Viele Eichen sind fast kahl

2009/05/Eiche100373.jpg

FEUCHT/OCHENBRUCK — Viele Eichen in der Region machen derzeit einen beängstigend kranken Eindruck. Trotz des optimalen Wachswetters (warme Temperaturen in Verbindung mit anhaltenden Niederschlägen) sind zahlreiche Bäume fast kahl. Seit Mitte April frisst sich der Eichenwickler durch die hiesigen Eichenbestände und hinterlässt kahle Bäume. Forstdirektor Harald Gebhardt vom Amt für Landwirtschaft und Forsten Roth/Hersbruck kann sich nicht erinnern, jemals ein so massenhaftes Auftreten des Eichen-Schädlings erlebt zu haben.

Trotzdem: Gebhardt ist zuversichtlich, dass sich die befallenen Bäume zum großen Teil wieder erholen werden. Die Fraßperiode der Eichenwickler dauert noch bis Ende Mai, dann haben die Eichen Ruhe und können erneut austreiben. „Gesunde Bäume werden im Spätsommer wieder eine dichte Baumkrone haben“, so Gebhardt. Anders sieht es in vorgeschädigten Beständen aus.

Hier können tatsächlich Eichen wegsterben. Sollte sich der Eichenwickler im kommenden Jahr wieder so explosionsartig vermehren wie in diesem Frühling, wird es für die Bäume gefährlich. Die Mitarbeiter des Forstamts beobachten jedenfalls die Entwicklung genau.

Schäden in Unterfranken

Massiven Kahlfraß durch Eichenwickler gab es in Nordbayern bislang lediglich in Unterfranken, wo die Forstbehörde chemische Mittel (Dimilin) zur Bekämpfung des Schädlings einsetzen musste, um der Plage Herr zu werden. Ohne die chemische Keule, so Gebhardt, wären in den neunziger Jahren in Unterfranken große Eichenbestände vernichtet worden.

Für die hiesigen Eichen, die derzeit einen drei bis fünfprozentigen Anteil am Baumbestand der mittelfränkischen Wälder mit wachsender Tendenz ausmachen, sieht Gebhardt allerdings noch keine so große Gefahr, dass man über den Einsatz von Insektengift nachdenken müsste. Eigentlich ist der Eichenwickler in Gegenden mit milderem Klima heimisch und hat bislang das wärmere Unterfranken dem raueren mittelfränkischen Klima vorgezogen. In diesem Jahr gab es aber offensichtlich eine massive Wanderung nach Osten.

Auch der Eichenprozessionsspinner, dessen feine Häärchen gesundheitsgefährdend für den Menschen sind, bevorzugt eigentlich milderes Klima. Gleichwohl tauchte er in den vergangenen Jahren immer wieder einmal in der Region auf und musste dann aufwändig bekämpft werden (wir berichteten mehrfach). Derzeit gibt es in Gebhardts Fortsamtsbereich allerdings keine Brennpunkte, an denen Eichenprozessionsspinner beseitigt werden müssten – etwa in der Nähe von Sportanlagen, Fahrrad- oder Wanderwegen.

Die Gespinstmotte wird oft mit dem Prozessionsspinner verwechselt, weil sie wie dieser Gespinste in die Bäume webt. Sie frisst allerdings nicht an Eichen sondern an den kleineren Traubenkirschen und Pfaffenhütchen und webt dabei mit ihren Kolonien oft ganze Bäume ein.

Die Pflanzen sehen dann aus wie mit weißem Tüll tapeziert. Wenn die Pflanzen nicht vorgeschädigt sind, können sie sich nach der Schädlingsattacke durchaus wieder erholen, selbst wenn sie bis auf die letzten Blätter kahl gefressen wurden. Gesundheitsgefährdend ist die Motte im Gegensatz zum Prozessionsspinner nicht.

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren