Angebote für Senioren starten langsam wieder

Kaffeefahrt muss noch länger warten

Ein fröhliches Herbstfest mit Wein und Schmalzbroten im Pfarrsaal von Sankt Otto zeigt dieses vier Jahre alte Foto. Seit dem Corona-Lockdown gibt es so gut wie keine Angebote für Senioren mehr. | Foto: PZ-Archiv2020/09/weinfest-st-otto-seniorentreff.jpg

NÜRNBERGER LAND– Keine Kaffeenachmittage, keine Busfahrten, keine Wassergymnastik: Seit dem Corona-Lockdown sitzen viele Senioren ohne Freizeitmöglichkeiten zu Hause. Während es mancherorts erste vorsichtige Versuche gibt, Begegnungsstätten und Pfarrsäle wieder zu öffnen, bleiben andere skeptisch.

Die Evangelische Kirchengemeinde in Lauf hat sich als eine der ersten aus der Corona-Deckung gewagt. Sie lud vergangene Woche nach langer Pause wieder zum „Seniorentreff 70+“ mit Kaffee und Kuchen sowie einem Vortrag ins Gemeindezentrum Kotzenhof ein. „Wir haben abgewogen zwischen Corona-Risiko und Vereinsamung“, sagt Pfarrerin Lisa Nikol-Eryazici. Manche Senioren seien in letzter Zeit überhaupt nicht mehr rausgekommen. „Unsere Besucher sind richtig dankbar gewesen und haben sich über Kommunikation gefreut.“

Natürlich sei penibel auf Hygiene und Abstand geachtet worden. Maximal drei Menschen saßen an einem Tisch, bedient wurden sie mit Masken und es wurde regelmäßig gelüftet. Ein gewisses Risiko sei natürlich da, räumt Lisa Nikol-Eryazici ein, „aber wir müssen lernen, mit dem Virus zu leben“.

Keine größeren Veranstaltungen

Auch Angelika Schopper, Vorsitzende der Röthenbacher Arbeiterwohlfahrt (AWO), will die AWO-Begegnungsstätte ab Mitte Oktober oder November wieder öffnen, zumindest zweimal pro Woche zum Kaffeetrinken für maximal 20 Besucher. Genaueres soll auf einer Vorstandssitzung beschlossen werden. Spiele- oder Bastelnachmittage dagegen werden weiterhin wohl nicht stattfinden. „Da müssten wir alles desinfizieren“, sagt Angelika Schopper, auch auf größere Veranstaltungen wie Weihnachtsfeiern muss wahrscheinlich verzichtet werden.

35 Jahre besteht der Leinburger Frauenkreis, gestern hatte er seine erste Zusammenkunft nach 29 Wochen Corona-Pause. „Es gibt ein großes Bedürfnis nach Miteinander, wir haben viele alleinstehende oder verwitwete Teilnehmerinnen“, sagt Leiterin Renate Endreß. Auf Busfahrt werden die Leinburger Frauen heuer allerdings nicht mehr gehen, stattdessen hat man das Programm umgestellt, trifft sich zum Beispiel zu einer Kirchenführung in Leinburg – mit Mund-Nasen-Schutz. „Natürlich bedarf es einer gewissen Vorbereitung, aber es ist machbar“, ist sich Renate Endreß sicher, die zu ihren Frauen auch in der Corona-Zeit Kontakt gehalten hat.

Vorträge als Alternative

Die Seniorenbeauftragte der Gemeinde Leinburg, Jutta Helmreich, macht wenig Hoffnung auf Aktivitäten. Busfahrten seien aufs nächste Jahr verschoben, auch Firmenbesuche seien zurzeit nicht möglich. „Die Betriebe lassen uns nicht rein“, so Helmreich. Alternativ will sie eventuell Vorträge zu bestimmten Themen im Gemeindezentrum anbieten.

„Mir fällt selbst schon die Decke auf den Kopf, alles liegt darnieder“, bedauert Christina Täuber, Vorsitzende des VdK Schnaittach. Doch der Landesverband mache in puncto Hygiene Auflagen, die man nicht erfüllen könne. „Alte Menschen wollen doch zusammensitzen und ratschen.“ Täuber steht zumindest in telefonischer Verbindung zu den Senioren aus der Marktgemeinde, zum Geburtstag werden Gutscheine und Grußkarten verschickt. Diese Woche soll im Vorstand über das weitere Vorgehen beraten werden.

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„Sie bauen schnell ab“

Auch in Rückersdorf wollen sich die Vertreter verschiedener Vereine und Verbände bald zusammensetzen – etwa AWO, VdK, Martinsclub oder die Sudetendeutsche Landsmannschaft – und überlegen, wie es mit der Seniorenarbeit im Ort weiter geht. „Wir streben eine gemeinsame Lösung an“, betont AWO-Vorsitzende Heidi Sponsel. Ein Problem seien die relativ kleinen Räume, ein anderes der Fakt, dass viele Ehrenamtliche der Corona-Risikogruppe angehören. „Es tut mir wirklich leid um die Senioren, denen ihre festen Termine natürlich fehlen. Sie bauen schnell ab, wenn sie nur zu Hause sind.“ Statt einer großen Weihnachtsfeier könnte Heidi Sponsel sich Hausbesuche vorstellen.

Vor allem Vorträge zu politiknahen Themen bietet die Arbeitsgemeinschaft „60plus“ der SPD an, und zwar schon seit 1985. Die letzten Jahre hatte die AG ihr Domizil in der AWO-Begegnungsstätte, die wiederum räumlich zum Altenheim gehört. „Da durften wir seit März nicht mehr rein“, erklärt Sprecher Gottfried Siebel. Wenn man irgendwann wieder startet, dann mit verändertem Konzept.

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