Imam ruft zum Gebet

Gebetsrufe hallen durch Lauf

Imam Saruhan Senol singt in der Laufer Moschee in der Glockengießerstraße den muslimischen Gebetsaufruf auf Arabisch, der über einen Lautsprecher an der Fassade zum ersten Mal auch in den umliegenden Straßen zu hören ist. | Foto: Beck2020/04/Imam-Moschee-Lauf-Saruhan-Senol-Ramadan-28-April-2020-Foto-Beck-scaled.jpg

LAUF — Als am Dienstagabend die Kirchturmuhr der Laufer Johanniskirche sieben Mal schlug, klangen kurz darauf noch ganz andere, ungewohnte Töne durch die nahe gelegene Glockengießerstraße. Der Imam der Türkisch-Islamischen Gemeinde, Saruhan Senol, rief in der dortigen Moschee auf Arabisch zum Gebet. Zum ersten Mal war der Gebetsruf über einen Lautsprecher an der Außenwand der Moschee öffentlich zu hören.

Der Gebetsruf, der in islamisch geprägten Ländern vom Muezzin gesungen wird, blieb nicht unbemerkt. Nachbarn öffneten die Fenster und spähten über den Gartenzaun, filmten mit ihren Handykameras. Beschwerden gab es keine, doch Özlem Ödemis, Mitglied des Ditib-Vorstands in Lauf, rechnet mit kritischen Kommentaren. „Wir veröffentlichen ein Video des Gebetsrufes im Internet und müssen in den nächsten Tagen die sozialen Medien im Auge behalten“, sagt Ödemis.

Der Ditib-Vorstand hatte vor drei Wochen gemeinsam die Idee entwickelt, den Mitgliedern während des Ramadan in den schweren Zeiten der Corona-Maßnahmen Mut zu geben. „Es ist eine gemeinsame Aktion mit der evangelischen Kirche. So wie die Glocken um 19 Uhr länger läuten, rufen wir öffentlich zum Gebet auf, als Ausgleich für die geschlossene Moschee und die fehlende Gemeinschaft“, sagt Hakan Sariaydin, ebenfalls Mitglied des Laufer Ditib-Vorstands.

Laut ihm kam der Vorschlag bei der Stadt Lauf gut an. „Die Mitarbeiter waren sehr offen. Wir haben nur die Auflagen bekommen, dass der Aufruf höchstens fünf Minuten dauert und nicht lauter als 70 Dezibel ist“, sagt Sariaydin.

Erster öffentlicher Ruf in Nordbayern

Aktuell sei geplant, bis zum 3. Mai öffentlich zum Abendgebet zu rufen. Bis zu diesem Datum werden auch die Kirchenglocken länger läuten. Unabhängig von der Corona-Pandemie soll der Imam von nun an jeden Freitagmittag öffentlich zum Freitagsgebet einladen. „Das ist sehr selten in Bayern, nur fünf Moscheen dürfen bisher öffentlich den Gebetsruf verkünden, vier davon sind in München“, sagt Sariaydin.


Die Corona-Maßnahmen treffen die Gemeindemitglieder zur denkbar ungünstigsten Zeit. Am 24. April haben die 30 Tage des Ramadan begonnen, die mit einem großen Fest an den letzten drei Tagen enden. „In dieser Zeit feiern wir die Offenbarung des Korans. Normalerweise wären die Moscheen zu den Gebetszeiten jetzt voller Menschen und das Fastenbrechen nach Sonnenuntergang findet gemeinsam mit Freunden und Familie statt“, sagt Ödemis.

In Lauf sei das Fastenbrechen in den letzten Jahren gemeinsam gefeiert worden, mit einer großen Essensausgabe in der Moschee. „In diesem Jahr sitzen die Familien und Alleinstehenden daheim, obwohl es die Zeit ist, in der die Gemeinschaft gepflegt werden soll und ärmere Menschen unterstützt werden“, sagt Ödemis.

Auch die drei Festtage, die eigentliche Ramadan-Feier, werden ausfallen. „Es ist eine traurige Zeit. Der Gebetsaufruf soll die Gemeinde stärken und Mitgefühl mit allen Corona-Patienten ausdrücken“, sagt Sariaydin.

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