Interview mit Eleonore Blaurock-Busch zur Trump-Wahl

„Ein Riesenrückschritt für die Demokratie“

Eleonore Blaurock-Busch | Foto: K. Bub2016/11/t-Eleonore-Blaurock-Busch.jpg

HERSBRUCK – Die USA haben entschieden: Donald Trump wird ihr nächster Präsident. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen nannte das Ergebnis einen „schweren Schock“. Und auch die Hersbruckerin Eleonore Blaurock-Busch, die über 30 Jahre in Amerika lebte, findet deutliche Worte.

Donald Trump hat die Präsidentschaftswahl gewonnen. Was sagen Sie dazu?

Eleonore Blaurock-Busch: Die Demokratie macht damit einen Riesenschritt zurück. Aber ich glaube, das ist nicht allein ein amerikanisches Problem. Wir haben es weltweit mit einer sehr unzufriedenen Bevölkerung zu tun, auch in Deutschland. Die Menschen haben einfach vergessen, wie schlecht es einem wirklich gehen kann.

Wie meinen Sie das?

Der Mensch hat sehr wenig gelernt. Wie ist es denn in Deutschland mit der AfD? Die ist doch gerade in den Bundesländern stark, die einst dem Kommunismus unterstellt waren, in denen es die Bürger aus eigener Erfahrung also besser wissen müssten. Aber das Erinnerungsvermögen der Menschen ist schlecht. Jeder will immer mehr, keiner ist mit dem zufrieden, was er hat. Viele glauben sogar, dass ihnen andere noch was wegnehmen könnten.

Genau diese Klischees hat Trump im Wahlkampf bedient: Muslimen will er die Einreise in die USA verbieten, an der Grenze zu Mexiko will er eine Mauer bauen und den Unternehmenssteuersatz will er von 35 auf 15 Prozent senken.

Was ist das für ein Gedanke, keine Steuern zahlen zu wollen? Welche Werte werden den Kindern hier vorgelebt? Du sollst mehr nehmen als geben? Auch mir hat es manchmal weh getan, Steuern zu zahlen. Aber ich habe es, weil ich das Geld ja verdient und auch die Annehmlichkeit davon hatte.

Sie sind 1968 in die USA gegangen und haben sich dort von der chemischen Laborantin zur Laborleiterin hochgearbeitet. Wäre ihr Leben unter einem Präsidenten wie Trump auch so verlaufen?

Ich glaube nicht. Damals zählten Arbeitskraft, Intelligenz und Durchhaltevermögen – dann hatte man alle Chancen. Aber ein System, das Frauen nur in der Küche haben will, ist nicht gerade förderlich für eine Frau, die arbeiten will und es vielleicht auch muss. Ich bin keine Feministin, aber mit Trump als Präsident sind alle Bemühungen der Feministinnen mit einem Wisch weg.

Wäre Hillary Clinton keine Frau, wäre das Wahlergebnis dann ein anderes?

Ich wage zu behaupten: Wäre Hillary Clinton ein weißer Mann, wäre die Wahl anders gelaufen. Die Dinge, die ihr im Wahlkampf vorgeworfen wurden, wären bei einem Mann sicherlich anders bewertet worden.

N-Land Katja Bub
Katja Bub