. Mehrere Jahre war er als wissenschaftlicher Assistent am „Ins­titut für Zeitungswissenschaft“ an der Hochschule Nürnberg tätig.
Sein Studium finanzierte Brandmüller unter anderem als freier Mitarbeiter der Nürnberger Nachrichten und ab 1949, als die Pegnitz-Zeitung nach dem Krieg wieder erscheinen durfte, war er einer ihrer ersten journalistischen Mitarbeiter.

1962 kam er dem Verlag der Pegnitz-Zeitung auch privat näher, als er Juliane Kiefhaber, die Enkelin der Verlagsgründer Hans und Margarete Fahner und spätere Verlegerin, heiratete. Die Tochter von Juliane und Franz Brandmüller, Barbara Brandmüller, ist heute Mitherausgeberin und Mitverlegerin der PZ.
Franz Brandmüller bestimmte damals als Chef der Redaktion nicht nur den journalistischen Stil der PZ mit, er war zusammen mit seinem Schwiegervater Gustav Kiefhaber auch maßgeblich an den Vertragsverhandlungen zur Kooperation mit den Nürnberger Nachrichten beteiligt. Aus dieser Zeit rührt auch die Freundschaft mit dem NN-Verleger Bruno Schnell. Bis zu seinem 80. Geburtstag arbeitete Brandmüller selbst noch mit gelegentlichen Fotos oder Artikeln in der PZ mit.

Auch in den letzten Jahren blieb Franz Brandmüller der Pegnitz-Zeitung und vor allem der Redaktion sehr verbunden. Bis vor wenigen Monaten noch kam er täglich in die Redaktionsräume, um sich über den Inhalt der Zeitung von morgen zu informieren – und zu fragen, was es denn Interessantes gebe, das nicht in der PZ steht. Für den Sonntagsdienstler hatte er auch immer einen Espresso parat. Als begeisterter Zeitungsleser – nicht nur der PZ – und als politik­affiner Mensch zeigte sich Franz Brandmüller dabei immer bestens sowohl über lokale wie internationale Ereignisse informiert.

Ein Interesse, das nicht von ungefähr kam. Brandmüller war über 50 Jahre SPD-Mitglied und kommunalpolitisch engagiert. Fast 35 Jahre lang gehörte er dem Kreistag Lauf und später Nürnberger Land an, 1962 wurde er als damals jüngster Kreisrat gewählt.

Trotz seiner Entbehrungen und Leiden in französischer Kriegsgefangenschaft liebte er dieses Land und verbrachte fast alle seine Urlaube dort. Nicht verwunderlich ist es deshalb, dass Franz Brandmüller auch maßgeblich an der Entstehung der Städtepartnerschaft zwischen Lauf und Brive beteiligt war. Besonders stolz war er darauf, dass durch die von ihm geleiteten 35 PZ-Leserreisen nach Brive-la-Gaillarde viele Laufer die französische Lebensart kennen und lieben lernten.

N-Land Clemens Fischer
Clemens Fischer