Freiwillige vor!

Kommunen suchen Wahlhelfer

Wahlhelfer sind unverzichtbar. Unser Foto entstand bei den Kommunawahlen 2014 in Rückersdorf. | Foto: PZ-Archiv2020/01/wahlhelfer.jpg

NÜRNBERGER LAND – Noch knapp sechs Wochen sind es bis zu den Kommunalwahlen am 15. März. In den Rathäusern läuft die Suche nach Wahlhelfern auf vollen Touren. Denn pro Wahllokal sind rund acht Freiwillige nötig, um Stimmzettel auszugeben, aufzupassen, dass alles mit rechten Dingen zugeht, und vor allem am Abend die Stimmen auszuzählen. Über 300 Wahlhelfer werden in einer Stadt wie Lauf gebraucht, nur 32 in Ottensoos.

„Wir haben einen Wahlhelferpool von rund 200 Personen, auf die wir zurückgreifen können,“ sagt Ingrid Heinrich, Ordnungsamtsleiterin in Schwaig. 111 Freiwillige braucht sie am 15. März für die zwölf Stimm- und drei Briefwahlbezirke. „Nach einem Aufruf im Mitteilungsblatt haben sich sogar 15 neue gemeldet“, freut sich Heinrich, die versucht, die Wahllokale sowohl mit erfahrenen als auch mit neuen Leuten zu besetzen. Sie bekomme zum Glück nicht allzu viele Absagen auf ihre Einladungen, „zehn vielleicht“.

Offiziell muss man nämlich einen triftigen Grund vorweisen, wenn man die „Einladung“ der Kommune ausschlägt – das können berufliche Hindernisse sein, ein lange geplanter Urlaub, oder weil man keine Betreuung für seine kleinen Kinder hat. „Streng genommen könnten wir ein Ordnungswidrigkeitsverfahren einleiten, wenn jemand einfach absagt. Das haben wir natürlich noch nie gemacht, man setzt ja auf Freiwilligkeit“, sagt die Schwaiger Ordnungsamtsleiterin.

Google Maps

Mit dem Laden der Karte akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von Google.
Mehr erfahren

Karte laden

Das bestätigt auch ihr Kollege Günter Holzammer von der Stadt Röthenbach. Knapp 180 Helfer werden hier in den insgesamt 36 Stimmbezirken (21 Urnen- und 15 Briefwahllokale) benötigt. „Wir haben in den letzten Tagen Zug um Zug diejenigen angeschrieben, die immer dabei sind“, berichtet Holzammer. Einige neu Zugezogene hätten sich sogar von sich aus gemeldet. Aktuell fehlen noch rund 40 Freiwillige, „aber wir sind zuversichtlich, dass wir es hinbekommen“. Das Problem sei eher der Mangel an erfahrenen Wahlvorstehern. „Die Leute werden immer älter.“

Hoher Zählaufwand bei der Kommunalwahl

Freilich sei der Zählaufwand bei der Kommunalwahl mit ihren vier Stimmzetteln deutlich höher als beispielsweise bei der Landtagswahl, räumt Holzammer ein. Die Zeiten, in denen die ganze Nacht oder sogar noch bis zum Dienstag Stimmzettel ausgewertet wurden, seien aber – zumindest in Röthenbach – vorbei. Nur noch die Kreuzchen für den Bürgermeister und den Landrat werden von Hand gezählt. Die langen Listen für Stadtrat und Kreistag werden seit den Kommunalwahlen vor sechs Jahren elektronisch mit einem Barcode-Stift ausgewertet.

Mehr Briefwahllokale

So ist das auch in Lauf, wo geschäftsleitender Beamter Benjamin Wallner gut 300 Wahlhelfer für die 28 Urnenwahl- und 21 Briefwahllokale zusammentrommeln muss. Die Zahl der Briefwahllokale sei aufgestockt worden, in den Ortsteilen bleiben die gewohnten Wahllokale aber erhalten. „Da sind immer dieselben Wahlhelfer- Teams mit von der Partie, die verabreden sich vorher schon, wer Kuchen mitbringt“, beschreibt Wallner die soziale Komponente eines „Sonntags für die Demokratie“.

Es ist schon ein Kampf, genügend Freiwillige zu finden, aber wir haben es letztlich immer geschafft“, bilanziert der geschäftsführende Beamte. Es kämen auch immer wieder neue dazu. Die wichtige Position des Schriftführers innerhalb des Wahlhelfer-Teams werde in Lauf wenn möglich mit einem Mitglied der Stadtverwaltung besetzt. In den letzten Tagen wurden in Lauf all die Helfer angeschrieben, die auch bei früheren Wahlen mit von der Partie waren. Außerdem wurde Werbung mit Flyern und auf den Bürgerversammlungen gemacht.

Ein politisches Amt ist übrigens ausdrücklich kein Hindernis für den Job als Wahlhelfer. Im Gegenteil – viele, die Wahl-Dienst tun, sind als Stadtoder Gemeinderäte oder in politischen Ortsvereinen engagiert. Voraussetzung ist aber, dass man mindestens 18 Jahre alt, Deutscher oder EU-Bürger ist und im jeweiligen Ort wohnt.


Schwaig ist Spitzenreiter

Würde sich also ein Laufer wegen des höheren „Erfrischungsgeldes“, wie die Aufwandsentschädigung für die Wahlhelfer offiziell heißt, in Schwaig bewerben, so dürfte er hier nicht genommen werden. 90 Euro für die Hauptwahl am 15. März werden in Schwaig pro Helfer gezahlt, 50 für die weniger aufwendige, mögliche Stichwahl zwei Wochen später. Damit ist Schwaig in einer – nicht repräsentativen – Umfrage der Pegnitz-Zeitung Spitzenreiter bei der Aufwandsentschädigung.

70 Euro gibt es bislang in Röthenbach, hier soll der Stadtrat aber heute über eine mögliche Erhöhung auf 80 Euro entscheiden. Die Stadt Lauf bezahlt ebenfalls 70 Euro.

Bescheiden muten da die 35 Euro in Ottensoos an. „In der nächsten Sitzung wird aber über eine Erhöhung beraten“, sagt der geschäftsleitende Beamte Jochen Häberlein. Er benötigt für die vier Ottensooser Wahllokale (zwei Urnen, zwei Briefwahl) gerade mal 32 Wahlhelfer und nutzt dafür vor allem einen Pool aus Gemeinderäten und Kandidaten.

Andrea Rother, Ordnungsamtsleiterin in Schnaittach, hat die Einladungen in den letzten Tagen verschickt, „und leider hat es schon viele Absagen gehagelt“, erzählt sie. 170 Wahlhelfer sind in Schnaittach für die elf Stimmbezirke nötig, „wir bauen auf eine Mischung aus jungen und erfahrenen Leuten“.

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren