Digitalisierung

Im Landkreis heulen bald mehr Katastrophenschutz-Sirenen

Symbolbild: Neue Feuerwehrsirene in der Gemeinde Leinburg. | Foto: Sichelstiel2022/12/Sirene_neu_Sichelstiel-scaled.jpg

NÜRNBERGER LAND – Am bundesweiten Warntag blieb es im Nürnberger Land weitestgehend still, denn es ertönten ausschließlich die Katastrophenschutz-Sirenen in den Gemeinden rund um das Happurger Kraftwerk. Doch das soll sich bald ändern. Einige Kommunen arbeiten bereits an der Aufrüstung ihrer Sirenen oder sind – wie zum Beispiel die Gemeinde Leinburg – schon fast damit fertig.

Zahlreiche Nutzer klagten auch beim zweiten bundesweiten Warntag über zu spät auslösende Warnapps, oder nicht erhaltene Benachrichtigungen via Smartphone. Auch wenn diese Mittel versagen, bleibt eigentlich noch die akustische Alternative: Eine Warnung der Bevölkerung durch Katastrophenschutz-Sirenen. Diese geben einen einminütigen auf- und abschwellenden Dauerton wieder, der die Menschen dazu bringen soll, auf Lautsprecherdurchsagen und Meldungen in Funk und Fernsehen zu achten.

Sirenen rund um den Stausee

Das Problem an der Sache: Katastrophenschutz-Sirenen gibt es im Landkreis nur in Happurg, Hersbruck, Engelthal, Pommelsbrunn und Henfenfeld. Sie sollen vor einer drohenden Gefahr ausgehend vom Pumpspeicherwerk am Happurger Stausee zu warnen.

Schon bald könnte der Warnton aber auch in weiteren Gemeinden ertönen. Laut Kreisbrandrat Holger Herrmann und Kreisbrandinspektor Bernd Haslinger laufen derzeit in einigen Kommunen nämlich Umrüstungen. Dabei werden zum Beispiel bereits bestehende Feuerwehr- Sirenen, die bisher analog per Funk gesteuert werden, auf digitalen Empfang umgestellt. 

Neue und alte Sirenen mit selber Funktion

So wird die technische Möglichkeit geschaffen, neben dem Sirenensignal zur Alarmierung der Feuerwehr im Katastrophenfall auch die Sirenensignale „Warnung“ und „Entwarnung“ auslösen zu können. Die alten Sirenen auf den Dächern bleiben dabei erhalten. Anders ist das bei einer Neuinstallation der Geräte, dann werden die Signalhörner außerdem gegen Lautsprecherhörner ausgetauscht.

Laut Kreisfeuerwehrverband haben fünf Gemeinden – Schnaittach, Rückersdorf, Schwarzenbruck, Neunkirchen und Pommelsbrunn – bereits einen Auftrag für einen Sirenenumbau erteilt und in Röthenbach will man damit bis zum Jahresende sogar bereits fertig sein. An der Spitze steht aber die Gemeinde Leinburg, die die Sirenen nicht nur umgebaut, sondern in diesem Zuge gleich die neuen Modelle installiert hat.

Die Stadt Röthenbach (hier die Sirene auf dem Haimendorfer Feuerwehrhaus) ist auch bereits bei der Umrüstung. Dort werden die Sirenen auf den Dächern verbleiben und nur die Technik, die diese bedient, von analoger Steuerung auf digitale Steuerung umgebaut. / Foto: Sichelstiel2022/12/Sirene_Alt_Sichelstiel-scaled.jpg

Sieben neue Sirenen für 130.000 Euro

 „Alle sieben Feuerwehrsirenen in der Gemeinde Leinburg sind umgerüstet“, sagt Bürgermeister Thomas Kraußer, der sich über die landkreisweite Vorreiterrolle seiner Kommune freut. Aktuell fehle nur noch die Anmeldung der digitalen Warnmelder bei der integrierten Leitstelle in Nürnberg. Gekostet haben die sieben neuen Lautsprecher-Sirenen rund 130.000 Euro. Einen großen Anteil – knapp 86.000 Euro – erhielt die Kommune dafür aber an Fördergeldern.

Um den Um- und Neubau von Sirenen müssen sich die einzelnen Gemeinden nämlich selbst kümmern und diesen auch finanzieren, erklärt das Landratsamt. „Für die Umrüstung hat der Freistaat einen Fördertopf aufgestellt, in dem sind auch noch Gelder vorhanden. Das Förderprogramm läuft noch bis 2024“, sagt eine Sprecherin der Behörde. Bereits ausgeschöpft hingegen seien die Fördergelder, die der Bund für einen Neuaufbau einer Sirene bereitgestellt hat.

„Wir haben im Frühjahr von der Förderung erfahren und diese auch gleich beantragt“, sagt Bürgermeister Kraußer. Danach ging alles recht schnell: Die Zusage kam, die Gemeinde schrieb den Auftrag aus. Im Oktober und November wurden die alten Sirenen dann bereits von den Dächern der Feuerwehrhäuser abgebaut und neue installiert.

Durchsage und externer Stromanschluss

Im Vergleich zu den alten „Heulern“ bieten die neuen Lautsprecherhörner viele Vorteile: „Sie haben eine externe Stromversorgung, die den Betrieb zum Beispiel auch während eines Stromausfalles über eine gewisse Zeit lang möglich macht“, sagt Bürgermeister Kraußer. Auch könnten mit den digitalen Sirenen Lautsprechernachrichten übertragen werden. „Man kann damit zum Beispiel Durchsagen machen und Hinweise an die Bevölkerung ausgeben. Außerdem sind verschiedene Signale möglich“, sagt er.

Wann die anderen Gemeinden mit einer Umrüstung ihrer bestehenden Sirenen nachziehen könnten, dazu gibt Kreisbrandinspektor Bernd Haslinger eine Einschätzung ab: „Es ist geplant, dass bis in zwei bis drei Jahren alle Kommunen im Landkreis umgerüstet sind“, sagt er. Wie gut das klappt, sei allerdings abhängig von der jeweiligen Haushaltslage, den Förderprogrammen, den Ausbaukapazitäten der Firmen und auch eventuellen Engpässen in der Material-Lieferkette.

„Es ist auch der Neubau von Katastrophenschutzsirenen in Städten und Gemeinden in bestimmten Bereichen geplant, in denen bisher keine Sirenen existieren“, so Haslinger weiter. Die neuen Installationen könnten zum Beispiel dort entstehen, wo bisher die reine Feuerwehralarmierung nicht nötig war oder wo Siedlungsgebiete neu entstanden sind. Doch der hierfür vom Bund bereitgestellte Fördertopf ist bereits ausgeschöpft, weshalb Kreisbrandinspektor und -rat nun hoffen, dass das Angebot bald fortgeführt wird.

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