HERSBRUCK — Der Inhaber des Kaufhauses Schickedanz Harald Herbrig hat mit seiner Kaufhaus-Gruppe Insolvenz beantragt. Gleichzeitig hofft er, dass das Hersbrucker Haus mit einem neuen Investor weitergeführt werden kann. Denn die aktuellen Einbrüche im Gesamtgeschäft führt Herbrig auf neue Konkurrenz für die Häuser in Waldmünchen und Rötz (Landkreis Cham) zurück. In Hersbruck schreibe man schwarze Zahlen. Der Verkauf geht weiter.
Gestern Mittag teilte Herbrig der Hersbrucker Zeitung in einem Gespräch mit, dass er letzten Mittwoch Insolvenzantrag beim Amtsgericht Regensburg gestellt hat. Herbrig übernahm vor knapp drei Jahren zwei Kaufhäuser des Unternehmens Reitmeier in Waldmünchen und Rötz. Vor zwei Jahren erwarb der ehemalige Quelle-Manager auch das Hersbrucker Kaufhaus Schickedanz, das beim Ende der „Quelle“ vor der Schließung stand.
Ginge es nur um Hersbruck, so Herbrig gegenüber der HZ, dann stünde er nach einer längeren Durststrecke mittlerweile mit schwarzen Zahlen da: „Wir haben in Hersbruck die Kosten im Griff.“ Allerdings gesteht er zu, dass auch in Hersbruck die 16 (von bis Mitte letzten Jahres 25) Mitarbeiter teils seit Monaten auf ihr Gehalt verzichten. Die Angestellten wollten den Standort retten und hätten dazu je nach ihren Möglichkeiten Zahlungen gestundet. Der bisherige Geschäftsführer Frank Tiedmann hat sich Anfang Mai vom Kaufhaus getrennt.
Herbrig hat für die Zahlungsprobleme seiner Häuser hauptsächlich eine Erklärung: In Waldmünchen wurde letztes Jahr am Stadtrand ein Einkaufszentrum mit Textil- und Lebensmittelsupermärkten, schneller Erreichbarkeit und vielen Parkplätzen eröffnet. Das habe im großen Kaufhaus von Waldmünchen — wie auch bei anderen innerstädtischen Läden — zu einem anhaltenden Abwärtstrend geführt.
Als Insolvenzverwalter wurde mittlerweile Dr. Siegfried Beck, Chef der bayernweit agierenden Insolvenzkanzlei Dr. Beck & Partner, bestellt. Er war am Freitag in Hersbruck und am Samstag in Waldmünchen, um sich einen ersten Überblick zu verschaffen. Sechs Wochen hat er maximal gegenüber dem Gericht Zeit, seinen Bericht zu erstellen. Weil ausstehende Gehälter erst ab dem Tag der Insolvenzeröffnung für bis zu drei Monaten rückwirkend gezahlt werden, will Beck schon früher Bericht erstatten. Ob Hersbruck dabei eine bessere Überlebenschance hat, kann er im Augenblick noch nicht sagen.
Demgegenüber ist Inhaber Herbrig für Hersbruck voller Optimismus. Denn er setzt auf einen neuen Investor, der sich bereits vor Ort umgesehen hat und der im Bereich Technik eine Zukunftsperspektive für das Kaufhaus sieht. Auch die Mode habe in Hersbruck eine Chance. Mit einem neuen Inhaber, hofft Herbrig, könnten „möglichst viele“ der derzeitigen Schickedanz-Mitarbeiter übernommen und der Einkaufsstandort gerettet werden. Herbrig möchte schon in den nächsten Tagen konkreter werden. Insolvenzverwalter Beck hingegen kündigt eine Presseerklärung für frühestens Ende der Woche an. Derzeit, so Beck, sei er erst „beim Kassensturz“.
Der Verkauf in den Hersbrucker Kaufhäusern am Unteren Markt und in der Poststraße (Technik-Kaufhaus) geht derweil unverändert weiter, bislang gibt es laut Herbrig keinen Umsatzeinbruch.
Die Häuser waren im Frühsommer 2009 von Herbrig wieder eröffnet worden, nachdem die Insolvenz des Versandhändlers „Quelle“ zur Schließung gezwungen hatte. Damals gab Hausbesitzer Leo Herl auch im Namen seiner Gattin Madeleine Schickedanz der Hoffnung Ausdruck, doch noch „etwas Gutes für Hersbruck“ zu erreichen. Mit Veränderungen im Sortiment, jungen Modelabels und gutem technischen Service hatte Herbrig versucht, in Hersbruck neue Kunden zu gewinnen.

Wie geil ist das denn?!
Hersbruck steht toll da, aber die Mitarbeiter verzichten seit Monaten auf ihr Gehalt? Wie passt das denn zusammen?
Hier hat sich wohl mal wieder ein Investor mit einem von Anfang an hoffnungslosen Projekt übernommen. Das Sortiment im Bereich Technik ist zu klein, um konkurrenzfähig zu sein, die Preise viel zu hoch. Nur wegen der vielleicht besseren Beratung sind eben die wenigsten Menschen bereit, hohe Aufpreise zu zahlen.
Im Mode-Bereich ist Hersbruck im preisgünstigen Bereich mit KiK, AWG, Vögele in Hohenstadt… sowieso schon mindestens gesättigt, der höherpreisige Bereich, den Schickedanz in Heb wohl anvisiert hat, gibt in einer Kleinstadt nun mal viel zu wenig Umsatz her. Wenn die Menschen in der aktuellen Zeit weniger Geld haben, werden eben keine €50 für ein Hemd ausgegeben, da tut es auch das vom Discounter für €10-20, das genauso aussieht und auch erfahrungsgemäß genauso lang hält.
Wenn Schickedanz in Hersbruck überleben soll, dann mit Produkten, die es in Hersbruck wirklich braucht, und die müssen zu einem vernünftigen Preis angeboten werden. Ich würde es jedenfalls durchaus begrüßen, nicht für jede Anschaffung eines Elektrogerätes nach Nürnberg fahren zu müssen, wenn ich eine größere Auswahl als 2 Produkte haben will.