Amtsgericht Hersbruck

Gefährliche Körperverletzung beim Kicken

Nach einem üblen Foul, bei dem sich sein Gegner schwer verletzte, stand ein Röthenbacher sogar vor Gericht. | Foto: Alexander Lupin - stock.adobe.com2020/12/AdobeStock-192789547.jpeg

HERSBFRUCK – Im September dieses Jahres stand Caclu R. (Name geändert) schon einmal vor dem Hersbrucker Amtsgericht. In der Verhandlung unter Vorsitz von Richter André Gläßl ging es damals wie heute um eine gefährliche Körperverletzung, die der Röthenbacher bei einem Fußballspiel im Oktober 2019 begangen haben soll.

Schon im September hegte der Richter Zweifel, ob bei einem Sprung auf den Brustkorb des Geschädigten, den der etwa 110 Kilogramm schwere Caclu R. laut Anklage vorsätzlich begangen haben soll, nicht schwerere Verletzungen als „nur“ eine Brustkorbprellung mit Hämatom zu erwarten gewesen wären. Diese bedeutsame Frage sollte ein medizinischer Sachverständiger für das Gericht klären.

Nachdem der Staatsanwalt die Anklage verlesen hatte, wonach der Röthenbacher einem am Boden liegenden Gegenspieler mit Anlauf und angezogenen Knie auf die Brust gesprungen sein soll, machte der Angeklagte ausführliche Aussagen zu physikalischen Kräften, die er in einschlägiger Literatur recherchiert habe.

Beide am Boden

Auch sein Verteidiger moniert, dass der Ablauf des Fouls nicht dem Vorwurf entsprechen könne. Die Vorkommnisse im Herbst 2019 schildert R. anders: „Im Kampf um den Ball gingen wir kurz vor Spielende beide zu Boden. Ich rappelte mich als erster hoch und kniete mich auf die Brust des Geschädigten.“ Damit habe er seinen Gegner daran hindern wollen, an den Ball zu gelangen, der einige Meter entfernt lag.

Der Schiedsrichter hatte die Aktion als grobes Foul gewertet und zeigte dem Hobbyfußballer die rote Karte. Es folgten tumultartige Krawalle und Beschimpfungen zwischen den Spielern, empörte Zuschauer hätten die Szenerie zusätzlich angeheizt.

Als Zeuge berichtet der Geschädigte: „Ich lag am Boden, er kam aufrecht gehend auf mich zu, sah mich an, hüpfte leicht vom Boden ab und landete mit den Knien voraus auf meiner Brust.“ Dann sei er kurz weggetreten und habe nach Atem gerungen, Spielleiter und Trainer hätten ihn vom Feld geführt. Mit Sauerstoffmaske, Blaulicht und Notarztbegleitung wurde er ins Nürnberger Südklinikum gebracht.

Täglich Schmerzmittel

Dort sei eine starke Prellung des Brustkorbs und ein Hämatom diagnostiziert worden. Zwei Wochen war der Gefoulte nach eigenen Angaben außer Gefecht und benötigte täglich Schmerzmittel. Sein Anwalt riet ihm, ein Schmerzensgeld von 3500 Euro zu fordern. Dies müsse aber in einem Zivilverfahren geklärt werden. In einer vorausgegangenen Verhandlung des Sportgerichts wurde Caclu R. bereits mit einer einjährigen Spielsperre belegt.

Der medizinische Gutachter geht jedoch eher von einem eher flächigen Kontakt aus, der bei einem Sprung mit dem Knie voraus nicht auftreten könne. Seiner Meinung nach sei wahrscheinlicher, dass sich der Angeklagte aus dem Stand auf seinen Gegner hat fallen lassen und mit Knie und Unterschenkel auf dessen Brustkorb aufschlug. Er betonte trotzdem, dass sich der Geschädigte nur durch großes Glück nicht schlimmer verletzte.

Gestützt auf das Gutachten und die Einsicht des Angeklagten wertet Richter André Gläßl die Tat nicht als gefährliche Körperverletzung und schlägt vor, das Verfahren einzustellen. Durch einen Täter-Opfer-Ausgleich erhält der Geschädigte 2500 Euro Schmerzensgeld. Nach kurzer Beratung erklären sich alle Beteiligten einverstanden. Caclu R. gilt damit auch nicht als vorbestraft.

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