Kapazitätsgrenze erreicht?

Innere Abteilung aller drei Landkreis-Kliniken war für 24 Stunden abgemeldet

Ein vom Landkreis in Auftrag gegebenes Strukturgutachten soll klären, wie es um die medizinische Versorgung im Landkreis tatsächlich bestellt ist. | Foto: M. Scholz2018/12/DSC_7656.jpg

KLEEDORF – Beim jüngsten Treffen der Bürgerinitiative zum Erhalt des Hersbrucker Krankenhauses haben dort tätige Ärzte die aktuelle Situation des Hauses geschildert. Und die ist dramatisch. Bis 2023 soll die Klinik eigentlich in Betrieb sein. Von 2019 spricht dagegen Dr. Hans Kolb, einer der Internisten.

„Wir müssen eine gewisse Zahl an Patienten behandeln, um die Assistenzärzte finanzieren zu können“, schildert Dr. Hans Kolb die Lage der Belegärzte. Und genau das sei – nach Kürzung der Bettenzahl von 60 auf 36 – kaum machbar. Kolb rechnet in diesem Jahr mit 700 bis 800 Fällen weniger als 2017.

Mit am Tisch der BI in Kleedorf sitzt diesmal Hersbrucks zweiter Bürgermeister Peter Uschalt. Er war als einziger von den eingeladenen Bürgermeistern aus dem Altlandkreis erschienen. Und Peter Bauer von den Freien Wählern, der seit kurzem der Patienten- und Pflegebeauftragte der Bayerischen Staatsregierung ist. Vor allem er schüttelte immer wieder den Kopf, je mehr ihm die Ärzte und die Mitglieder der BI erzählten.

Am Dienstag hatten sich zum Beispiel im Bereich der Inneren Medizin alle drei Krankenhäuser im Landkreis abgemeldet. Auf Nachfrage der HZ teilte Dr. Boris Singler, der Ärztliche Leiter Rettungsdienst im Rettungsdienstbereich Nürnberg, mit, dass tatsächlich für 24 Stunden die Abteilungen der Inneren Medizin der drei Krankenhäuser an ihre Kapazitätsgrenzen gekommen waren. Die Notaufnahmen aber wären aufnahmefähig gewesen, Patienten hätten also versorgt werden können.  Für die Bürgerinitiative dennoch ein Unding. Kaum Kapazitäten – und das schon vor der Grippewelle. Dabei habe das Klinikum Nürnberg, als es die Schließung des Hersbrucker Hauses für 2023 bekannt gab, angekündigt, die Einrichtung bis dahin unverändert weiterzubetreiben.

Huml sprach Machtwort
Sogar Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml habe bei einem Gespräch im Oktober die Klinikleitung zur Einhaltung dieses Versprechens aufgefordert, erinnert Hersbrucks zweiter Bürgermeister Uschalt. Fakt aber ist: Die zweite Station im Hersbrucker Krankenhaus ist nach wie vor geschlossen.

„Aber warum? Was bezweckt Nürnberg damit?“, fragt der Patientenbeauftragte Bauer immer wieder in die Runde. „Unfähigkeit der Führung oder böswillige Herunterwirtschaftung des Hersbrucker Krankenhauses“, mutmaßt Wolze und erntet zustimmendes Kopfnicken von den anderen am Tisch.

Aufgeben aber mag das Krankenhaus hier keiner. Auch Bauer nicht. Er verweist auf den Koalitionsvertrag zwischen CSU und Freien Wählern, der explizit auch auf Landkrankenhäuser Bezug nimmt. „Das ist unsere Chance“, sagt er. Und er zitiert aus der Regierungserklärung von Ministerpräsident Markus Söder.

Der verkündete am 11. Dezember: „Wir investieren zusammen mit den Kommunen in den kommenden Jahren über zwei Milliarden Euro in die medizinische Versorgung im ländlichen Raum.“ Und: „Über kleine Krankenhäuser auf dem Land spannen wir einen Schutzschirm. Für diejenigen Kliniken, die sich neu aufstellen, übernehmen wir für drei Jahre 85 Prozent der Betriebsdefizite. So können viele kleine Krankenhäuser erhalten bleiben.“

Der Landkreis Nürnberger Land hat nun vor kurzem ein Strukturgutachten in Auftrag gegeben, um genaue Daten über den Ist-Zustand der medizinischen Versorgung im Landkreis zu bekommen. Doch es dauert Monate, bis hier erste Ergebnisse vorliegen, so Uschalt.

Die Ärzte befürchten indes, dass ihnen die Zeit davon rennt. „Über die ganzen Diskussionen um den ländlichen Raum kommt das Hersbrucker Krankenhaus am Ende unter die Räder“, formuliert es Dr. Johannes Seitz.

N-Land Katja Bub
Katja Bub