Evangelische Kirche widerspricht

Keine gemeinsame Aktion

Imam Saruhan Senol singt in der Laufer Moschee in der Glockengießerstraße den muslimischen Gebetsaufruf auf Arabisch, der über einen Lautsprecher an der Fassade zum ersten Mal auch in den umliegenden Straßen zu hören ist. | Foto: Beck2020/04/Imam-Moschee-Lauf-Saruhan-Senol-Ramadan-28-April-2020-Foto-Beck-scaled.jpg

LAUF — Der Gebetsruf der Laufer Moschee, der am Dienstag vergangener Woche zum ersten Mal über einen Lautsprecher zu hören war, erklingt nicht als Teil einer Aktion mit der evangelischen Kirche. Das betont Pfarrer Jan-Peter Hanstein, der Vorsitzende des Kirchenvorstands.

Eine entsprechende Meldung habe bei einigen Gemeindemitgliedern für große Irritation gesorgt. Ein gemeinsamer öffentlicher Gebetsaufruf, so Hanstein, wurde aber „nicht im Kirchenvorstand diskutiert oder beschlossen“. Man habe davon erst aus der Zeitung erfahren.

„Es ist eine gemeinsame Aktion mit der evangelischen Kirche“, hatte die Pegnitz-Zeitung hingegen Hakan Sariaydin vom Vorstand der Türkisch-Islamischen Gemeinde zitiert.

Weitere Artikel zum Thema


Dahinter steckt wohl ein Missverständnis, wie Hanstein nun meint. Pfarrerin Lisa Nikol-Eryazici, die Beauftragte der Laufer Kirchengemeinde für Interreligiösen Dialog, habe in einem persönlichen Gespräch tatsächlich „Verständnis für diese gutgemeinte Aktion geäußert“. Allerdings sei eine entsprechende Kooperation weder geplant worden noch habe sie stattgefunden. Auch habe die Gemeinde das Abendläuten der Johanniskirche um 19 Uhr nicht verändert, um es mit dem Gebetsruf zu koppeln.

„Absolutheitsanspruch Allahs“

Bereits am Freitag war Thomas Hofmann, einer von vier evangelischen Pfarrern in Lauf, auf Distanz gegangen. Gläubige Christen, schrieb er in einem Leserbrief könnten den Gebetsruf „schwer auf unseren Straßen hören“, formuliere er doch den „Absolutheitsanspruchs Allahs“. Er unterscheide sich deshalb vom Kirchenläuten, das nur allgemein ans Gebet erinnere.

Hanstein, der Pfarrer der Johaniskirche und Vorsitzende des Kirchenvorstands, schlägt nun versöhnlichere Töne an: Er sehe den öffentlichen Gebetsruf der Muslime trotzdem als „wichtiges Zeichen“. Im Ramadan würden Muslime „verstärkt um Frieden, Heilung von der Corona-Krankheit und Überwindung von Ungerechtigkeit und Hunger“ beten. Hanstein wörtlich: „Auch wenn Christen und Muslime nicht zum gleichen Gott beten – können wir Christen uns in diesen Anliegen verbunden fühlen.“ 

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren