Ist unser Gesundheitssystem am Ende?

Norbert Dünkel, Marlene Mortler, Wolfgang Zöller, Diskussionsleiter Dr. Otto Wolze und Ulrich Amon diskutierten in der Psorisol-Klinik mit Besuchern über Gesundheitspolitik. Foto: J. Ruppert2011/04/5_2_1_2_20110409_GESUND.jpg

HERSBRUCK (jr) – Einen Einblick in das deutsche Gesundheitssystem erhielt Wolfgang Zöller von einer 75-Jährigen. Der Bundestagsabgeordnete stand bei einer Patienteninfo der CSU in der Hersbrucker Psorisol-Klinik Rede und Antwort. Gegen hohe Kassenbeiträge schlug er einen Wechsel zur Konkurrenz vor. Die alte Dame hatte das versucht und die Antwort bekommen: „Wir kaufen uns doch keine Halbtoten ein.“

Norbert Dünkel wies eingangs darauf hin, dass die Diskussion mit dem Patientenbeauftragten der Bundesregierung keine CSU-Parteiveranstaltung sei. Marlene Mortler nannte ihrem Bundestagskollegen denn auch einige plakative aktuelle „Überschriften“ à la „Patient wartet seit viereinhalb Monaten auf Termin beim Neurologen“, „Krankenkassen werfen Ärzten Gewinnstreben vor“ und „neue Medikamente ohne belegten Nutzen“.

Auf ein „Hersbrucker Problem“ wies Professor Dr. Ulrich Amon, der ärztliche Leiter der Psorisol, hin. Andernorts erhalten Hautpatienten oftmals nicht die medizinisch notwenige Behandlung. Grund ist die Angst der Hautärzte vor „Regress“. Die Behandlung in der Psorisol funktioniert nicht nach dem Prinzip „ein bisschen Licht, ein bisschen Kortison“, sondern dauert wegen der höheren Qualität länger, ist daher teurer und wird deshalb von den Kontrollgremien „kritisch beäugt“.

Wolfgang Zöller stellte in einem Kurzreferat stichpunktartig das Patientenrechtegesetz vor, das die CSU als 14-Punkte-Papier erstellt hat. Unterlegt durch Zahlen erklärte der Unterfranke, dass das bisherige Umlagesystem am Ende sei (Zwischenapplaus der Zuhörer), er warb für Eigenverantwortung und Ehrlichkeit.

Zu Marlene Mortler gewandt möchte Wolfgang Zöller Facharzttermine für alle innerhalb von drei Wochen. Ein weiterer Gedanke in diese Richtung ist, dass sich Ärzte tageweise Praxen auf dem Land teilen, so etwa Montag, Mittwoch, Freitag der Hausarzt, Dienstag und Donnerstag der Facharzt.

„Was ist, wenn Sie am Montag Nierenkolik haben und der Urologe kommt erst am Freitag?“ schüttelte Dr. Hartwig Kohl in der Diskussion den Kopf über den Vorschlag. Weiter forderte er eine intelligente Selbstbeteiligung. Das unterstützte der Politiker. Doch derzeit gehe es sehr vielen nur darum, am meisten für sich herauszuschlagen. Zum Beispiel wurden die Preise auf Arzneimittel geschrieben – mit dem Erfolg, dass Patienten das teuerste Medikament wollen.

Teils drehte sich die Diskussion im Kreis. Mediziner im Saal kritisierten die geringe Vergütung der Ärzte. Der Abgeordnete verwies auf die kassenärztliche Vereinigung, die die Honorare mit den Kassen aushandelt, die Doktoren fühlen sich von ihrer Vertretung ungenügend vertreten, Zöller antwortete wiederum, dass die Ärzte eben andere Vertreter wählen müssten.

Bei den Krankenkassenausgaben schwirrten Zahlen von Millionen bis Milliarden durch den Raum. Weitere Nachfragen betrafen die Budgetierung, das Umlagesystem samt Weiterentwicklungen mit Steuersäule und Zusatzbeitrag, das Bezahlen von Reha-Maßnahmen durch die Kassen, Bürokratie, Arbeitsbelastung, elektronische Gesundheitskarte, Kontrolle der Krankenkassen, Praxisgebühr und anderes.

Vor der Diskussion hatte sich Wolfgang Zöller das Innenleben der Psorisol zeigen lassen. Professor Amon führte ihn zusammen mit Marlene Mortler, Norbert Dünkel, Bürgermeister Robert Ilg und anderen in das Hallenbad, wo künstlich eine Sole hergestellt wird, in die Lichttherapie und in Patientenzimmer. Das Wort Patient wird in der Psorisol an sich gar nicht verwendet, erklärte der Chefarzt. Vielmehr soll schon der Begriff „Aktient“ dem Kranken eine aktive Rolle bei der Therapie zuweisen.

Die Psorisol ist Marktführer in Deutschland bei Hauterkrankungen. „Hersbruck hat viele Glanzlichter, die Klinik ist dennoch etwas Besonderes“, sagte Marlene Mortler.

Als „Nebeneffekt“ des Erfolgs sind die 153 Betten stets ausgebucht. Die Wartezeit für Neuanmeldungen beträgt im Moment vier Wochen. Dies ist eine der Ursachen, warum die bundesweit einzigartige Einrichtung einen Erweiterungsbau anstrebt. Ein weiterer Grund sind die Wünsche finanzkräftiger Patienten aus zum Beispiel Dubai oder Russland: Sie wollen neben hoher medizinischer Qualität kein Klinikambiente sondern eine Hotellerie, sagte Professor Ulrich Amon.

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