Streich oder rechtsmotivierte Tat

KZ-Gedenken: Was steckt hinter der Zerstörung von Kunstobjekten in Hersbruck?

Unbekannte haben in der Vergangenheit bereits das Banner zerschnitten, mit dem die Mittelschule Hersbruck an den täglichen Fußmarsch der Häftlinge erinnert. | Foto: Privat2022/07/IMG_8556-scaled.jpeg

HERSBRUCK – Drei Objekte des Kunstwettbewerbs „Erinnerungsräume“, den der Verein Dokumentationsstätte KZ Hersbruck ausgelobt hat, sind in den vergangenen Wochen beschädigt worden. Doch was steckt dahinter: Ein dummer Streich, oder eine rechtsmotivierte Tat?

40 Künstler und auch Schulen beteiligen sich an dem Wettbewerb „EinnerungsRÄUME“. Er erinnert an fünf verschiedene Orte des Leidens und Verbrechens rund um Hersbruck, verursacht durch den Nationalsozialismus. Dabei dreht es sich nicht nur um Perfomance, Musik oder Literatur, sondern auch um zahlreiche Kunstobjekte. Und genau von denen sind nun drei beschädigt worden: das Banner, das die Grete-Schickedanz-Mittelschule an der Kuhpegnitzbrücke aufgehängt hat, die „Bibliothek der ungeschriebenen Bücher“ von Sybille Fenzel und Helga Koch im Rosengarten sowie die „Menschlichkeitsbank“, die ebenfalls an der Kuhpegnitzbrücke aufgestellt war.

Ein Teil der „Bibliothek der ungeschriebenen Bücher“ von Sybille Fenzel und Helga Koch im Rosengarten wurde umgeworfen. /Foto: Privat2022/07/IMG_8552-scaled.jpeg

Vandalismus oder nicht?

„Wir gehen davon aus, dass die Beschädigungen und Zerstörungen an den Kunstwerken kein Zufall oder bloßer Vandalismus ist, sondern eine gezielte Aktion. Wir setzen dem das große Interesse und die Unterstützung vieler Menschen in Hersbruck und Umgebung entgegen. Und wir wünschen uns auch Gespräche mit Menschen, die ablehnend diesem Projekt gegenüber stehen“, äußert sich Klaus Petersen, der Projektleiter des Wettbewerbs, in einem ersten Statement.

So sieht es auch Anja Schoeller, Koordinatorin des Wettbewerbs. „Wir haben den Wettbewerb mit der Intention der Bürgernähe ins Leben gerufen, um Künstler und Bevölkerung miteinander in Kontakt zu bringen – und jetzt ist ein Teil der Antwort da“. Neben den vielen Unterstützern gebe es eben auch Gegner des Projekts. „Einige Menschen haben uns auch gezeigt, dass sie gar nicht einverstanden sind mit einem solchen Projekt. Und Vandalismus ist eine Antwort auf den Wettbewerb und ein Zeichen. Wenn man es als Sprache sieht, ist klar: Es besteht noch viel Kommunikationsbedarf“, fügt sie an.

Motiv der Täter ist unbekannt

Da nur einzelne Kunstwerke beschädigt wurden, könnte ich mir vorstellen, dass es sich um Vandalismus handelt“, sagt hingegen Bernhard Distler, Dienststellenleiter der Hersbrucker Polizei. Dabei nimmt er Bezug auf das beschädigte Bücherregal und die Bank samt Stele. Doch eine politisch motivierte Tat ausschließen, kann er nicht: „Es gibt keine Zeugen. Und ohne einen Täter wissen wir nicht, welches Motiv der oder die Täter hatten.“ Die Hersbrucker Polizei hat bereits einen Zeugenaufruf gestartet, konkrete Hinweise liegen bislang aber nicht vor.

Zwar ist das umgekippte Regal wieder aufgestellt, die Bank samt Stele wieder aus dem Wasser gefischt und das Banner der Schule notdürftig repariert, „wir haben den Geschädigten aber geschrieben, dass das nicht so stehenbleiben darf“, sagt Anja Schoeller.


Künstler und Koordinatoren hoffen nun, dass man mit den Menschen, die mit den KZ-Erinnerungsräumen im öffentlichen Raum nicht einverstanden sind, in Kommunikation treten kann – ohne, dass es Vandalismus als Sprache dafür braucht. 

Autoren: Rebecca Haase, Katja Bub

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