Ab 4. Mai dürfen Salons wieder öffnen

Friseure stehen in den Startlöchern

„Wann machen wohl die Friseure wieder auf?“, fragt sich gerade nicht nur Ute Plank mit ihrer Karikatur. | Foto: Ute Plank2020/04/friseure.jpg

HERSBRUCK – Die Mähne wuchert, der Ansatz lässt sich kaum mehr kaschieren und das Lied „Ein graues Haar“ müssten gerade wohl viele in die Mehrzahl umschreiben: Der Friseur ist aktuell in der Sehnsuchtsskala der Bürger weit nach oben gerutscht. Noch muss man sich aber bis 4. Mai gedulden und dann wird es erst mal anders aussehen im Salon. Wie, das würden auch die Hersbrucker Coiffeure gerne bald wissen, um sich vorbereiten zu können.

„Seitdem bekannt ist, dass wir am 4. Mai wieder öffnen dürfen, steht unser Telefon nicht mehr still“, erzählt Bernd Bruckner. Doch nicht nur Kunden, auch seine Mitarbeiter würden sich „wahnsinnig“ darüber freuen, dass es endlich wieder losgeht.

Seit rund vier Wochen schon sind alle deutschen Friseure im Zwangsurlaub, auch der Herbsrucker Saloninhaber hat wie viele Chefs seine Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. „Ich habe den Vorteil, keine Miete zahlen zu müssen, weil ich im eigenen Laden arbeite. Aber laufende Kosten gibt es trotzdem und auch das Kurzarbeitergeld muss ja erstmal vorgestreckt werden“, erklärt Bruckner. Hätte sich die Situation noch länger gezogen, wäre es „nicht mehr lustig“ geworden.

Trotzdem seien er und sein Team ob der verfügten Schließung erleichtert gewesen: „Die Mitarbeiter waren sehr verunsichert, weil es am Anfang noch hieß, dass Friseure weiterarbeiten dürfen.“ Aus Angst vor einer Ansteckung habe er erwägt gehabt, seinen Laden sowieso zu schließen.

Frage nach Ausnahme

Bruckner hat die freie Zeit genutzt, um ein lange geplantes Projekt umzusetzen: Er hat einen Onlineshop für seinen Salon aufgebaut. Auch telefonische Beratung nähmen einige Kunden wahr – vor allem das Thema Farbe stünde hier hoch im Kurs. Bruckner rate dann zu farbigen Haarkuren oder – als Notlösung – zu Ansatzkaschierpuder, das zumindest bis zur nächsten Haarwäsche hält. Männer und Frauen seien in der Hinsicht gleichermaßen nervös. Manche hätten ihn sogar gefragt, ob er nicht trotz der Beschränkungen eine Ausnahme machen könne – „die habe ich natürlich alle abgelehnt“, so Bruckner.

Deshalb erwartet er einen großen Ansturm, wenn die Salontüren wieder öffnen dürfen, und hofft gleichzeitig auf Verständnis bei den Kunden, wenn sie vielleicht nicht kurzfristig einen Termin bekommen. Um der großen Nachfrage Herr zu werden, plant Bruckner, sein Geschäft auch montags zu öffnen. Allerdings rechnet er damit, dass ein Abstand von eineinhalb Metern auch im Salon eingehalten werden muss und dadurch nicht alle neun Friseure gleichzeitig arbeiten können: „Dafür ist unser Laden zu klein.“ Auch über längere Arbeitszeiten denkt er nach.

Klare Leitlinien fehlen noch

Allerdings gibt es bisher noch keine klaren Leitlinien für ein Sicherheitskonzept. „Solange können wir noch keine Termine ausmachen, weil wir zum Beispiel nicht wissen, mit wie vielen Mitarbeitern wir arbeiten können.“ Auch die Anschaffung von Mundschutz sei nicht einfach. „Ich hoffe, das klärt sich bald“, sagt Bruckner.

Das hofft auch Yasir Almafrachi. Der Inhaber von „Haare & Schönheit“ hat zwar bereits Masken angeschafft und auch einen Spuckschutz für den Tresen besorgt. Auf Informationen von der Friseurinnung warte er aber noch. „Wegen des Mindestabstands wird auch über Schichtarbeit geredet werden müssen“, sagt er. Auch für Kunden lägen Einmalmasken in seinem Geschäft bereit – solange die mit Gummis hinter den Ohren befestigt werden können, gäbe es keine Probleme beim Frisieren, so Almafrachi.

