Kommentar

Kein guter Start ins Schuljahr

Diese drei Erstklässer beherzigen bereits einen der wichtigsten Tipps der Polizei: Am sichersten ist der Schulweg in der Gruppe.
Nächste Woche fängt die Schule wieder an – mit Masken und Tests. | Foto: PZ-Archiv/Kirchmayer2018/09/Abc-Schutzen-Erstklassler-Schulbeginn-Schulstart-Einschulung-Sc.jpg

NÜRNBERGER LAND — In diesem Schuljahr soll alles anders laufen: Das ist das Versprechen der Politik. Keine Schulschließungen mehr, klar, aber auch mehr Planbarkeit für die Eltern, die während der Lockdowns ein ums andere Mal in die Bresche springen mussten. Nur: Wer soll das noch glauben? Ein Kommentar zum Schulstart am Dienstag nächster Woche.

„Große Zuversicht“ will Bayerns Kultusminister Michael Piazolo in einem Rundschreiben an die Schulen vermitteln, er spricht von einem „großen Schritt“ hin zu mehr Normalität. Mit Verlaub, Herr Piazolo, wir Eltern teilen diese Zuversicht nicht. Und schon der Schulstart gibt uns allen Anlass dazu.

An dieser Stelle könnte es um die nach wie vor mangelhafte Ausstattung der Klassenzimmer mit Luftfiltern gehen. Aber das ist ein komplexes Thema, weil sich Kommunen, Freistaat und Bund gegenseitig die Schuld zuweisen. Also nehmen wir ein einfacheres Beispiel.

Ausnahmefall am ersten Schultag

Die Teilnahme am Unterricht, so die Vorgabe der Staatsregierung, ist nur mit einem negativen Coronatest möglich. So weit, so gut. Das soll schließlich für Sicherheit sorgen. Getestet wird in der Schule, zwei- oder dreimal pro Woche, je nach Schulart. Wir haben uns darauf eingestellt. Doch dann, nur ein paar Tage vor Beginn des neuen Schuljahrs, die Nachricht für die Eltern von Grundschülern: Nein, am ersten Schultag gibt es keine Tests. Allerhöchstens im Notfall. Eltern, organisiert das bitte selbst.

Wobei: Es gab auch Schulen, bei denen das „Bitte“ im entsprechenden Infoschreiben fehlte. Da standen vor allem Wörter wie „Verpflichtung“ und „Vorgaben“. Und Sätze wie dieser: „Falls Ihr Kind ohne gültige Bescheinigung zum Unterricht erscheint, muss es abgeholt werden.“

Die Idee mit den von den Eltern zu organisierenden Tests übrigens kommt aus München. Die Schulleitungen folgen damit einer Empfehlung des Kultusministeriums.

„Wir machen das schon“

Nicht falsch verstehen: Wir machen das schon. Wir werfen unseren Terminplan um, ganz spontan, kümmern uns darum, dass der Nachwuchs den Montagnachmittag statt bei Freunden im örtlichen Testzentrum verbringt. Wir sind es gewohnt. Denn wir erinnern uns, damals im Frühjahr 2020 und im letzten Winter, die Lockdowns … Ein „Bitte“ haben wir übrigens auch damals nicht gehört.

Wir wundern uns allerdings. Denn dass die Eltern da noch etwas organisieren müssen in der Hektik Anfang September, hätte man ja auch schon zum Ende des alten Schuljahrs kommunizieren können.

Bitte, Herr Piazolo, erwarten Sie von uns nicht, dass wir Ihre Beteuerungen noch ernst nehmen. Sie ignorieren unser wichtigstes Anliegen – Planbarkeit – konsequent. Auch wenn Sie in Ihren Rundschreiben wortreich ein anderes Bild vermitteln wollen.

Was ist eigentlich das Gegenteil von Zuversicht? Richtig, Resignation. Damit starten wir ins neue Schuljahr.

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