Plan B fürs Krankenhaus Hersbruck

„Nicht warten, bis die Hütte schließt“

Das Hersbrucker Krankenhaus soll auf jeden Fall ein medizinisches Zentrum der Stadt bleiben. | Foto: frankenluftbild.de2018/04/luftbild-kh-frankenluftbild.jpg

HERSBRUCK – Die Bürgerinitiative kämpft weiter für das Hersbrucker Krankenhaus und braucht dafür am 28. April eine möglichst große Unterstützung der Bevölkerung: für eine Demo ab 15 Uhr vor dem Bayerischen Gesundheitsministerium in Nürnberg. „Das ist wichtig, um der Bundespolitik unmissverständlich zu zeigen, was ihre Entscheidungen auf dem Land anrichten“, meint auch Bürgermeister Robert Ilg. Zugleich arbeiten er und einige andere an einem attraktiven Plan B, für den es bereits einen fachkundigen Investor gibt.

„Haus der Gesundheit“ nennt Landrat Armin Kroder das Projekt, in dem das bestehende Krankenhaus in ein modernes Arztzentrum mit Operationssaal, ärztlicher Bereitschaftspraxis und mit weiteren Möglichkeiten umgewandelt werden soll. Auch darum ging es im vertraulichen Teil des Gesprächs am 14. März in München mit Ministerpräsident Markus Söder und Gesundheitsministerin Melanie Huml, wie die HZ erfuhr. Kroder war ebenso dabei wie Ilg und Landtagsabgeordneter Norbert Dünkel. Denn so ein Millionenvorhaben braucht neben Investoren auch staatliche Zuschüsse.

Die Argumentation bei diesem Austausch war klar: Wenn sich die Staatsregierung schon offensiv die Stärkung des ländlichen Raums auf die Fahnen schreibt, durch ihre Politik aber die medizinische Versorgung genau auf diesem Land, also in der Hersbrucker Schweiz, massiv schwäche, indem sie die Krankenhausschließung erzwingt, dann müsste zumindest die mit der Klinik verknüpfte sehr gute fachärztliche Versorgung erhalten bleiben. Und dafür könnten Söder und Huml durchaus etwas tun.

Ilg und Kroder bestätigten hinterher auch, dass beide dem Hersbrucker Anliegen „zugewandt waren“, sich für die spezielle Situation mit dem ausgesprochen guten Ärztenetzwerk wirklich interessierten. Es sei ein Zwischenschritt gewesen, lautet die Einschätzung beider. Aber: Für „Plan 1a“, wie Kroder die Rettung des bestehenden Krankenhauses nennt, stünden die Chancen schlecht. Laut Ministerin Huml sei es aussichtslos, neue Betten für Hersbruck zu bekommen.

Dr. Johannes Seitz dazu: „Das liegt nun mal in der Hand des Klinikums. Die Verantwortlichen sagen in jedem Gespräch, dass der Plan, die Betten nach Lauf zu verlegen, durchgezogen wird. Wenn sie den Bürgern kein Gehör schenken, dann ist es weg.“ Nachdem jetzt Krankenkassen schon öffentlich darüber redeten, Krankenhäuser bräuchten mindestens 500 Betten, habe er wenig Hoffnung.

Bürgermeister Ilg sagt deshalb, es müsse für ihn „absolute Priorität“ haben, die sehr gute ambulante Versorgung durch Ärzte in der Stadt zu sichern. Außerdem müsse die Infrastruktur an dem Standort unbedingt erhalten bleiben, damit Hersbruck auch für eine neue Klinik bereit wäre, sollte sich die Gesundheitspolitik eines Tages wieder ändern.

An dieser Stelle kommt „Plan 1b“ ins Spiel. Seit Längerem sitze bei den Gesprächen über das Krankenhaus die Laufer Firma Casamed mit am Tisch, berichtet Ilg gegenüber der HZ. Der Geschäftsführer der GmbH gilt als ausgewiesener Fachmann für Bau, Ausbau und Sanierungen von Facharztzentren. Und er ist ein Investor, der ein Hersbrucker Facharztzentrum anstelle des Krankenhauses für sehr interessant hält.

Die Liste seiner Referenzen liest sich gut, unter anderem stehen darauf das „MedCenter“ in Langwasser, das „Facharzt Forum Fürth“ und das „MedCenter Bayreuth“ und auch Projekte in der ganzen Welt. Seit Anfang der 90er Jahre ist er im Geschäft und plante seitdem in der Hersbrucker Schweiz unter anderem für die Ärztegemeinschaft, der auch Dr. Seitz angehört, in Hohenstadt den OP und den Empfangsbereich der chirurgisch-orthopädischen Privatpraxis im Hersbrucker Krankenhaus. Er geht von 5000 Quadratmetern Gesamtfläche für einen ambulanten OP und Praxen aus, in die sich verschiedene Ärzte einmieten oder selbst als Investor einkaufen können. Auch weitere medizinische oder pflegerische Dienste wären willkommen sowie das vom Klinikum vorgeschlagene Institut für Ärzte in der Ausbildung.

Viele Gespräche haben schon stattgefunden — mit interessierten Medizinern und mit dem Klinikum über einen Kaufpreis. Derzeit liegen die Vorstellungen aber noch sehr weit auseinander.

„Plan 1b“ hätte den weiteren Vorteil, dass in diesem medizinischen Zentrum eventuell auch die ärztliche Bereitschaftspraxis für Sonn- und Feiertage bleiben könnte, die bislang fest mit einem Krankenhaus verknüpft ist. Ministerin Huml habe ihm zugesagt, sich darum zu kümmern, sagt Ilg, der sie in diesem Punkt im Wort sieht.

Wirkliche Alternativen zu den Plänen 1 a und b gibt es nicht. „Plan c oder d wäre: Ich gehe in die vorhandene Praxis unserer Ärztegemeinschaft nach Lauf“, sagt Dr. Seitz unmissverständlich. Plan 1b ist deshalb auch sein Plan, denn er will nach wie vor in Hersbruck bleiben. „Unsere Gemeinschaftspraxis braucht einen verlässlichen Plan. Wenn die Hütte schließt und wir uns nicht rechtzeitig etwas überlegt haben, dann haben wir nichts“, erklärt er.

Bürgermeister Ilg weiß das, deshalb verfolgt er mit Nachdruck die 1b-Variante. Die Kundgebungen und den Bürgerprotest begrüße er, weil es helfe, sich breiter aufzustellen und den Bundes- und Landespolitikern zu zeigen, dass sich viele Menschen in ländlichen Regionen im Bereich der Gesundheit abgehängt fühlen.

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