Original Hersbrucker Bücherwerkstätte

Eschenbach-Preis an Hersbrucker „Drucker-Gangster“

Unser Foto zeigt die Mitglieder der Bücherwerkstatt: Thomas Lunz, Dan Reeder, Michael Gölling, Armin Krohne, Günther Tobisch, Woldemar Fuhrmann, Siggi Zimmermann, Johannes Stahl und Timo Reger (verborgen) mit Leiterin Ingrid Pflaum bei der „Geburtstagsfeier“ anno 2019 im Hirtenmuseum. | Foto: U. Scharrer2020/07/50-Jahre-OHB-2-4.jpeg

HERSBRUCK – Vor einem Jahr feierten sie ihren 50. Geburtstag, jetzt reicht der Bezirk Mittelfranken ein großes Geschenk nach: Die Original Hersbrucker Bücherwerkstätte erhält den mit 15 000 Euro dotierten Eschenbach-Preis.

Hinter der Original Hersbrucker Bücherwerkstätte steht ein Verbund von Grafikern und bildenden Künstlern, die seit Jahrzehnten ihre Leidenschaft für historische Druckmaschinen und alte Setzkästen mit Schrifttypen verbindet. Den Grundstein der inzwischen Kultstatus genießenden Buchdrucker legten 1969 die beiden HZ-Schriftsetzerlehrlinge Michael Gölling und Günther Tobisch sowie Siegfried Zimmermann, der mit dem „Heidelberger Zylinder umgehen kann wie kaum einer in Europa“ (Gölling).

Vor gut 40 Jahren stießen Woldemar Fuhrmann und Armin Krohne dazu, später dann Timo Reger, und vor gut 20 Jahren machten Thomas Lunz und Dan Reeder das kreative, oft so hintersinnige Oktett komplett. Jüngstes Mitglied ist Johannes Stahl, der vor allem für fein ziselierte Holzschnitte verantwortlich zeichnet.

Zwischen Dodo und Emu

Als Markenzeichen der Bücherwerkstätte gilt ein kleiner beschuhter Vogel irgendwo zwischen Dodo und Emu, ein „altfränkisches Wiwerla halt“, wie Gölling in seiner gewohnt nonchalanten Art sagt. Abseits des großen Kulturbetriebs arbeiten die „Drucker-Gangster“ – wie Kabarettist und Tatort-Spurensicherer Matthias Egersdörfer die Mitglieder der Bücherwerkstätte in seiner Festrede zum Fünfzigsten nannte – mit Lust und Leidenschaft in ihrer Werkstatt im Inneren der Hersbrucker Stadtmauer.

Seit 1975 erscheint jährlich in Zusammenarbeit mit einem ausgewählten Autor oder einer ausgewählten Autorin ein Kalender – auch der hat in der weit verzweigten Fangemeinde längst Kultstatus und wird den Machern auch wegen der limitierten Auflage üblicherweise nur so aus den Händen gerissen.

„Die Bücherwerkstätte ist ein einzigartiger kreativer Ort, der mit der Verbindung von traditionellen Drucktechniken, innovativem künstlerischen Anspruch und interdisziplinären Aktivitäten rund um Satz, Druck und Kunst bundesweite Bedeutung erlangt hat“, begründete die Jury ihre Entscheidung für die Verleihung des angesehenen Kulturpreises.

Die drei Förderpreise zu je 5000 Euro gehen heuer an Tänzerin und Choreographin Susanna Curtis, Musikerin Izabella Effenberg und Lyriker Christian Schloyer.

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