Trockenheit in den Wäldern hielt Hersbrucker Retter auf Trab

Beim Tag der offenen Tür im September durften die Besucher hautnah erleben, wie Atemschutzgeräteträger der Hersbrucker Feuerwehr einen Brand bekämpfen. | Foto: J. Ruppert2020/03/FFW-Heb-JHV.jpg

HERSBRUCK – „Im Schnitt rückt ihr alle 36 Stunden aus“, veranschaulichte Bürgermeister Robert Ilg die Leistung der Einsatzkräfte. Zuvor hatte Kommandant Uwe Holzinger mit Bildern das Jahr 2019 der Hersbrucker Feuerwehrleute Revue passieren lassen: Sie löschten Brände, befreiten bei Unfällen eingeklemmte Personen, suchten Vermisste, beseitigten Sturmschäden, öffneten Wohnungen von Hilflosen und vieles mehr. „Wir wissen uns bei euch in guten Händen“, dankte das Stadtoberhaupt im Namen aller Hersbrucker.

„Feuer und Eis“ hätten die Zahl der Einsatzstunden in die Höhe schnellen lassen, sagte Uwe Holzinger anlässlich der Hauptversammlung im überfüllten Floriansstüberl des Gerätehauses. Denn zum einen waren die ehrenamtlichen Retter Anfang 2019 bei der Schneekatastrophe in Berchtesgaden vor Ort. Zum anderen gab es viele zeitintensive Brandereignisse, darunter etliche in den ausgetrockneten heimischen Wäldern. Als Stützpunkt-Feuerwehr standen die Hersbrucker ihren Kameraden in den Nachbargemeinden zur Seite, egal ob in Deckersberg oder im oberen Pegnitztal.

210 Kräfte für die Stadt

Derzeit stehen Uwe Holzinger rund 85 Aktive zur Verfügung. Die Jugendgruppe umfasst an die 20 Mädchen und Jungen. Zusammen mit den Ortsteilfeuerwehren Altensittenbach, Ellenbach und Großviehberg hat die Stadt insgesamt 210 Einsatzkräfte. Von einer Pflichtfeuerwehr ist Hersbruck damit weit entfernt, zeigte sich der Kommandant mit der Entwicklung zufrieden.

Er zeichnete vor allem junge Kameraden („eine neue Generation, die unsere Arbeit weiterführen kann und will“) für besonderen Fleiß aus. 238 Mal wurde im letzten Jahr Hilfe über die 112 angefordert. Philip Deckert, Tobias Trummer und Jochen Weinmann sind diesem Ruf jeweils über 100 Mal gefolgt. An den Mittwochsübungen beteiligten sich Philip Deckert, Louis Dehling, Klaus Stilper und Bernd Wölfel am häufigsten.

Die Aufgaben der Retter sind vielfältig. Dies beweist allein ein Blick auf die absolvierten Fortbildungen, die von Motorsägenführer über Strahlenschutz, Drehleitermaschinist, Brandhaus bis zu Schaumtraining reichen. Uwe Holzinger dankte allen ehrenamtlich Aktiven für ihr Engagement um das Gemeinwohl. Christian Fritsch, Leiter des Atemschutzteams, berichtete der Versammlung, dass derzeit 26 Atemschutzgeräteträger zur Verfügung stehen. Diese absolvierten 2019 insgesamt 18 Einsätze wie zum Beispiel beim großen Autowerkstattbrand in der Hersbrucker Südstadt.

Toller Schweizer Abend

Fester Bestandteil der Gemeinschaft ist der Feuerwehrverein mit fast 350 Mitgliedern. Im Vordergrund steht die Kameradschaftspflege. Vorsitzender Norbert Winkler zählte verschiedene Höhepunkte auf: ein Schweizer Abend, das Schinkenessen, Schlachtfest im Café Bauer, die Winterwanderung im strömenden Regen nach Engelthal, der Festzug in Kirchensittenbach und mehr.

„Ein absoluter Erfolg“, so Norbert Winkler, war wieder der Tag der Feuerwehr. Die jüngeren Besucher durften sogar einen Einsatz unter Atemschutz machen und (nacheinander) 100 Stofflöwen aus einem verrauchten Zelt retten. Binnen kurzer Zeit waren die Tiere ausgegangen. Die Aktivitäten der Jugendgruppe umfassten Truppmannausbildung bei den Donnerstagsübungen, Zeltlager und Abnahme der Jugendflamme, sagte Jürgen Steinbinder.

Bürgermeister Robert Ilg strich in seinem Grußwort die „ausgezeichnete Verbindung zwischen den Einsatzkräften und dem Rathaus“ heraus. Bei Entscheidungen über notwendige Anschaffungen könne sich der Stadtrat auf die fachlichen Empfehlungen der Retter voll verlassen.

Auf Pandemien vorbereitet

Da das Berichtsjahr 2019 im Vordergrund stand, sprach Uwe Holzinger dem mittlerweile in den Ruhestand verabschiedeten Polizeichef Hans Meixner seinen Dank aus. Dessen frischgebackener Nachfolger Bernhard Distler lobte das gute Zusammenspiel innerhalb der Blaulichtfamilie. Innerhalb von vier Wochen habe er die „hochprofessionelle“ Arbeit, die Motivation und den Ausbildungsstand der Hersbrucker Feuerwehrleute schätzen gelernt. Allein von der Mannschaftsstärke her wären viele Einsätze für die Ordnungshüter allein kaum zu schaffen.

Maximilian Hauptkorn von der BRK-Bereitschaft sagte unter Hinweis auf das Corona-Virus, dass die heimischen Retter auch auf Pandemien vorbereitet seien. Kreisbrandinspektor Holger Herrmann hat eine neue Leistungsprüfung entwickelt. Bei der Übung mit dem Namen „Kritischer Wohnungsbrand“ geht es darum, eine Person aus einem Obergeschoss in einer bestimmten Zeit herauszuholen und zugleich das Feuer zu bekämpfen.

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N-Land Jürgen Ruppert
Jürgen Ruppert