Er hofft, mit guter Vorausplanung den Schwung an Kunden abfangen und am 4. Mai „in Ruhe starten“ zu können. Schon jetzt habe er viele Termine für die erste Maiwoche im Kalender stehen. Und auch telefonisch ließen sich seine Kunden gerne beraten, „vor allem Männer“, sagt Almafrachi.

Lieber keine Drogerieprodukte

Ungeduldigen mit kurzen Haaren gibt er den Tipp, mit einem Zwölf-Millimeter-Aufsatz die Seiten zu kürzen. So kann der Friseur im Nachhinein noch mit einem Neun-Millimeter-Aufsatz nachbessern. Bei Thema Farbe rät er zu Vorsicht, besonders bei Drogerieprodukten. „Die enthalten meist Metalle und erschweren dem Friseur die Arbeit im Nachhinein, falls er nachfärben will.“ Denn durch die Metalle kämen die Profifarben nicht mehr an die Haarpigmente heran. Auch Naturhaarfarben würden sich schlecht mit denen der Profis vertragen.

Der Friseur ist auf der einen Seite zwar froh, dass er ab Mai seinen Salon wieder aufsperren darf – schließlich müsse die Miete bezahlt werden und auch seine Mitarbeiter seien auf ihr Gehalt angewiesen – andererseits sei er weiterhin skeptisch, weil das Virus immer noch nicht besiegt ist und gerade Friseure sehr nah am Menschen arbeiten.

Abends länger offen

Auch Sabine Barrabas, Inhaberin von „die Frisur“ in Hersbruck, hat sich bereits mit Mund-Nase-Masken eingedeckt und Schutze mit Plexiglas besorgt, die das ganze Gesicht abdecken. Ihren Salon würde sie bei Bedarf abends länger offen lassen, um den anfänglichen Ansturm zu bewältigen.


Dass Friseure nun noch mal zwei Wochen geschlossen haben müssen, sei „ein herber Rückschlag“ gewesen, denn auch für diese Woche hätte sie schon viele Anfragen gehabt. „Als Selbstständige muss ich von meinen Rücklagen leben, die eigentlich für etwas anderes geplant waren“, sagt sie. Neben laufenden Kosten wie Miete sei auch noch ein Wasserschaden in ihrem Salon hinzugekommen.

Den Ausfall würde man jedoch nicht mehr aufholen: Ein Mann gehe in der Regel alle vier Wochen zum Friseur. In der Zeit der Schließung wäre er also schon zwei Mal dagewesen. Nach der Wiedereröffnung schneide sie damit die doppelte Menge zum selben Preis, sagt Barrabas.

„Wäre unlauterer Wettbewerb“

Anfragen für eine Frisur „auf privater Basis“ habe sie nicht bekommen – und hätte auch abgelehnt, wenn es so gewesen wäre. „Das wäre unlauterer Wettbewerb und ich müsste mich am Ende rechtfertigen, weil ein frischer Haarschnitt ja eine sichtbare Leistung ist.“ Aber auch wenn es für ihre Kunden nun eine lange Durststrecke bedeutet: „Finger weg“ von Selbstexperimenten mit der Schere, sagt Barrabas. Viel Ausbesserungsarbeit würden sie trotzdem leisten müssen, meint die Friseurin.

Wer vor allem mit grauen Haaren kämpft, sollte sich für die richtige Farbwahl auch jetzt an seinen Friseur wenden. „Die meisten haben da eine völlige Fehleinschätzung“, sagt Barrabas. Für den Übergang rät auch sie zu Ansatzfarbsprays.

Barrabas hofft zudem auf einen positiven Nebeneffekt der Krise: „Der Branche würde eine Imageaufwertung gut tun.“ Denn jetzt würden viele merken, wie wichtig das Friseurhandwerk ist. „Der Kunde sieht meist nicht das Gesamtpaket, sondern nur den Haarschnitt an sich“, so die Friseurin. Dass er aber Miete, Material- und Personalkosten mitbezahlt, dessen sei er sich kaum bewusst.

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