Barden, Gaukler und Star-Allüren

Burgherr für ein Wochenende im Jahr: Veranstalter Guido Glöckler vom CBF. Foto: A. Schneider2011/07/5_2_3_2_20110715_FESTIVAL.jpg

NEUHAUS – Das beliebte Mittelalterfestival auf Burg Veldenstein in Neuhaus begeht heuer den zehnten Geburtstag — gefeiert wird mit festen Größen der Szene: Bereits am Donnerstag, 21. Juli, gibt sich Ritchie Blackmore, Begründer der legendären Gruppe „Deep Purple“, die Ehre. Am Samstag bevölkern Bands wie „Subway to Sally“, „Letzte Instanz“ oder „Eluveitie“ das mittelalterliche Gemäuer. Im HZ-Interview spricht Festivalmacher Guido Glöckler vom Concertbüro Franken (CBF) über die Erfolgsgeschichte und ihre ungewisse Zukunft.

Zehn Jahre Mittelalterrock auf Burg Veldenstein. War dieser Erfolg denn abzusehen?

Guido Glöckler: Nein, überhaupt nicht. Das erste Mal war ein Experiment: Wir hatten im Vorjahr zum ersten Mal das Feuertanz-Festival auf Burg Abenberg veranstaltet, das war schon ein Überraschungserfolg. Zudem bestand die Kooperation hier mit der örtlichen Brauerei und als die uns dann für ein Festival angefragt haben, war klar, das Ambiente passt hervorragend zur Mittelalterschiene. Der Event kam sofort an: Im ersten Jahr spielten als Headliner „In Extremo“ und „Fiddlers Green“, ebenfalls aus der Heimat die „Merlons“ und „Mila Mar“, die gibt es schon gar nicht mehr. Aber überwiegend Bands, die auch heute noch spielen könnten.

Du veranstaltest mit dem CBF mehrere Burgfestivals in der Region. Was spricht denn für Burg Veldenstein als Standort?

Burg Veldenstein hat sich ihren eigenen Charme bewahrt. Es ist quasi die authentischste Burg, die wir bespielen: Hier kann man noch über den Wehrgang laufen, den Turm besteigen, hier gibt es noch Grün. Viele Burganlagen sind ja mittlerweile sehr nüchtern renoviert und in Neuhaus gibt es einfach echt noch was zu entdecken. Die ersten fünf Jahre stand da sogar eine echte Kanone. Ich weiß aber leider nicht, in welches Museum die jetzt gewandert ist.

In zehn Jahren kann man mit einem Festival so einiges erleben…

Also die kurioseste Geschichte war für mich eigentlich das zweite Gastspiel von Ritchie Blackmore, als er mir verkünden ließ, dass wir penibelst darauf zu achten haben, dass Rauchverbot herrscht auf dem Platz. Das war für mich eine der schrägsten Geschichten: Rauchverbot beim Open Air und das lang vor der Gaststätten-Verbotsdebatte.

Gab es ein Konzert, das besonders hervorstach oder eine Band?

Was mir sehr positiv in Erinnerung ist, ist der Auftritt der „Sportfreunde Stiller“. Da hatten wir uns zwei Jahre lang drum bemüht und es war schon zu einem Zeitpunkt, als die Sportis sehr erfolgreich waren und anderswo vor fünf- bis sechstausend Leuten gespielt haben. Und dann haben sie bei uns, einfach weil sie Bock darauf hatten, in der schnuckligen Burg gespielt. Lustig war, dass sie anschließend spontan beschlossen haben, hier zu übernachten, um mit ihren Fans zu feiern. Sie haben dann im Nachbarort, in Finstermühle, zu viert in einem Zimmer geschlafen. Das war ein Highlight, weil man ja auch die Bestätigung hat, dass man hier etwas geschaffen hat und einen Platz gefunden hat, der etwas besonderes ist. Die familiäre Stimmung ist etwas, das uns auch andere Künstler zurückmelden, das die besondere Gesamt-Atmosphäre ausmacht.

Burg Veldenstein ist zur Neuverpachtung ausgeschrieben. Steht die Zukunft des Festivals auf der Kippe?

Mit Sicherheit, denn es ist ja völlig ungewiss, wie es weitergeht. Eigentümer ist der Freistaat Bayern und die Burg war die letzten 25 Jahre verpachtet an die Kaiserbräu in Neuhaus. Dieser Pachtvertrag läuft nächstes Jahr im Spätsommer aus. Es gab im Vorfeld zwar Gespräche, ob er verlängert wird, woran die Brauerei durchaus Interesse hatte — schließlich ist die Burg ihr Wahrzeichen für das Veldensteiner Bier. Aber sie konnten sich mit dem Freistaat nicht einigen. Der wollte die Pacht und die Eigenleistungen des Pächters deutlich erhöhen. Da muss man aber schon auch sehen, dass die Brauerei in den letzten Jahren in die Burg viel mehr hineingesteckt hat, als sie eigentlich hätte müssen — gerade was die Gastronomie und die Außenanlagen angeht. Das wurde im Rückblick überhaupt nicht gewürdigt. Dagegen ist der Freistaat seinen Renovierungspflichten in dieser Zeit nur mäßig nachgekommen. Da waren keine Gelder da, also blieben die Baustellen offen. Und jetzt läuft eine Ausschreibung, an der sich die Kaiserbräu aber nicht beteiligen will. Da ist völlig offen, ob hier ein Seminarhaus entsteht oder vielleicht ein Altenheim. Gastronomie ist hier oben nämlich durchaus schwierig.

Was müsste sich denn deiner Ansicht nach tun?

Im Bezug auf die Weiterverpachtung habe ich festgestellt, dass die entscheidenden Menschen hier am Ort in einem Kommunikatiosndefizit leben. Für mich war es zum Teil erschreckend zu beobachten, wie wenig da ernsthaft miteinander gesprochen wird und auch nicht an einem gemeinsamen Strang gezogen wird. Ich denke, es sollte eigentlich ein ganz klares Interesse der Gemeinde sein, dass die Burg in der Heimat bleibt: Sie ist das Wahrzeichen des Ortes und der Brauerei. Das ist doch eine alteingesessene Geschichte bis hin zur Wirtsfamilie. Das funktioniert und deswegen ist es so schade, dass die Politik hier mit der Wirtschaft nicht zusammengeht und sich gemeinsam engagiert. Stattdessen kocht jeder sein eigenes Süppchen. Interview: A. Schneider

Festival auf Burg Veldenstein, Burgstraße in Neuhaus: 21. und 23. Juli mit Mittelaltermarkt, Feuershow und Gaukelei. Einlass Donnerstag („Blackmore`s Night“): 18.30 Uhr, Beginn: 20 Uhr; Tickets: 36,65 Euro. Einlass Samstag („STS“, „Letzte Instanz“ u.a.): 12 Uhr, Beginn: 14 Uhr; Tickets: 42 Euro. Ticket-Hotline: 0911/414196. Karten gibt es auch bei der HZ. www.feuertanz-festival/veldenstein2011

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