Abend mit Unternehmensberater

Was passiert mit dem Kirchensittenbacher Dorfladen?

„Der Laden“ in Kirchensittenbach blickt in eine ungewisse Zukunft. | Foto: M. Wildner2019/02/Dorfladen.jpg

KIRCHENSITTENBACH – „Tante Emma is back“— „Tante Emma ist zurück“. So stand es auf der Leinwand, als die Besucher in der Kirchensittenbacher Grundschulaula eintrafen: Die Gemeinde hatte zum Infoabend geladen. Unternehmensberater Wolfgang Gröll gab eine tiefen Einblick in die „Renaissance der Nahversorger“ und zeigte, dass die Zukunft der Dorfläden alles andere als dunkel zu sein scheint. Ob das auch für den Kirchensittenbacher Laden gilt, muss herausgefunden werden.

Anlass für den Abend war die Zukunft des „Ladens“, den Heike Hösch derzeit in Kirchensittenbach betreibt. Denn der ist laut ihrer Aussage wirtschaftlich nicht mehr rentabel. Personell gebe es kein Problem, dafür aber beim Platz: Eine Erweiterung der engen Verkaufsfläche ist nicht möglich. Das Geld für eine Baumaßnahme würde aber ohnehin fehlen. Also: Wie weiter?, fragte auch Bürgermeister Klaus Albrecht eingangs.  Er warf einen wehmütigen Blick in die Vergangenheit, als es noch drei „Tante Emma“-Läden im Ort gab. Doch mit den wachsenden Supermärkten verschwanden die Nahversorger, bis schließlich nur noch einer übrig blieb. Den übernahm Hösch vor einigen Jahren.

Wer hat Räumlichkeiten?
Neben dessen Erhaltung zeigte sich Albrecht auch offen für neue Räumlichkeiten und forderte die Besucher mehrmals auf, sich bei der Gemeinde zu melden, wenn jemand etwas Passendes in zentraler Lage anzubieten hätte. Von Seiten der Gemeinde stünde nichts zur Verfügung und sie käme ebenfalls nicht als Betreiber eines neuen Ladens in Frage. „Wir sind aber freilich bereit, mitzuhelfen“, versprach Albrecht.

Wie ein Dorfladen zum Anziehungspunkt wird und sich gegen die Supermarkt-Konkurrenz durchsetzt, führte Wolfgang Gröll von der New Way GmbH den Zuhörern an unzähligen erfolgreichen Beispielen vor Augen. Damit machte er Mut: In vielen, teilweise kleineren Orten liegen Discounter in geringerer Entfernung als im Fall Kirchensittenbach. Und trotzdem freuen sich die Dorfläden dort über mehr und mehr Kunden.

Für Gröll und das Dienstleistungsnetzwerk für Bürger und Dorfläden, mit dem seine Firma bei Beratungen zusammenarbeitet, hat das eindeutige Gründe: Vor allem jüngeren Menschen werde ehrliche Qualität, Gesundheit und Geschmacksvielfalt immer wichtiger. Bei der Lebensmittelindustrie dagegen wisse man trotz Regionalitäts- oder Biolabeln nie sicher, wo die Ware herkomme. Und trotzdem seien die Deutschen immer noch Europameister im Billiglebensmitteleinkauf.

Außerdem sei der Dorfladen ein wichtiger Eckpfeiler bei der Grundversorgung: „Macht er dicht, folgen oft über kurz oder lang Bäcker, Metzger oder Arzt“, sagte Gröll. Auch deshalb gelte es bei der Planung bestehende Angebote mit einzubeziehen, damit Synergien entstünden.

Neben vielen Tipps, wie das Geschäft gut laufen kann, ging der Unternehmensberater auch ans Eingemachte: Ohne Zusammenarbeit im Dorf funktioniere nämlich nichts. Um Geld zu sparen, könnten beispielsweise handwerklich begabte Bürger mit anpacken. So würde man mit rund 30 000 Euro für die Einrichtung hinkommen, was in Publikumsreihen jedoch Zweifel aufkommen ließ.

Bei dieser sowie bei Anlaufverlusten und Warenbestellungen müssten sich die Bürger finanziell einbringen. Ein gewisses Risiko sei also nicht ausgeschlossen, denn wenn das Projekt scheitere, sei das Geld weg, so Gröll. Beruhigend fügte er hinzu, dass seit 2010 kein Laden mehr aufgeben musste, dessen Aufbau er mitbetreut hatte. Und weil das Projekt in Kirchensittenbach im Rahmen der Dorferneuerung läuft, hofft man außerdem auf Zuschüsse, fügte Bürgermeister Albrecht an.

Bei der anschließenden Fragerunde ging es ums Praktische, beispielsweise, welches Gebäude sich außer dem bestehenden Laden eignen würde. Das Haus am Kirchplatz, das mittlerweile leer steht, war eine Idee. Die Gemeinde habe sich allerdings noch keine Gedanken über die weitere Nutzung gemacht. „Vielleicht in den nächsten zwei bis drei Jahren“, gab Albrecht eine vage Prognose. Ein Durchbruch zur an den Laden angrenzenden Sparkasse hin kam ebenfalls kurz zur Sprache — wurde aber schnell wieder verworfen.

Auch die Öffnungszeiten waren Thema. Heike Hösch erklärte, sie mache 75 Prozent ihres Umsatzes am Vormittag und habe bereits ausprobiert, abends länger offen zu lassen. Die wenigen Kunden, die dann noch kämen, steigerten die Zahlen aber kaum. Gröll meinte, dass sich hier Umfragen bewährt hätten, um optimale Zeiten zu finden. Als nächster Schritt soll ein Arbeitskreis gegründet werden, der gemeinsam mit Gröll und dessen Team die Situation bewertet. Dieser soll für jeden offen sein, machte Albrecht deutlich.

N-Land Marina Wildner
Marina Wildner