Angela Beckmann über die Königin der Blumen

Vortrag beim Hersbrucker Rosenzauber

Rosenblindtrieb, Frostschaden und die allerschönsten neuen Sorten: Angela Beckmann von Noack Rosen hat Fachwissen und verlockende Angebote für ihr interessiertes und fachkundiges Publikum in petto. Foto: U. Scharrer2016/06/7225412.jpeg

HERSBRUCK – Es gibt tatsächlich nicht wenige Rosen in meinem Garten. Sie wachsen und blühen vor sich hin, werden aber weder nach der Blüte beschnitten noch gedüngt. Seit Angela Beckmanns Vortrag in der Baumschule Geiger anlässlich der Hersbrucker Rosenwochen weiß ich: mein Umgang mit den Rosen grenzt an Majestätsbeleidigung.

Damit die Hoheiten mit den passenden Namen „Audienz“, Sachsenperle“ oder „Herzogin Friederike“ es im Garten behaglich haben, könnte ich als demütige Gartendienerin so einiges tun. Zunächst einmal wurzelt die Blumenkönigin so tief wie ihre Adelstitel lang sind. Im Topf kann sich die feine Dame also auf Dauer nicht richtig entfalten. Wie jede empfindliche Persönlichkeit braucht sie gerne mal einige Jahre, um sich in ihrer neuen Residenz so richtig wohl zu fühlen.

Dann möchte Ihre Majestät zwar einen ansehnlichen Hofstaat haben, der sollte aber keinesfalls in ihre Komfortzone eindringen: Berührungen Blatt an Blatt durch Plebs wie Frauenmantel, Lavendel und Co straft die Rose mit Blühfaulheit ab. Und das Vordringen einer flegelhaften Biene ins Allerheiligste der Blüte wehren zumindest die gefüllten Sorten erfolgreich ab. Hier wird die Rose regelrecht zur Mimose. Wie formuliert es eine Besucherin des Vortrags so schön: „Einer Königin pflanzt man nichts zu Füßen …“. Angela Beckmann, die für ihren Vortrag aus Gütersloh angereist ist, kontert zur Verteidigung der Begleitpflanzen: „… aber nebenan ist es erlaubt.“

Auch ihren Duft verströmt die fragile Schönheit nur, wenn sie huldvoll gesonnen ist. Ist es zu trocken oder zu nass oder der Sonnenstand stimmt nicht, dann legt sie ihr zartes Parfum nicht auf. Drängen sich der Rose gar Schmarotzer wie Rosenblattrollwespen, Florfliegen und Spinnmilben auf, reagiert die Adelige schon sehr verschnupft. Nicht so zimperlich allerdings ist sie in Bezug auf Ernährung: Angela Beckmann bezeichnet das Sonnenkind als „Säuferin und Fresserin“. Gute Versorgung mit Wasser und Dünger dankt sie also mit königlicher Blütenpracht, bevor sie, ausgepowert vom Defilee des Sommers auf die Ruhephase des Winters zusteuert.

Wer jetzt denkt, die schöne Rose sei zu kapriziös für ihn, sei beruhigt: das Zuchtziel der Rosenzüchter heute ist Gesundheit und Langlebigkeit ohne übertriebene Unterhaltsmaßnahmen. Genügen neue Adelssprösslinge diesen Ansprüchen, dann bekommen sie ADR verliehen. Das hat nichts mit dem Adelsregister zu tun, sondern steht für die Allgemeine Deutsche Rosenneuheitsprüfung, die blühfreudige, gesunde Züchtungen mit einer Widerstandsfähigkeit gegen Pilzbefall auszeichnet und somit ein Qualitätsmerkmal darstellt. Es steht also auch dem unerfahrenen Gärtner zu, sich royales Flair in seinen Hofgarten zu holen. Das ausgesuchteste Kompliment macht ein Besucher der Rose ganz zum Schluss: „Eine Rose ist für mich wie eine schöne Frau! Sie sieht gut aus, sie duftet — und sie hat Stacheln!“

N-Land Ute Scharrer
Ute Scharrer