Kaffeefahrt mit der Kripo

Beamte stellen die Tricks der Betrüger vor

Lustige Inszenierung eines ernsten Themas: Hauptkriminalkommissar Wilfried Kunze als krimineller Handwerker und zwei Spieler der Puppenbühne der Verkehrspolizei mit Seniorenpuppen. | Foto: Hornung2016/06/Alfeld-Polizei-Kaffeefahrt.jpg

ALFELD/NÜRNBERGER LAND – Allein in Mittelfranken werden jedes Jahr mehrere hundert Menschen Opfer von Trickbetrügern. Dass die meisten der Diebeskniffe bekannt sind, scheint nichts an diesen Zahlen zu ändern. Warum das so ist und wie man Betrüger wirkungsvoll abschrecken kann, erfuhren die Teilnehmer einer „Kaffeefahrt mit der Kriminalpolizei“. Die gemeinsame Aufklärungsveranstaltung der Polizeiberatung Nürnberg und der Angehörigenberatung für Demenzkranke fand in einem Gasthof in Lieritzhofen bei Alfeld statt. Rund 50 Teilnehmer hatten sich eingefunden.

Vor dem Tresen steht eine kleine Bühne. Die Szenerie: Wohnung eines älteren Menschen. Hauptkommissar Wilfried Kunze schlüpft, bevor er seinen Vortrag hält, in einen blauen Handwerkerkittel und damit selbst in die Rolle des Betrügers. Er läutet eine Tischklingel und weckt so die schlafende Puppe auf der Bühne, gespielt von einem Akteur der Puppenbühne der Verkehrspolizei. Der ältere Puppenherr reibt sich verwundert die Augen. Wieder schellt es. Im weiteren Verlauf des Schauspiels wird der vermeintliche Klempner den älteren Herrn, der ihm die Tür geöffnet hat, in ein anderes Zimmer schicken und ihn dort Wasserhähne an- und abdrehen lassen. Währenddessen wird er selbst die Wohnung ausräumen: der Handwerkertrick.

Zahlreiche Maschen

Der Handwerkertrick ist nur einer von zahlreichen Maschen, mit denen sich Betrüger Zugang zu den vier Wänden ihrer Opfer verschaffen. Kunze schildert eine ganze Reihe solcher Tricks.

Google Maps

Mit dem Laden der Karte akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von Google.
Mehr erfahren

Karte laden

Täter geben sich als angebliche Amtspersonen aus, als Handwerker, sogar als Polizeibeamte, als alte Bekannte des verstorbenen Partners oder als Menschen in Not, die dringend Hilfe benötigen – ein Glas Wasser oder einen Zettel. Alle Tricks haben dasselbe Ziel: Zutritt zur Wohnung. „Ist ein Betrüger erst einmal drinnen, können Sie sicher sein, dass er auch etwas klaut“, versichert Kunze. Deswegen wiederholt er gebetsmühlenartig seinen Appell: „Wenn ein Fremder vor der Tür steht, lassen Sie ihn nicht herein! Hilfsbereit sind sie auch, wenn sie ein Glas Wasser hinausreichen.“

In den zehn Jahren, in denen Kunze Aufklärungsarbeit leistet, sind ihm schon einige kuriose Fälle untergekommen.

„Es hat sogar schon funktioniert, dass jemand – vorgeblich von den Stadtwerken – die Lampen in der Wohnung zählen wollte und hereingelassen wurde.“ Die meisten seiner Zuhörer sind bestens informiert. Nicken und zustimmendes Murmeln folgen den Ausführungen des Beamten. Eine Zuhörerin berichtet von einer angeblichen neuen Kraft des ambulanten Pflegedienstes an der Tür. Diese neueste Masche der Betrüger wurde in der letzten Woche zweimal innerhalb von 48 Stunden versucht.

Profis am Werk

Selbst wenn man meint, Bescheid zu wissen, ist Vorsicht geboten. Dass bekannte Methoden immer wieder zum Erfolg führen, hängt mit der Professionalität der Betrüger zusammen. „Die kennen ihr Geschäft“, sagt Kunze. „Es kommt nur darauf an, wie überzeugend jemand auftritt.“ Die Opfer reagieren in einer Ausnahmesituation überrascht und überrumpelt. Täter nutzen die Hilfsbereitschaft und Liebe der Menschen aus. Ganz oben in der Statistik steht ein Trick, mit dem man diese am besten auslöst. Der so genannte Enkeltrick funktioniert per Anruf, mit dem besorgten Großeltern hohe Summen zur Rettung des vermeintlich in Not geratenen Enkels entlockt werden.

Polizeipressesprecher Peter Schnellinger kennt die Statistik für Mittelfranken: Der Enkeltrick geschah in 2015 fast 250-mal. 2014 waren es 193 Fälle, 2013 wurden sogar 385 Fälle registriert. „In Wellenbewegungen“, analysiert der Kriminaler, „werden die Landkreise abgegrast und systematisch alle Personen im entsprechenden Alter angerufen. Wenn es bei zweien funktioniert, haben die Täter schon gewonnen.“ Manchmal zehn- bis zwanzigtausend Euro.

Der vorgeführte Handwerkertrick wurde 2015 in 80 Fällen bekannt, eine falsche Amtsperson klingelte 45-mal, ein Zettel für eine Notiz an Nachbarn wurde 8-mal benötigt, ein Wasserglas einmal.


Fremde niemals hereinlassen

Ein Blick durch den Türspion oder das Fenster sollte auf jeden Fall vor dem Öffnen der Tür stehen. Die Tür ist bestenfalls durch ein Kastenschloss gesichert und lässt sich nur spaltbreit öffnen. Will ein Fremder gar nicht mehr gehen, rät Kunze zu kleinen Notlügen. „Sagen Sie doch, dass Sie ihren Sohn anrufen, der nur ein paar Häuser weiter wohnt, auch wenn das gar nicht stimmt.“ Und: „Informieren Sie uns. Rufen Sie lieber einmal öfter an, als einmal zu wenig.“

Zum ersten Mal hatte die Kriminalpolizei eine solche Veranstaltung mit der Angehörigenberatung für Demenzkranke veranstaltet.

Für demente Menschen kann man zusätzliche Maßnahmen zur Wohnungssicherung in Betracht ziehen: Einen Schalter etwa, mit dem man die Klingel ausstellen kann, oder eine Unterdrückung fremder Rufnummern am Telefon.

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren